18.10.2014 08:30 Virtuos, explosiv, genial

Das Album "Spezial Snack" ist eine Ensemblearbeit von Parisien und seiner bestens eingespielten Truppe

Emile Parisien Quartet veroeffentlicht neues Album

Das Emile Parisien Quartet begeistert mit seinem permanenten Verschmelzen von Komposition und Improvisation und mit der grenzenlosen Lust am Aufbauen und wieder Umschmeißen von Motiven, Stimmungen, Sounds, Rhythmen, Harmonien. © ACT / Sylvain Gripoix

Emile Parisien ist genialer Musiker

Emile Parisien © ACT / Grosse Geldermann

Neues Album Spezial Snack

Album "Spezial Snack" © ACT

Von: GFDK - ACT

Die französische Tageszeitung „Le Monde“ schrieb über den 1982 geborenen Saxofonisten „Emile Parisien ist die beste Neuigkeit des europäischen Jazz seit langem.“  und der englische „Guardian“ stellte schon 2012 fest: “Emile Parisien verdient eine größere Bühne”. Besonders in seiner Heimat Frankreich ist dieser Wunsch inzwischen wahr geworden – er gewann die beiden wichtigsten Jazzpreise des Landes,  den „Prix Django Reinhard 2012“ und unlängst den „Victoires du Jazz 2014“ - jeweils als Künstler des Jahres.

Spätestens seitdem wollen ALLE mit ihm spielen: Yaron Herman (zuletzt auf dem ACT Album „Alter Ego“), Jacky Terrasson, Daniel Humair, Michel Portal und schon lange zuvor sein langjähriger Freund und Wegbegleiter Vincent Peirani, mit dem er Anfang 2014 auf dem hinreißenden, vielgelobten Duoalbum „Belle Èpoque“ zu hören ist. Und in jeder dieser musikalischen Konstellationen scheint es, als hätte Parisien sein Leben lang nichts anderes gemacht, so intelligent und hochmusikalisch lässt er sich auf seine Partner ein.

Sein eigenes Quartett besteht seit mittlerweile zehn Jahren, mit „Spezial Snack“ (nein, kein Schreibfehler) erscheint nun Emile Parisien’s Debüt als Leader auf ACT. Und das hat es in sich. „Ich mag es gerne, wenn Formen explodieren.“ sagt er. Es sind nicht nur die Formen – seine ganze Musik ist ständig in Bewegung. Kaum meint man, hinter die Struktur, Melodie oder den Groove eines Stücks gekommen zu sein, belehren einen Parisien und seine Mitstreiter eines Besseren. Und irgendwie wird einem schnell klar, dass sie daran eine diebische Freude haben. Free Jazz ist es dennoch nicht, was man hier hört.

Wir lieben Musik... weil sie uns glücklich macht

Vielmehr das permanente Verschmelzen von Komposition und Improvisation und die grenzenlose Lust am Aufbauen und wieder Umschmeißen von Motiven, Stimmungen, Sounds, Rhythmen, Harmonien. Und ganz klar: Das Album ist eine Ensemblearbeit – Parisien nutzt die Qualitäten seiner bestens eingespielten Truppe, er ist einer, der seine Mitstreiter fordert, ihnen oft den Vortritt lässt, ein Interesse hat an wirklichen „Typen“, von denen jeder auch eine Komposition in seiner persönlichen Handschrift zu dem Album beisteuert.

Man kann sich dieser Musik vom Kopf her nähern. Dann hört man vier virtuose Musiker, allen voran Emile Parisien, dessen beeindruckender Variantenreichtum am Sopransaxofon seinesgleichen sucht. Man hört ungerade Taktarten, gebrochene Grooves, komplexe komponierte Anteile und ein beeindruckend sensibles Ensemblespiel, dass sich, wenn auch hörbar inspiriert von Freidenkern wie Wayne Shorter oder Ornette Coleman,  mit wenig vergleichen lässt.

Man kann sich aber auch schlicht mitreißen und immer wieder überraschen lassen - vom Einfallsreichtum dieser Band, ihrem ganz eigenen Humor, ihrer Art, musikalische Geschichten zu erzählen und ihrer überschäumenden Kreativität, Verspieltheit und Experimentierfreude. Und einen Snack genießen, der es in sich hat: Bon appétit!

 

 

 

Weiterführende Links:
https://www.actmusic.com