21.06.2013 07:50 Vielschichtige Kompositionen aus einer Feder

Musik Jazz: Album "Into The Woodwork" des Steve Swallows Quintett - Robust und gelassen zugleich

Jazzmusiker Steve Swallow veroeffentlicht sein neues Album Into The Woodwork

“Dieses Album spiegelt die Ideen wider, die die auf ihm präsentierten Persönlichkeiten in mir hervorriefen, als ich die Musik schrieb”, erläutert Steve Swallow. Foto: Steve Swallow © Patrick Hinely, Work/Play

Von: GFDK - JazzEcho

Eine frühere Inkarnation von Steve Swallows Quintett pries die Londoner Times einst als “nahezu perfekte Demonstration von Small Group Jazz - robust und doch von exquisiter Gelassenheit”. Diese Beschreibung trifft auch auf das neueste Quintett des Bassisten und dessen Album “Into The Woodwork” zu.

Swallow führt die Gruppe - zu der auch seine langjährige Lebens- und Kreativpartnerin Carla Bley an der Orgel gehört - durch ein Dutzend vielschichtiger Kompositionen aus seiner Feder. Das in Südfrankreich aufgenommene Album vereint atmosphärische Eleganz und munter hüpfende Grooves, trockenen Humor und beiläufige Virtuosität. Der verhaltene Opener “Sad Old Candle”, bei dem sich Saxophonist Chris Cheek, Gitarrist Steve Cardenas und Schlagzeuger Jorge Rossy im intimen Zusammenspiel zu Swallow und Bley gesellen, zeigt die ganze Subtilität dieser Band.

In “From Whom It May Concern” lässt Cheek sein Saxophon eine melancholische Melodie singen, auf die Cardenas mit einem luftig-leichten Solo antwortet. Rossys funky Soli dominieren das Stück “Back In Action”. “Exit Stage Left” beginnt mit dem unverwechselbar flüssig gespielten elektrischen Bass von Swallow - einem Personalstil, der dem Veteranen seit Jahren verlässlich Top-Positionen in den Kritiker- und Leser-Polls einbringt. “Into The Woodwork“ enthält Jazz voller Charakter, melodischem Gehalt und Wärme.

Widerspiegelung von Ideen in der Musik

“Dieses Album spiegelt die Ideen wider, die die auf ihm präsentierten Persönlichkeiten in mir hervorriefen, als ich die Musik schrieb”, erläutert Steve Swallow. “Da ist zunächst einmal Carla an der Orgel. Ich habe sie schon immer für eine unverwechselbare Organistin gehalten. Aber sie hat dieses Instrument in letzter Zeit nur selten gespielt und sich stattdessen auf das Klavier konzentriert. Hier wollte ich sie wirklich mal wieder an der Orgel hören. Mit Chris Cheek und Steve Cardenas habe ich in den Bands von Paul Motian zusammengespielt und mit Carla in Charlie Hadens Liberation Music Orchestra. Als ich komponierte, hatte ich ihre Stimmen im Kopf. Bei den ersten Auftritten, die wir machten, war dies noch eine schlagzeuglose Band. Als Jorge Rossy, der ein Freund von Chris und Cardenas ist, von dieser Band Wind bekam, schrieb er mir und bat mich darum, ihn mit an Bord zu holen. Der Vorschlag stieß auf allgemeine Begeisterung und Jorge schien auch perfekt in mein Konzept zu passen. Und so erweiterte ich die Musik, die ich entwickelte, noch um Jorges Klang und Stil.”

“Mir schwebte eine kleine Band vor, aber eine mit interessanten gestalterischen Möglichkeiten”, fährt Swallow fort. “Von einer Band, die mit E-Bass, E-Gitarre und Orgel besetzt ist, erwartet man im Allgemeinen eine Art jazz-rockigen Fusion-Sound. Aber ich wollte zeigen, dass man aus diesen klanglichen Mustern ausbrechen kann, dass elektrische Instrumente einem eine sehr viel breitere gestalterische Palette bieten können. Die Musiker dieses Quintetts sind durch die Bank lyrische Spieler, selbst Jorge spielt auf seinem Schlagzeug außerordentlich lyrisch. Ich denke, dass man der Musik Lyrizismus einhaucht, wenn man eine Melodielinie so ähnlich zu gestalten versucht wie es ein Sänger tut. Musiker, die ihre Instrumente mit Fingern und Gliedmaßen spielen, müssen stets aufpassen, dass sie nicht zu viele Noten spielen. Sie müssen den Atem einer schönen Melodielinie respektieren und mit einer gewissen Simplizität und Ökonomie phrasieren.”

Steve Swallow beherrschte diese Kunst schon immer. In Carla Bley, Chris Cheek, Steve Cardenas und Jorge Rossy fand er ebenbürtige Partner von gleicher Einfühlsamkeit. Am 13. Juli wird dieses formidable Quintett die Musik von “Into The Woodwork” bei einem exklusiven Deutschland-Konzert in der Mehrzweckhalle im nordrheinwestfälischen Blomberg live vorstellen.

 

 

Quelle: www.jazzecho.de