25.09.2013 09:00 Herzschmerz, Klangkosmos, Indiepop

AHOI! POP Funkensprühender Auftakt am 30.10. mit Kate Boy/Brandt Bauer Frick/Amateur Best & HVOB im Posthof Linz

Brandt Bauer Frick setzen Klavier, E-Bass und jede Menge Schlagwerk ein fuer Technoklaenge

Statt Vintage Synthie-Sounds am Laptop zu emulieren, bedienten sich Brandt Bauer Frick gleich eines zehnköpfigen Ensembles mit Harfe, Cello, Kontrabass und Vibraphon und zogen damit in den Folgejahren um die Welt. Bild 1 Quelle: Nico Stinghe & Park Bennett

Kate Boy spielt puristischen Electro-Pop mit enormer Schubkraft

Bild 2: Kate Boy Quelle: Iamsound Records

Amateur Best, , das ist smarter, eleganter Electronic-Pop mit Ambient-Touch und Blue-Eyed-Soul-Vocals der Marke James Blake

Bild 3: Amateur Best Quelle: Primary Talent International

Von: GFDK - Karl Zabern - 3 Bilder

Ahoi Dancebeat, ahoi Herzschmerz, ahoi Klangkosmos, ahoi Indiepop! Und ahoi euch und willkommen zu einer neuen, funkensprühenden Ausgabe von Ahoi! Pop! Das freundliche Zeitkulturhaus am Linzer Hafen lässt auch 2013 wieder eine Woche lang die unterschiedlichsten Spielarten aktueller Musik im Posthof vor Anker gehen.

Mit Songs, Sounds und Stimmen für einen versprochen hypnotisierenden Mix der Emotionen klopfen die Artists von 30.10. bis 2.11. heuer an der Wall Of Sound beim Linzer Festival für Zeitmusik.

Kate Boy / Brandt Brauer Frick /

Amateur Best / HVOB

Mittwoch, 30. Oktober, 20:00 Uhr, Elektro/Indie/Funk

Ahoi! Pop 2013

Kate Boy | "Everything we touch turns to gold", heißt es in "Northern Lights". Na, wenn das keine Ansage ist! Noch dazu auf einer Debütsingle. Aber wenn die Karriere von Kate Boy - bestehend aus drei Schweden und einer Australierin - weiterhin so läuft, wie sie gestartet ist, dann muss wohl schon ein Quentchen Alchemie mit im Spiel sein.

"Northern Lights" generierte jedenfalls via Pitchfork, Fader und NME einen gehörigen Buzz - das kunstvoll-unterkühlt gemorphte Video zählt inzwischen über 600.000 Klicks. Und der Sound von Kate Boy? Puristischer Electro-Pop mit enormer Schubkraft und mystischem Antlitz, so wie ihn die großen Vorbilder The Knife auf ihrem Opus magnum "Silent Shout" salonfähig machten. Während das geheimnisumwitterte schwedische Duo jedoch zunehmend experimentierlustiger wird, sind Kateboy im sphärischen Popmodus inzwischen unterwegs auf der Überholspur.

Ein Album ist zwar vorerst noch nicht anvisiert, doch die beiden aktuellen Videos "In Your Eyes" und "The Way We Are" bestätigen den Hype um Kate Boy. Auch das Release-Umfeld ihrer ersten EP deutet in Richtung Aufwind: Das Indie-Label Iamsound aus Los Angeles brachte mit Charlie XCX, Little Boots, Salem oder Florence & The Machine schon einige Acts auf dem schwierigen US-Markt zum Fliegen. Eine Clubtour durch Nordamerika steht übrigens für September bereits im Logbuch von Kate Boy.

"The song and, by extension, its video are as subtly hypnotic as they are propulsively powerful." (Spin Magazine über "Northern Lights")

Aktuelle CD: "Northern Lights" (EP, 2013), Iamsound Records | kateboy.com

Festival in Österreich

 

Brandt Brauer Frick

Techno ohne Maschinen ist wie ein Schiff auf dem Trockenen? Keineswegs! Der Beweis sind Brandt Brauer Frick aus Berlin. Statt Maus, Mixer und Controller sind bei diesem Trio Klavier, E-Bass und jede Menge Schlagwerk im Einsatz. Aus einer improvisierten Jam-Session heraus entstanden, gehen die ursprünglich aus Wiesbaden stammenden akademischen Musiker Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick daran, aus der Schnittmenge von klassischem Instrumentarium und technoid-repetitiven Patterns der Clubmusik neues Leben einzuhauchen.

Dem Ansatz der Wiener Formation Elektro Guzzi nicht unähnlich, vollzogen Brandt Brauer Frick 2010 auf ihrem Albumdebüt "You Make Me Real" den Kraftakt, akademisches Know-how mit bedingungsloser Körperlichkeit aufzuladen. Das Ergebnis war - auch und gerade live - Oldschool im besten Sinn: Statt Vintage Synthie-Sounds am Laptop zu emulieren, bedienten sich die Herren gleich eines zehnköpfigen Ensembles mit Harfe, Cello, Kontrabass und Vibraphon und zogen damit in den Folgejahren um die Welt. Einige der Stationen: Lincoln Center New York, Centre Pompidou Paris, dazu Festivals wie Mutek, Coachella, Sonar, Glastonbury, Montreux. Selbst die ehrwürdige Techno-Kathedrale Berghain zu Berlin verstand man in einen Hexenkessel zu verwandeln.

Auf ihrem dritten Album "Miami" verändern Brandt Brauer Frick nun ihr Erfolgskonzept. Weniger sequentiell, sondern spontaner, rauer und dunkler lautet der Ansatz 2013. Weiterhin werden Pianos präpariert und polyrhythmische Percussions handgeklöppelt, allerdings befreit sich das wieder zum kernigen Trio gesundgeschrumpfte Projekt neuerdings immer öfter vom Klanggerüst des 4/4-Diktats. Inspiriert von Drone, Dubstep und UK Bass, mit Vocalfeatures von Jamie Lidell, Grammy-Nominee Om'mas Keith (Frank Ocean), Nina Kraviz, Gudrun Gut oder Erika Janunger geben sich Brandt Brauer Frick songorientierter, ohne dabei in die Pop-Falle zu tappen.

Stripped down - das ist auch das Motto des aktuellen Live-Setups. Es dominiert die Wucht des Trios, der Mensch gewordenen Maschinen, eingebettet in ein visuelles Gesamtkonzept, das von der Fluxus-Bewegung der 60er inspiriert wurde.

Aktuelle CD: "Miami" (2013), !K7 | http:// www.brandtbrauerfrick.de

Festival in Linz

 

Amateur Best

Primary 1 anyone? Wahrscheinlich die wenigsten haben dieses verflossene Projekt des Sängers und Produzenten Joe Flory auf dem Schirm. Und doch stand Primary 1 um 2010 herum kurz vor Peng. Einer Single auf Erol Alkans Phantasy Sound Label folgten Remixes von Memory Tapes und Joker, eine Kollabo mit Nina Persson und ein Albumdeal bei Warner. Doch das Projekt scheiterte schon in der Entstehung, der Nachlass treibt seitdem als Download durchs Netz.

Entzaubert von der Majorwelt, zog sich Flory - Absolvent einer Filmschule - zurück und zeichnete erst mal Online-Comics. Das erwies sich für den inzwischen 26-Jährigen als heilsamer Prozess, der ihn mit der Musik versöhnte. Und so wagt er 2013 einen Neustart als Amateur Best.

Das Album "No Thrills", erschienen beim kleinen, feinen Londoner Label Double Denim, zeigt nun einen von der Formalistik befreiten Future-Pop-Forscher, der seine Muse wiederentdeckt. Da dürfen Saxophone quietschen und Space-Sounds durch den Echoraum kreisen, da trifft die Indie-Gitarre von Nick Hunt (Outfit) auf ein von Chilly Gonzales gespieltes Piano. Amateur Best, das ist smarter, eleganter Electronic-Pop mit Ambient-Touch und Blue-Eyed-Soul-Vocals der Marke James Blake. Meist autobiografisch, oft romantisch, immer hinreißend.

"An album that confirms Flory as one of the great unsung innovators of the genre. Buy this." (The Sunday Times)

Aktuelle CD: "No Thrills" (2013), Double Denim | www.amateurbest.co.uk

 

HVOB

"Ein Aha-Erlebnis beim ersten Reinhören, wie man es ganz, ganz selten hat. So etwas wie HVOB ist einzigartig, und es ist zeitlos." Oliver Koletzki, Berliner Tech-House-Star, muss es wissen. Hat der doch schließlich schon so einiges um die Ohren gehabt. Und obwohl das Wiener Duo Anna Müller und Paul Wallner im Frühjahr 2012 gerade mal ein paar Kostproben bei Soundcloud im Angebot hatte und ansonsten absolute No-names in Clubland waren, signte er HVOB für sein einflussreiches Label Stil vor Talent.

So viel ist heute klar: Er tat recht daran. In knapp einem Jahr gelang HVOB das, worauf andere vergeblich hoffen. Triumphale Gigs beim Urban Art Forms und Melt! Festival, Platz 4 in den Beatport Deep House Charts für ihre Debüt-EP "Dogs", Platz 10 bei den Top Live-Acts und Platz 11 in der Singleswertung des De:Bug Leserpolls 2012. Dazu Lobeshymnen in Web und Print: "This is what deep house sound should sound like. Pure love..." (hmwl.org), "sure to be spoken about..." (delicieuse-musique.com), "sleek and beautifully crafted beats" (electronicbeats.net), "Bitte mehr und bitte bald!" (thegap).

Den Wunsch nach baldigem Nachschub ließen sich HVOB nicht zweimal sagen und lieferten heuer im März ihr erstes Album nach - eine perfekt gelungene Symbiose aus treibenden Club-Grooves und träumerischer Pop-Ästhetik.

Der Name HVOB, kurz für Her Voice Over The Boys, führt übrigens ein wenig in die Irre. Denn die 26-jährige Anna Müller singt nicht nur, sondern komponiert und produziert auch die Tracks, die dann später mit Paul Wallner im Studio fertig gedacht werden. Auch auf der Bühne machen HVOB keine halben Sachen: Performt wird grundsätzlich live, gemeinsam mit einem Schlagzeuger, der für den nötigen Druckaufbau sorgt.

Aktuelle CD: "Hvob" (2013), Stil Vor Talent Records | hvob-music.com