24.03.2012 07:22 “Kenn ich schon, hab ich schon gemacht"

Musik Jazz: Altsaxophonisten John Handy - Avantgardist mit Popstar-Ambitionen

© Universal Music

Von: jazzecho

“Kenn ich schon, hab ich schon gemacht: Es mag wie eine Floskel klingen, aber präziser lässt sich die Einstellung des Altsaxophonisten John Handy zum Jazz im Allgemeinen und zur Avantgarde im Besonderen nicht zusammenfassen”, meint Ashley Kahn in seinem Buch “Impulse! Das Label, das Coltrane erschuf”.

Keine Lust mehr, künstlerischer ausgerichtete Musik zu spielen

Und dann lässt er Handy selbst zu Wort kommen: “Glauben Sie mir, ich schätze diesen Stil absolut. Aber ich hatte einfach keine Lust, wieder dazu zurückzukehren, künstlerischer ausgerichtete Musik zu spielen. Wenn man mir nicht die Chance gegeben hätte, ‘Hard Work’ zu spielen, hätte ich das Geld abgelehnt und nicht bei Impulse unterschrieben. Ich hätte bei überhaupt keinem Jazzlabel unterschrieben.”

John Handys Vorbilder: Johnny Hodges, Louis Jordan, Earl Bostic und Charlie Parker

Der aus Dallas/Texas stammende Handy unternahm seine ersten musikalischen Schritte in der Jazzszene der Bay Area. Stilistisch orientierte er sich mit seinem eigenen Altsaxspiel vor allem an den Vorbildern Johnny Hodges, Louis Jordan und Earl Bostic sowie später natürlich Charlie Parker. 1958 ging Handy nach New York, wo er seine ungemein fruchtbare Zusammenarbeit mit Charles Mingus begann (die beiden spielten in den 70ern erneut miteinander, und nach dem Tod des Bassisten war Handy auch Teil der Alumni-Band Mingus Dynasty).

Von “No Coast Jazz” bis “Karuna Supreme”

Es folgten erste eigene Alben wie “No Coast Jazz” für Roulette Records, auf denen der Altsaxophonist bereits ein unverkennbares Profil zeigte. Unmittelbar bevor John Handy seinen Plattenvertrag bei Impulse unterschrieb, hatte er mit Ali Akbar Khan und Zakir Hussain für MPS “Karuna Supreme” eingespielt, eines der ersten Alben, das eine wirkliche Fusion von indischer Musik und Jazz enthielt und heute ein Klassiker der Weltmusik ist.

“Hard Work”: “Flippige, eingängige Musik, die zum Mitschnippen einlud

Mit “Hard Work” und “Carnival” wagte sich Handy auf neues Terrain vor und landete mit dem ersten der beiden Album tatsächlich einen grandiosen Hit (Platz 4 der Jazzcharts und Platz 10 der R&B-Charts!. “‘Hard Work’ schlug zu einem Zeitpunkt ein, als die ersten zarten Keime des ‘Smooth Jazz’ sich bemerkbar machten”, schreibt Ashley Kahn. “Flippige, eingängige Musik, die zum Mitschnippen einlud, wie sie vom Saxophonisten Grover Washington Jr. (‘Mister Magic’, 1975) oder dem Gitarristen George Benson (‘Breezin’, 1976) auf Platte gebracht wurde, verkaufte sich um ein Vielfaches besser als die phänomenalen Erfolge von einst wie etwa ‘Bitches Brew’.”

“Carnival”: Featuring Lee Ritenour, Larry Carlton & Sonny Burke

“Carnival” war zwar etwas weniger erfolgreich, platzierte sich aber dennoch sowohl in den Jazzcharts als auch in den Billboard-200-Charts. Eingespielt wurde das zweite Impulse-Album von John Handy 1976 mit u.a. den Gitarristen Lee Ritenour und Larry Carlton sowie Pianist Sonny Burke. Anlässlich des 50. Jubiläums des Impulse-Labels wurden die beiden Klassiker “Hard Work” und “Carnival” jetzt innerhalb der neuen IMPULSE 2-ON-1-Serie zusammen auf einer Midprice-CD veröffentlicht. Beide Alben wurden neu digital remastert, die kompletten LP-Artworks sind im farbigen Booklet reproduziert. Quelle: www.jazzecho.de