12.01.2013 08:10 Ausnahmekünstler - Das Prinzip Hoffnung lebt

Konzert Pop: Max Herre ist ab März 2013 wieder auf Tour durch deutsche Clubs

Konzert Pop: Max Herre ist ab März 2013 wieder auf Tour durch deutsche Clubs

Bild 1-4: Max Herre © Ronald Dick

Von: GFDK - Universal Music - 4 Bilder

Mit seinem dritten Soloalbum betritt der Ausnahmekünstler Neuland, besinnt sich gleichzeitig auf alte Stärken und schließt den Kreis von seiner musikalischen Vergangenheit ins Hier und Jetzt. Denn ganz so wie Freundeskreis mit ihrem Meilenstein "Esperanto" Rap als Weltsprache und universelle Kunstform definiert haben, so lebt auch "Hallo Welt!" von eben dieser Aufbruchsstimmung, dem Wunsch nach Vernetzung und kreativer Freiheit.

In der Tradition des Pirate Radio baut Max seinen Sender über unseren Dächern auf, sammelt all seine Inspirationsquellen um sich, lädt ein paar alte und neue Freunde ein und sendet seine Vision von Rapmusik in 2012 in die Welt. Sein ganz eigenes Programm, frei von Genregrenzen und inhaltlicher Formatierung. Und ja, er rappt wieder und klar, "Hallo Welt!" steckt trotzdem voller Gesang, Musik und Poesie und klingt auch deshalb wie das HipHop-Album, das man sich von Max Herre so sehr gewünscht hat. Wahrscheinlich sogar besser.

Aber der Reihe nach. Es ist kein Geheimnis, dass Max zu den großen Lieben seines Lebens zurückgekehrt ist. Die eine ist Rapmusik, und wer sich die introspektiven Momente seines letzten Albums “Ein Geschenkter Tag” in Erinnerung ruft, der wird diese Doppeldeutigkeit verstehen. Es ist viel passiert und, so viel sei gesagt, in den besseren Zeiten des Lebens lassen sich mindestens ebenso gute Texte schreiben und überwundene Krisen beflügeln immer noch die besten Songs.

Wohl kein anderer HipHop-Musiker seiner Generation hat sich die Frage so oft stellen lassen müssen, wann er denn endlich wieder zu seiner Königsdisziplin zurückkehre. Dabei war die Essenz von Soul, Reggae und Folk schon immer das Fundament von Max' Musik, aber nur wenige deutschsprachige MCs haben eben soviel Musikalität und Emotionen in ihre Raps gelegt. ”Hallo Welt!” lebt von dieser speziellen Energie, einer Attitüde, die die Freundeskreis-Tradition mit den überschwänglichen Momenten seines ersten Soloalbums "Max Herre" und der zurückgenommenen Melancholie von "Ein Geschenkter Tag" versöhnt.

Musikalisch haben Max und sein KAHEDI- Produktionsteam (Samon Kawamura, Max Herre und Roberto Di Gioia) u.a. schon auf Joy Denalanes "Maureen", Y'Akotos “Baby Blues” oder für Samy Deluxe ihren ganz eigenen Sound destilliert. Mit dem FK-Erbe auf den Schultern, J. Dilla, Gil Scott Heron und Lee Scratch Perry im Plattenschrank und ihrem Studio voller Instrumente, entwickelten sie eine soulful-rauhe Klangwelt, die all diese Einflüsse vereint - den “KAHEDI Sound”. Und doch wird auf “Hallo Welt!” immer wieder mit scheinbar Offensichtlichem gebrochen, bekannte Muster werden neu geordnet.

"Hallo Welt!" ist ein Album voller Referenzen und Max Herre immer noch ein entschieden referentiell arbeitender Musiker, der seine Einflüsse beim Namen nennt. Seine Kunst besteht darin, durch dieses Geflecht aus Querverweisen und Zitaten die eigene Künstlerpersona zu jeder Zeit so stark durchscheinen zu lassen, dass, neben der vertrauten, eine ganz eigene Welt entsteht. Ganz gleich, ob man nun mit Bill Withers und Bob Dylan, A Tribe Called Quest und Wu-Tang Clan oder Frank Ocean und Kanye West aufgewachsen ist. Zusammengehalten wird all das vom Konzept des KAHEDI-Radio, das die Gestaltungsfreiheit und die "Alles Geht"-Mentalität der Piratensender auf Albumlänge überträgt. Manche Songs gehen nahtlos ineinander über, werden durch Ansagen und Einspieler miteinander verbunden, oder laufen kurzerhand ein paar Takte rückwärts und verleihen "Hallo Welt!" so seine ganz spezielle Dynamik, etwas Unmittelbares, Direktes.

Im Studio beschreibt Max sich selbst vor allem in der Rolle des Kollaborationspartner - einer, der lieber aus der Produzenten-Perspektive, als aus seiner Rolle als Frontmann agiert und die Energien in die richtigen Wege leitet, wenn das KAHEDI Studio wieder mal voller kreativer Köpfe steckt. Vielleicht umfasst die Gästeliste von "Hallo Welt!" auch deshalb so illustre Namen wie Aloe Blacc, Philipp Poisel, Marteria, Patrice, Sophie Hunger, Tua, Megaloh, Cro, Clueso und Samy Deluxe. Dennoch klingt immer alles aus einem Guss, immer alles nach Max und seiner Vision von rauer Sound-Textur und inhaltlicher Substanz. Während es mittlerweile gängige Praxis scheint, ein Album mit möglichst vielen eingekauften Gastbeiträgen aufzublasen und in kürzester Zeit auf den Markt zu werfen, folgt Max seinem eigenen Erfolgsrezept. Die Produktion dauert genau so lang, wie sie eben dauern muss, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Features werden wie schon zu FK Allstars-Zeiten, als Max u.a mit Gentleman, Joy Denalane, Afrob, Sékou oder Cassandra Steen auf der Bühne stand, nach Können und Songstruktur gewählt und eine Zusammenarbeit ist eben tatsächlich das - ein gemeinsamer Ideenaustausch, anstelle von reinem Datentransfer. Dabei hat Max größte Freude daran, mit den besten ihrer Zunft zu arbeiten. Sei es das wütende "Einstürzen Neubauen" mit dem langjährigen Partner Samy Deluxe, "Rap ist" mit Deutschlands nächstem besten Rapper Megaloh, oder die unwirkliche Dub-Reggae trifft Future Beat-Kollaboration "KAHEDI Dub" mit einem Marteria in Bestform. Doch so wichtig diese Ausrufezeichen sind, so schafft "Hallo Welt!" immer wieder genügend Raum für die leisen Momente und lyrischen Zwischentöne. Beispielsweise wenn gemeinsam mit Tua in "Solang" der Großstadt-Blues auf eine Generation zwischen Exzess und Hilflosigkeit angestimmt wird. Und wenn Max mit der wunderbaren Sophie Hunger auf “Berlin-Tel Aviv” Versatzstücke seiner Familienhistorie zu einer berührenden Geschichte aus der NS-Zeit umformuliert, oder mit dem auf gleich zwei Songs vertretenen Soul-Wunder Aloe Blacc seiner Tochter ein Denkmal setzt, dann beantwortet er auch gleich die müßige Frage danach, wie man mit Rapmusik erwachsen werden kann. Immer wieder rettet Max die poetische Verknappung seines Folk-Albums "Ein Geschenkter Tag" hinüber in seine Raps. So entsteht eine zuvor nicht da gewesene Collage aus harten, pointierten Rap-Texten, chronistischer Beobachtung und persönlicher Bestandsaufnahme. Auf "Hallo Welt!" werden HipHop-typische Attitüde, eine stetig mitschwingende, fragende Unsicherheit und ein sicheres lyrisches Gespür miteinander verwoben.

Neben dem musikalischen Aspekt gibt es noch einen weiteren, mindestens ebenso gewichtigen Grund dafür, dass "Hallo Welt!" genau zur rechten Zeit erscheint. Der US-amerikanische Schriftsteller David Foster Wallace sagte, Kunst sei dazu da, die Geisteskranken zu beruhigen und die Beruhigten zu verunsichern. “Hallo Welt!” ist voll von diesen Momenten, die sich entladen im Spannungsfeld zwischen dem Gefühl von Sicherheit, fiebriger Auflehnung und dem berechtigten Zweifel. So zum Beispiel, wenn Max und Philipp Poisel auf “Wolke 7” für einen der wohl überraschendsten und berührendsten Momente des Albums sorgen.

Oder wenn er mit Patrice und Fetsum in "Aufruhr (Freedom Time)" endlich wieder konkret wird und die Aufstände vom Tahrir-Platz bis ins "kühle Berlin" kommentiert, dann ist es spürbar da, das “Erbe von FK auf seinen Schultern”. Kein Wunder - Max ist sich zu jeder Zeit seiner künstlerischen Reichweite bewusst. Entgegen aktueller Tendenzen, jede ernst gemeinte Äußerung ironisch zu brechen, trägt Max seine Meinung lautstark vor sich her und ermutigt jeden, sich genauso Gehör zu verschaffen. Sein Gespür für den richtigen Slogan und die Ansage zur rechten Zeit hat er nie verloren, tauscht es aber, manchmal bloß für ein paar Silben, gegen ein selbstreflexives Moment. "Hallo Welt!" ist das Manifest eines kritischen Optimisten und eines Musikers, der die Grauzonen des Lebens akzeptiert, sich aber weigert, die ständige Flucht in Zynismus und Verbitterung mit anzutreten. Max Herre, KAHEDI Radio, "Hallo Welt!".

Das Prinzip Hoffnung lebt.

 

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