22.01.2014 08:00 Sparsam und schön zugleich

Musik: Arctic Panorama Jazz prägt das neue Album "Extended Circle" des Tord Gustavsen Quartets

Jarle Vespestad, Tore Brunborg, Tord Gustavsen, Mats Eilertsen veroeffentlichen neues Album Extended Circle

Jarle Vespestad, Tore Brunborg, Tord Gustavsen, Mats Eilertsen © Hans Frederik Asbjornsen / ECM Records

Von: GFDK - JazzEcho

Für den Norweger Tord Gustavsen ist der Titel seines nunmehr sechsten Albums für ECM ein durchaus programmatischer. „Extended Circle“ – auf deutsch in etwa: Ausgeweiteter Zirkel – sei, sagt Gustavsen, so etwas „wie die Vollendung eines doppelten Zirkels zweier Trilogien“.

Deren erste bestritt noch sein Trio mit „Changing Places“, „The Ground“ und „Being There“, die zweite leitete das Quartett mit „Restored, Returned“ und „The Well“ 2009 und 2012 ein. Für deren Vollendung ließ sich Gustavsen nun von Chorälen und Spirituals inspirieren, „schon der Titel“, so der Pianist, „wirft einen Blick auf die nicht linearen Dinge. Der Glaube an einen geradlinigen Fortschritt ist schlicht tot, auch als Musiker bewegen wir uns lieber in Zirkeln, um zu tieferen Einsichten und Erfahrungen zu gelangen.“

Komponieren nach komplexem Baukastensystem

Gustavsen beschreibt seine Band-Ideologie als Wechselspiel der miteinander gemachten Erfahrungen und der von jedem Einzelnen von außen in den Kreis getragenen Ideen. „Entrance“ als einzige Band-Komposition unter den zwölf neuen Titeln steht für genau diese Arbeitsweise, „wir haben uns spielerisch in einem sehr freien Raum bewegt und dann Facetten früherer Konzerte einfließen lassen. Auf der Bühne tun wir so etwas regelmäßig und bewahren uns dann einige Momente, um sie später wie Module zu verwenden“. Es könne also getrost von einer kollektiven Komposition nach einer Art komplexen Baukastensystems gesprochen werden.

Beim Hinauslehnen die Füße am Boden halten

Das hörbare Ergebnis ist eine Musik, die oft aus der Stille entsteht, dann aber unvermutet Dynamik entwickelt und dabei sogar Risiken eingeht. Gustavsen selbst bezeichnet es als ein „sich hinauslehnen, während man versucht, die Füße fest am Boden zu behalten“, wenn er und sein Quartett etwa bei der alten Landeshymne „Eg Veit I Himmerik Ei Borg“ meditative Melodien mit beinahe Club-tauglichen Grooves seines Schlagzeugers Jarle Vespestad aufeinandertreffen lässt. Mit „Extended Circle“ entwickelt das Tord Gustavsen Quartet seinen Sound in eine Zukunft noch größerer Offenheit – und erinnert gleichsam an sein ECM-Debüt von 2003.

 

Quelle: www.jazzecho.de