17.03.2015 08:30 Halle hat sich als Künstler gefunden

Musik: Gunnar Halle wagt auf seinem Album "Instanbul Sky" Schritte ins Unbekannte

Gunnar Halle veroeffentlicht Album Instanbul Sky

„Für mich ist dieses Album der Beginn von etwas Neuem. Ich weiß nicht genau, wohin es mich führen wird und welches neue Land ich dabei im Laufe der nächsten Jahre entdecken werde," so Gunnar Halle. © Kajsa Gullberg

Album Instanbul Sky des Jazzmusikers Gunnar Halle

Album "Instanbul Sky" © Ozella Music

Von: GFDK - Ozella Music

Manchmal muss man sich in der Ferne verlieren, um sich selbst zu finden. Den Trompeter Gunnar Halle beispielsweise traf eine entscheidende Erkenntnis auf den Straßen Istanbuls, weit entfernt von seiner norwegischen Heimat.

Fast zwei Jahrzehnte lang hatte Halle sich in den Dienst unterschiedlichster Musiker gestellt, darunter die Sängerin Susi Hyldgaard, die angesagten Electro-Rocker Whomadewho sowie sein sensibles Avantgarde-Quartett Fattigfolket. Auf insgesamt 70 Alben finden sich Beiträge von Halle, in bis zu zehn unterschiedlichen Bands gleichzeitig hat er gespielt. Nur das Offensichtlichste hatte er stets gemieden – ein Album unter seinem eigenen Namen und seiner künstlerischen Leitung. Schon bei der Rückkehr in Oslo war klar, dass sich die Dinge ändern mussten. Nicht einmal zwölf Monate später liegt Gunnar Halles Solo-Debüt „Istanbul Sky“ vor – das persönlichste Projekt seiner Karriere.

Und auch wenn sich vieles darauf so anhört, als habe Halle dabei einen klaren Plan verfolgt, trifft eher das genaue Gegenteil zu. Vielmehr gab es für „Istanbul Sky“ nur eine einzige Regel - jeder dieser zehn Titel sollte so gut klingen wie möglich: „Es war mir wichtig, dass ich alle Tracks fertigstelle, ganz egal, was für Stilrichtungen sie repräsentieren“, so Halle, „Vielleicht würde sich dabei ja der rote Faden von selbst einstellen, solange ich jeder Komposition das gebe, was sie braucht.“ In der Praxis flossen dabei vollkommen natürlich seine gesamten Einflüsse ein, darunter seine Faszination für Elektronik sowie seine frühe Leidenschaft für Jazz, die begann, als er sich als Sechsjähriger in eine Sammlung von Louis-Armstrong-LPs verliebte. Darüber hinaus erforderte das Projekt auch einige Schritte ins Unbekannte, darunter der verstärkte Einsatz seiner Stimme.

Wir lieben Musik… weil sie uns glücklich macht

So kann es kaum verwundern, dass sich hinter jedem Song eine Vielzahl persönlicher Referenzen verstecken: Die düstere Ballade „Thicai“ entstand an dem Abend, als Halles Kollege und Inspirator John Thicai starb. Der Titel zu der electro- akustischen Meditation „Port“ wiederum verweist ebenso auf ein Tor in Halles Garten als auch auf das mysteriöse Universum der Trip-Hop-Pioniere Portishead. Dem wiederum stehen Stücke mit einer universelleren Botschaft gegenüber. „Why has the world turned upside down“ beispielsweise geht der Frage nach, wie sich ein Leben aufgrund nur eines einzigen Zwischenfalls plötzlich komplett verändern kann.

In der Musik spiegelt sich die unersättliche Neugier des Künstlers, von dem visionären, selbstbewussten Funk von „Lørdag“ bis hin zu den Ambient-Anklängen auf „Snøting“. Trotz dieser überraschenden Wendungen verbinden sich die intimen Erzählstränge auf „Istanbul Sky“ dann aber doch noch zu einem zusammenhängenden Konzept: Der Geschichte, wie sich Halle ganz auf seine Intuition und Instinkte verlassen und als Künstler gefunden hat. Wie er selbst es auf den Punkt bringt: „Für mich ist dieses Album der Beginn von etwas Neuem. Ich weiß nicht genau, wohin es mich führen wird und welches neue Land ich dabei im Laufe der nächsten Jahre entdecken werde. Aber eines steht fest: Ich werde mehr mit meiner Stimme arbeiten, mehr komponieren und noch mehr Musik produzieren.“

 

 

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