01.10.2013 08:15 Das Gute von gestern im neuen Gewand

Musik Jazz: Pete Yorks neues Album "Basiecally Speaking" - Jazz, der das Herz berührt

Pete York veroeffentlicht neues Album

„Basie war meine erste Erfahrung mit Jazz. Als ich 15 war, nahm mich meine Mutter zu einem Konzert von ihm mit. Das war unvergesslich, auch sein dynamischer Schlagzeiger Johnny Payne," so York. © Georg Tuskany

Gabor Bolla, Torsten Goods, Pete York und Andi Kissenbeck

Bild 2: Gábor Bolla, Torsten Goods, Pete York & Andi Kissenbeck © Georg Tuskany

Neues Album Basiecally Speaking von Pete York

Bild 3: Album "Basiecally Speaking" © ACT

Von: GFDK - ACT Music - 3 Bilder

Die Sache reicht zurück bis ins Jahr 1965. Da nahm die Spencer Davis Group – mit dem Nummer-Eins-Hit „Keep On Running“ gerade zu einer der heißesten Bands des Jahres avanciert – in London fuer die deutsche Phillips eine deutschsprachige Single auf.

Neben dem Gitarristen und ehemaligen Deutschlehrer Spencer Davis, Steve Winwood und seinem älteren Bruder Muff gehörte der aufstrebende Schlagzeuger Pete York zur Band. Der nicht minder aufstrebende Produzent der Session war Siggi Loch. „Seit damals sind Siggi und ich befreundet“, erinnert sich Pete York, der im August dieses Jahres 70 geworden ist. „Vielleicht ist es Siggis Geburtstagsgeschenk an mich, dass ich jetzt bei ACT ein Album machen konnte.“

Das Geschenk heißt „Basiecally Speaking“, und wie der Titel unschwer vermuten lässt, steht Count Basie im Zentrum des Geschehens. York erklärt, warum: „Basie war meine erste Erfahrung mit Jazz. Als ich 15 war, nahm mich meine Mutter zu einem Konzert von ihm mit. Das war unvergesslich, auch sein dynamischer Schlagzeiger Johnny Payne. Wie natürlich auch die Power und die Dynamik dieser Bigband. Basie hat die ganze Sprache der Musik benutzt, und dazu kam noch sein Humor, sein ökonomisches Klavierspiel. Jede Note ist wichtig und swingt. All das habe ich immer versucht, in meine eigene Musik zu bringen. Vor allem habe ich von Basie gelernt, was man nicht spielt. “

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Nicht nur darin hat es Pete York selbst zur Meisterschaft gebracht. Es gibt nicht viele derart vielseitige und raffinierte Schlagzeuger wie den Briten, der seit 1984 in Bayern lebt. Berühmt wurde er bereits Mitte der sechziger Jahre, eben beider Spencer Davis Group und im Duo mit Eddie Hardin („kleinste Bigband der Welt“). Genregrenzen gab es für ihn nie, er spielte und spielt mit Jazzern wie Chris Barber und Klaus Doldinger, Bluesern wie Dr. John, Rockern wie der kürzlich verstorbene Deep Purple-Keyboarder Jon Lord und Liedermachern wie Konstantin Wecker. Für den Jazz-affinen Comedian Helge Schneider bedient er nicht nur regelmäßig die Drumsticks, vor kurzem stand er sogar mit ihm vor der Kamera. Mit so gut wie allen maßgeblichen Kollegen an den Stöcken arbeitete York für seine Fernsehserie Super Drumming zusammen. Und mindestens so gut wie als Schlagzeuger ist York auch als Entertainer mit britischem Humor.

Yorks Offenheit, Unverbissenheit und Publikumsnähe deckt sich mit dem Musikverständnis von Siggi Loch, nicht zuletzt auch die Liebe zur Tradition: „Vielen jungen Musikern fehlt das Wissen über die Geschichte des Jazz“, findet Loch, „doch wer seine Geschichte nicht kennt und ehrt, der hat keine Zukunft. “Dass er selbst dafür etwas tut, war auch die Basis für „Basiecally Speaking“.

Im Frühjahr bekam Loch auf der Jazzahead in Bremen den Skoda-Award für sein Lebenswerk. Er nahm das Preisgeld von15.000 Euro, verdoppelte es, und machte daraus ein Projekt, das herausragenden Nachwuchs einem rundum erfahrenen Veteran zusammenbringen sollte. Und wer wäre für diese Rolle des lernenden Lehrers besser geeignet gewesen als Pete York.

Deshalb spielen nun auch keine „old cats“ mit Pete York, auf„Basiecally Speaking“, sondern „Young Friends“. Da ist zunächst Gabor Bolla, der neue ACT-Stern am Saxophonhimmel. „Das war die Idee von Siggi Loch, ichkannte ihn vorher nicht. Umso erstaunter war ich, wie fortgeschritten er in diesem Stil ist. Gabor spielt dieses High-Power-Tenorsax, das in der Basie-Band immer extrem wichtig war, mit wie Leuten Lester Young, Hershel Evans oder Eddie, Lockjaw' Davis. Es ist aufregend für einen Schlagzeuger, wenn sie und eben auch Gabor diese schnellen Tempi mitgehen können.“ Mit Andi Kissenbeck, dem Spezialisten für groovende Hammond-Orgel, hatte York schon Bekanntschaft gemacht, und so übertrug er ihm hier eine weitere zentrale Rolle: „Wenn man keine Bläsersätze hat, ist eine Hammond-Orgel fast der einzige mögliche Ersatz. Ich habe mit vielen gespielt, zum Beispiel mit Wild Bill Davis und natürlich mitmeinen Rockkollegen wie Brian Auger, kann also beurteilen, wie fantastisch Andi das macht.“ Kommt schließlich noch Torsten Goods dazu, der schon oft - unter anderem auf den ACT-Alben „Irish Heart und „1980“ nachgewiesen hat, dass er die klassische Jazzgitarre so technisch brillant und stylish spielen kann wie kaum ein anderer. Aber auch, dass er über eine wunderbare Swing-Gesangsstimme verfügt, was Pete York zum Beispiel bei „Gee Baby“ nach Kräften ausnutzt.

Und so groovt, swingt und kracht es auf „Basiecally Speaking“ bei alten Basie-Reißern wie „Cute“, „Jumpin' At The Woodside“ oder „Splanky“, dass es eine wahre Freude ist. Oder, wie York bei Konzerten in seinem lustigen Denglish gerne sagt, wenn etwas zusammenkommt, was zusammenpasst: „Uh, what a Geschmack!“