30.01.2014 08:00 Mit Glauco Venier und Klaus Gesing

Musik Jazz: Norma Winstone sorgt mit den Liedern ihres neuen Album "Dance Without Answer" für Kopfkino

Neues Album Dance Without Answer von Norma Winstone

Das Album "Dance Without Answer" ist so angenehm zu hören, wie ein Gemälde mit hinreichend Weißraum zu betrachten ist. © ECM

Von: GFDK - ECM

Das Album wird vom Thema Abschied durchzogen wie gleichsam gestützt. Schon für den Opener, den Title Track "Dance Without Answer", eigentlich ein Instrumental aus der Feder Gesings, hat Norma Winstone bittersüße Lyrics verfasst, die am Ende ein Märchen unvollendeter Goodbyes an die Wand malen.

Enden wird das Werk schließlich mit Fred Neils "Everybody’s Talkin’", einem Favoriten der einstigen Folk-Szene, bevor der Song mit John Schlesingers Film "Midnight Cowboy" in Zusammenhang gebracht wurde.

Er befindet sich übrigens schon sehr lange in Winstones Live-Repertoire.

 

Der kurze Weg von Pedro Almodovar bis zur Muppett Show

Zu Klaus Gesings Stück "High Places" wiederum addierte Winstone Verse, die von Denis Villeneuves Film "Incendies" inspiriert sind. "Ich erzähle hier allerdings nicht die Story des Streifens", sagt die Sängerin, "sondern versuche, mit Worten seine Atmosphäre einzufangen". Viele ihrer Texte trügen cinematographische Züge, "ich neige halt dazu, sehr visuell zu denken, wenn ich meine kleinen Castings um Worte veranstalte."

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Auch die Coverversion von Tomasz Mendez’ "Cucurrucucu Paloma" hat Bezug zum Kino, denn Norma Winstone liebt besonders dessen Version von Caetano Veloso, die wiederum in Pedro Almodovars "Talk To Her" zu hören ist. Dave Grusin’s "It Might Be You" war das musikalische Filmthema von Sydney Pollacks Kinohit "Tootsie", während "Bein’ Green" aus der Muppet Show stammt. "Es war die Idee von Klaus", lächelt Norma Winstone, "diesen Song auszuprobieren. Wir sind alle kleine Fans der Muppets, und dies ist ein interessantes, kleines Lied". Es drehe sich schließlich um Außenseiter, "kein Wunder also, dass es schon von sehr vielen Jazzmusikern gecovert wurde". 

Wie ein Gemälde mit viel Weißraum

Begleitet werden all die sympathischen, manchmal fast gläsern erscheinenden Vokalisen auf äußerst sparsame, zuweilen gar spartanische Art und Weise. Die jedoch scheint die Kreativität und Phantasie von Winstone, des Italieners Venier und seines deutschen Bandmates Gesing zu beflügeln. "Dance Without Answer" ist so angenehm zu hören, wie ein Gemälde mit hinreichend Weißraum zu betrachten ist. Jeder der Akteure, jeder Ton, jede Idee und Wendung findet mühelos genügend Raum, um sich entfalten zu können. Woran wohl auch die Tatsache, dass dieses Trio kein gerade erst ins Leben gerufenes ist, eine positive Mitschuld trägt. Schon seit gut zehn Jahren musizieren Winstone, Gesing und Venier miteinander, die beiden Herren des Teams waren bereits seit Mitte der Neunziger als Duo unterwegs. Nach ihrem ECM-Debüt "Distances" (2007), nach den Nachfolgern "Stories Yet To Tell" (2009) und "Dance Without Answer" scheint die Geschichte dieses Trios gerade erst begonnen zu haben.

 

Quelle: www.jazzecho.de