01.04.2014 08:10 Eine Suite von babylonischer Nuancenvielfalt

Musik Jazz: Kappeler und Zumthor vollführen eine Dramaturgie der Gegensätze auf dem Album "Babylon Suite"

Neues Album Babylon Suite von Kappeler und Zumthor

Immer auf Kontrast bedacht, bauen sich dagegen mächtige Crescendi auf und fallen in dramatischer Symmetrie wieder zurück in die Stille. © Vera Pez / ECM Records

Von: GFDK - JazzEcho

Das ECM-Debüt des Duos von Vera Kappeler und Peter Conradin Zumthor präsentiert eine Auftragskomposition des Origen Festival Cultural. Es ist Musik, die von tiefen Registern und dunklen Schattierungen beherrscht wird. Als Inspirationsquelle und kreative Katalysatoren für ihre "Babylon-Suite" dienten Kappeler und Zumthor biblische Texte aus dem Buch Daniel.

Allerdings interessierte sich das Duo nicht für die religiösen Aspekt der Vorlage, sondern vielmehr für die dramatischen Qualitäten der Texte. "Besonders Nebukadnezars Träume kommen mir geradezu psychedelisch vor", sagt Zumthor. "Obwohl uns das ‘Buch Daniel’, das den gedanklichen Rahmen und die Atmosphäre lieferte, grundsätzlich inspirierte, wollten wir diese Geschichten mit unserer Musik nicht buchstäblich illustrieren."

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Kappeler und Zumthor heben die traditionelle Rollenverteilung von Piano und Perkussion auf und kehren sie gelegentlich sogar um. Die beiden Musiker verwickeln sich in konzentrierte Dialoge, lassen aber auch Raum für die Fantasie des Hörers. Kappelers pianistischer Anschlag, der meist subtil und pointiert ist, wird von Zumthors melodie- und textbewusstem Schlagzeugspiel untermauert.

Gemeinsam erschaffen sie, wie Peter Rüedi im Begleittext des Booklets schreibt, "eine ungemein schlüssige Gesamtkomposition von dynamischen Kontrasten, raffiniertesten Klangreibungen, aggressiven Behauptungen und Zurücknahmen, sich auftürmenden Akkordblöcken und sich im Unwirklichen auflösenden Trillern und verwehenden Obertönen. Stupend ist der Gegensatz von hoch differenzierten Klanglegierungen und größter Einfachheit volksliedhafter oder gar kindlicher Melodik. Immer auf Kontrast bedacht, bauen sich dagegen mächtige Crescendi auf und fallen in dramatischer Symmetrie wieder zurück in die Stille. In einer solchen Dramaturgie der Gegensätze offenbart sich bei allem Ernst, ja Aplomb des Unternehmens ein unverkennbar eigener Witz."

Quelle: JazzEcho

 

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