20.09.2012 07:30 Gábor Bolla feiert sein ACT-Debüt

Musik Jazz: Gábor Bolla ist auf der Suche nach neuen Klängen und einer eigenen musikalischen Identität

Gábor Bolla, Robert Lakatos © ACT Marc Dietenmeier

Von: ACT Music & Vision - 5 Bilder

Viele Legenden des Jazz wie Louis Armstrong oder Ornette Coleman waren Autodidakten. Heute entstammen die meisten Jazzmusiker einem akademischen Ausbildungssystem. Es gibt aber noch Kulturen, in denen sich die Tradition des Selbsterlernens und -entdeckens erhalten hat, wie jene der Roma. Sie haben sich dadurch eigenwillige Spieltechniken und Stilelemente erhalten. Dieser Kultur gehört auch der 1988 geborene ungarische Saxophonist Gábor Bolla an und dementsprechend verlief seine musikalische Entwicklung. Schon als Kind lernte er frei und virtuos auf der Klarinette zu spielen. Doch in klassische Kategorien passte er nicht: „Wir Gypsys spielen alles ein bisschen anders. Wie der Jazz basiert sehr viel auf Improvisation, wenn auch auf einer etwas anderen Art,“ sagt Bolla. So dauerte es nicht lange, bis er auf das Tenorsaxofon umstieg und sich für den Jazz zu interessieren begann. In kürzester Zeit beherrschte er auch dieses autodidaktisch.


Es folgte eine Wunderkind-Karriere: Nach nur sechs Monaten Üben auf dem Tenorhorn wurde er für das Getxo Jazz Festival im spanischen Bilbao ausgewählt. Mit 15 (als einziger Teenager und natürlich auch Ungar) dann die Nominierung für das Halbfinale des prestigeträchtigen Saxophon-Wettbewerbs beim Montreux Jazz Festival. Danach öffneten sich viele Türen. Er wurde als Gastsolist für das weltberühmte Vienna Art Orchestra eingeladen und spielte mit US-Stars wie Johnny Griffin, David Murray, Kirk Lightsey sowie Gregory Hutchinson. 2004 gewann Bolla den Hans Koller Preis als „Talent des Jahres“, eine Art österreichischer Grammy, der höchst selten an Nicht-Österreicher geht. Und wieder ein Jahr später erhielt er mit seinem Quartett beim Festival in Avignon den Hauptpreis der Jury wie des Publikums. Nach einem gefeierten Deutschlandkonzert von Bolla im April 2011 lobte die Frankfurter Allgemeine Zeitung den jungen Saxofonisten als einen „Improvisator von überwältigender Eigenständigkeit“.

Beeindruckende und prägende Stationen liegen bereits hinter Gábor Bolla, die er für sein ACT-Debüt „Find Your Way“ in die Waagschale wirft. Mit dabei ist sein Alter Ego und musikalischer Seelenverwandter Robert Lakatos. Bereits mit 14 hatte Bolla den um einige Jahre älteren Pianisten bei einer Jam Session kennengelernt. Dieser entstammt zwar ebenfalls der Sinti und Roma Kultur, ist jedoch klassisch ausgebildet. „Trotzdem haben wir denselben Musikgeschmack, denken in denselben Richtungen“, sagt Bolla. „Wir sind wie Brüder.“ Das Quartett wird komplettiert von den Schweizer Jazz-Stilisten Heiri Känzig am Bass und dem Weltklasse-Schlagzeuger Jojo Mayer. Als Gast ist zudem der Geiger Lajos Sārközi zu hören.

Für mich ist die Hauptsache, all die Musik, die ich wirklich mag, durch meine eigene Brille zu spielen. Man versucht immer neue Sachen zu finden. Natürlich habe ich mein Ziel noch nicht erreicht. Ob ich das je werde? Es ist wirklich eine lange Reise…,“ gibt sich Gábor Bolla nachdenklich. Diese Idee des Suchens und Entdeckens, der tiefgreifenden Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen musikalischen Einflüssen bildet Bollas Leitmotiv und verwirklicht sich auf „Find Your Way“ in einer beeindruckend weiten und doch geschlossenen musikalischen Reise.

Interessant dabei: Vor allem der Bebop ist eine große Inspirationsquelle, all die berühmten Musiker, die sich über die Jahre immer wieder neu definiert haben. Hinter deren Neuerungsleistung stehen die fünf Ausnahmemusiker nicht an. Sie nehmen Bekanntes auf, schicken es durch einen persönlichen Filter, bauen es um und entdecken neue Dimensionen daran – und das nicht nur bei Stücken von Bollas großen Vorbildern Sonny Rollins („East Broadway Rundown“) und Thelonious Monk („Bemsha Swing“, „Evidence“).

Unsere Basis ist, die Sprache des Jazz zu sprechen. Aber wir versuchen, immer unsere eigene, einzigartige Musik einzubringen. Und so haben wir auf diesem Album versucht, vor allem auch meine Gypsy-Herkunft zu repräsentieren.“ kommentiert Bolla die Arbeit zu „Find Your Way. Django Reinhardt, Bartók, Monk, Rollins und Coltrane. Modern Jazz Quartet oder Stevie Wonder, was auch immer Vorlage oder Inspiration für den jungen Ungarn ist, auf der Suche nach neuen Klängen und einer eigenen musikalischen Identität befindet sich Gábor Bolla mit „Find Your Way“ auf der richtigen Spur.

 

„Find Your Way“ ist eine beeindruckend weite und doch geschlossene musikalischen Reise: Django Reinhardt, Bartók, Monk, Rollins und Coltrane, Modern Jazz Quartet oder Stevie Wonder, was auch immer Vorlage oder Inspiration für den jungen Ungarn ist, auf der Suche nach neuen Klängen und einer eigenen musikalischen Identität befindet sich Gábor Bolla mit seinem ACT-Debüt auf der richtigen Spur. „Ein Improvisator von überwältigender Eigenständigkeit“ (FAZ).

 

 

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