25.02.2013 08:43 Scharfzüngig und smart

Musik Jazz: Das neue "Smash" der vielseitig talentierten Künstlerin Patricia Barber mit neuen musikalischen Kreationen

Musik Jazz: Das neue "Smash" der vielseitig talentierten Künstlerin Patricia Barber mit neuen musikalischen Kreationen

Bild 1: Patricia Barber © Jimmy Katz

Bild 2: Album "Smash" © Universal Music

Von: GFDK - JazzEcho - 2 Bilder

Jazzsängerinnen gibt es heute, seit sie in den 1990er ihre Renaissance erlebten, wieder wie Sand am Meer. Auch solche, die sich selbst auf dem Klavier begleiten, sind keine Seltenheit. Rarer sind da schon jene, die nicht nur Standards aus dem “Great Amercian Songbook” herunterspulen, sondern auch selbstverfasste Stücke singen und spielen. Und absolute Ausnahmeerscheinungen sind schließlich so vielseitig talentierte Künstlerinnen wie Patricia Barber.


Mit ihrer lakonischen, immer etwas unterkühlt wirkenden Stimme und dem dazu in reizvollem Kontrast stehenden glühenden femininen Intellekt lässt Patricia Barber die Mehrheit ihrer zeitgenössischen Kolleginnen wie kleine Mädchen klingen. Auf “Smash” präsentiert die 57-Jährige nun ein Dutzend neuer Songs, mit denen sie sich wieder deutlich vom Mainstream abhebt. Dazu tragen auch die Mitglieder ihres neuen Chicagoer Quartetts bei, das sich aus einem fantastischen Rhythmusgespann mit Bassist Larry Kohut und Schlagzeuger Jon Deitemyer sowie dem atemberaubend schneidigen Gitarristen John Kregor zusammensetzt.

 

Patricia Barber wagt sich auf thematische Gebiete vor, die andere Jazzsängerinnen und Songschreiberinnen weitgehend meiden. Wie die New York Times einmal konstatierte, schreibt sie “smarte Songs darüber, wie wir denken und leben, und nicht nur darüber, wie wir lieben.” Zwar setzt auch sie sich durchaus mit Allerweltsthemen auseinander. Aber sie tut es dann in überraschender und ungewohnt nuancierter Weise, nicht selten auch mit einem gehörigen Schuss Ironie oder Sarkasmus. Oft steht die Musik in starkem Kontrast zu der Botschaft ihrer Texte, täuscht über deren Inhalt hinweg. Etwa wenn sie einem Stück mit dem Titel “Scream”, in dem es um “laute, kreischende Emotionen” geht, eine sanfte, ruhige Melodie verpasst.

 

Das Lied “Devil’s Food” wiederum ist ihre Reaktion auf die zahlreichen politischen Versuche, homosexuellen Ehen in den USA einen Riegel vorzuschieben. “Es hat mich verrückt gemacht und dazu angestachelt, eine Erklärung abzugeben - aber auf eine spielerische Art”, sagt sie. “Die beste Weise, Leuten seine Ansichten näherzubringen, ist, wenn man sie umgarnt - und mit Musik erreicht man das immer. So schaffe ich es, viele Leute dazu zu bringen über viele Dinge nachzudenken. Die Texte sind zwar ziemlich eindeutig, aber die Musik ist so betörend, dass sie die Leute einnimmt. Es ist wirklich lustig, die Reaktion des Publikums zu beobachten, wenn ihm klar wird, dass die Nummer zu einem homosexuellen Disco-Song wird - die Leute reagieren überrascht und größtenteils begeistert.”

 

Schon bald wird man auch in Deutschland Gelegenheit haben, sich von Patricia Barber live überraschen und begeistern zu lassen. Denn im Mai kommt sie für drei Konzerten in hiesige Breiten. Am 8. Mai kann man sie beim Jazzfest in Bonn erleben, am 13. Mai im Frankfurter Jazzkeller und am 15. Mai im alten Sendesaal von Radio Bremen.

 

Hörprobe:

http://www.jazzecho.de/musik/jazz-cds/album/product:185889/smash

Weiterführende Links:
http://www.patriciabarber.com/