31.03.2012 07:17 entfacht ein Feuerwerk großer Gefühle

Musik Jazz: Randi Tytingvaag ist mit "Grounding" auf der Suche nach Wurzeln und Wahrhaftigkeit

Randi Tytingvåg (c) Ingvild Sara Aarsland

Von: Dagobert Böhm - 5 Bilder

Für die meisten Musiker sind Veränderungen ein Wagnis. Für die norwegische Sängerin Randi Tytingvåg hingegen gehören sie schlicht zum Leben dazu. Und so suchte Tytingvåg am Ende einer ausgedehnten Europa-Tournee Kontakt zu neuen Musikern, spielte eine Rolle in einem um die Stücke ihrer Vorgängeralben „Red“ und „Let it go“ aufgebauten Theaterstück und lenkte das mit Ivar
Grydeland (Gitarre, Banjo), Jo Berger Myhre (Bass, Baritone Guitar) und Pål Hausken (Schlagzeug, Percussion) eingespielte „Grounding“ in eine neue Richtung. Auf dem Album präsentiert sie sich nun als eine stilistisch reduzierte Künstlerin, die sich nur noch ihren Intentionen als Singer/Songwriterin
verpflichtet fühlt. Weniger dem Jazz und Chanson als viel mehr der britisch-nordischen Spielart der Popmusik zugewandt, entfacht sie in ihren elf neuen Songs ein Feuerwerk großer Gefühle, starker Emotionen und erkenntnisreicher Statements zur Gestaltung der eigenen Existenz.


In einem Interview mit der norwegischen Tageszeitung Aftenbladet hat Tytingvåg den Ansatz für „Grounding“ wie folgt auf den Punkt gebracht: „Wir haben alles auf die Essenz heruntergebrochen, sind den Ursprüngen der Songs sehr stark verpflichtet geblieben. Wir haben uns bemüht, jegliche musikalischen Ausschmückungen zu vermeiden. Die Stimme und die Geschichten stehen jetzt mehr denn je im Mittelpunkt.“ Dabei geht es ihr durchaus nicht um aufsehenerregende Gesten, sondern um einen organischen Prozess des Wandels, dem sie mit einer gewissen Bescheidenheit entgegentrete. Und so erscheint es als durchaus passend, dass „Grounding“ mit einem selbstironisch
angehauchten Track eröffnet („Impatience“), in dem sie ihre eigene, extreme Ungeduld besingt.


Hinter der Mischung aus Leichtigkeit und Melancholie verstecken sich dabei aber stets auch bedeutend ernstere Themen. Die 1979 in Stavanger geborene Künstlerin, die sich unverändert auf zeitlos schöne Melodien versteht, gibt sich in Stücken wie "Paper Tiger" ("Too much is never quite enough"), "Your Way", "Starbuck" oder "Future Song" nicht nur auf die Suche nach Wahrhaftigkeit
und Aufrichtigkeit in der Partnerschaft, sondern hinterfragt gleichzeitig auch noch, wie man die Angst zu zweit in Gegenwart und Zukunft erfolgreich bewältigen kann. Mit dieser Kombination aus Geschichten und Songs nähert sich die Scheibe damit immer mehr der Atmosphäre ihrer Konzerte
an, bei denen sich verschiedenste Stimmungen zu einem tiefen Fluss verbinden. Ihrer Stimme klingt dabei stark und empfindlich zugleich.


Zart und zurückhaltend sind Tracks wie "Your Way", "All That Is Not Free" und "Relay". Dominiert von unwiderstehlicher Eleganz sind "Inside" und das eher in der Weite des amerikanischen Südwestens zu verortende "Tytingvåg", das die Distanz zu den großen Namen der angloamerikanischen Singer/Songwriter-Gilde sehr kurz werden lässt. "On the inside looking out.


This is what I've been dreaming about“, heißt es im Song "Inside". Textzeilen, die vortrefflich die musikalisch-lyrische Präsenz der norwegischen Künstlerin auf den Punkt bringen. Produziert von Pål Hausken ist 'Grounding' ein Album geworden, das sich dem Thema Veränderung mutig stellt und trotzdem wie aus einem Guss wirkt. Randi Tytingvåg hat sich sowohl zu ihren Wurzeln als auch
aktuellen Inspirationsquellen bekannt - und dabei wahrhaft ihre Erdung gefunden.

 

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