03.05.2015 08:30 10. und 14. Mai 2105 - Mit Claus J. Frankl

Traumhafte Melodien und mitreißende Kompositonen ertönen beim Operettenkonzert im Theater Regensburg

Claus J. Frankl gibt Operettenkonzerte Ueber den grossen Teich in Regensburg

2015 zeichnet sich Tenor und Moderator Claus J. Frankl bereits zum 10. Mal für Programmgestaltung und Moderation verantwortlich. © Archiv

Von: GFDK - Clara Fischer

„Über den großen Teich“ lautet das Motto des 13. Operettenkonzerts am Theater Regensburg. Léhar, Kálmán, Strauss – bereits die Stars der Wiener Operette sorgten nicht nur in Europa, sondern auch am Broadway für Sensationserfolge.

Es war der Beginn einer wunderbaren euro-amerikanischen Freundschaft: Die europäische Operette avancierte in den USA zum Exportschlager und erhielt neue Impulse, indem sie sich von den glamourösen Reizen der Neuen Welt inspirieren ließ.

Und so erklingen legendäre Operettenerfolge in und aus dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ im diesjährigen Operettenkonzert.

Freuen Sie sich auf traumhafte Melodien aus Franz Léhars „Die Lustige Witwe“, Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“, Johann Strauss‘ „Die Fledermaus“ oder Leo Falls „Dollarprinzessin“ sowie auf mitreißende Kompositionen etwa aus der Feder des Europa-Liebhabers George Gershwin.

Konzerte in Regensburg

Sonntag, 10. Mai 2015 um 17 Uhr (Muttertag)

Donnerstag, 14. Mai 2015 um 19.30 Uhr Velodrom Regensburg

Dirigent: Tom Woods
Moderation: Claus J. Frankl
Choreographie: Yuki Mori
mit: Vera Egorova, Aurora Perry, Michaela Schneider; Cameron Becker, Brent L. Damkier, Claus J. Frankl, Matthias Wölbitsch, Yongmin Yoon und der Kompanie von Theater Regensburg Tanz

Es spielt: Das Philharmonische Orchester Regensburg

10 Jahre Operettenkonzert mit Claus J. Fankl

Das erste Operettenkonzert fand am Theater Regensburg vor 13 Jahren statt. Es war die Idee, zusätzlich zur szenischen Operette ein Format zu entwickeln, das sich mit thematischen Schwerpunkten der Operette widmet und damit in Serie geht. Das Operettenkonzert war geboren.

2015 zeichnet sich Tenor und Moderator Claus J. Frankl bereits zum 10. Mal für Programmgestaltung und Moderation verantwortlich. Hier berichtet er, wie sich das Operettenkonzert entwickelt hat und wie das Motto „Über den großen Teich“ klingen wird.

In den ersten Jahren vorerst nur an zwei Terminen angeboten und konzertant gezeigt, entwickelte sich das Operettenkonzert rasch zum Verkaufsschlager, wanderte vom Neuhaussaal ins Velodrom, wurde halb szenisch und wird inzwischen an drei Terminen zur Aufführung gebracht. Im 3. Jahr kam die Mitwirkung der Tanzkompanie hinzu, deren Choreographien seitdem nicht mehr wegzudenken sind.

Die thematischen Schwerpunkte waren im Laufe der Jahre vielfältig: Operettentitel wie „Das waren Zeiten“ (Gasparone) widmeten sich den „guten Alten Zeiten“, an denen „das Beste unser schlechtes Gedächtnis ist“, Nachtgeschichten gab es zu hören, wenn man „Schlösser, die im Monde liegen“ besang, „Die gekrönten Häupter“ sorgten für eine royale Programmausrichtung, „Wein, Weib und Gesang“ ließen österreichische Weinlieder erklingen.

Prominente Gäste der großen Operettenfamilie kamen immer wieder ins Velodrom – so Erika Strecker, die Witwe von Heinrich Strecker („Ännchen von Tharau“) oder die Schwester von Tenor René Kollo.

Am Dirigentenpult standen bereits: Guido Johannes Rumstadt, Georgios Vranos, Alexander Livenson, Tetsuro Ban, Philip von Buren und Arne Willimczik. Tom Woods, seit der Spielzeit 2014/15 erster Kapellmeister und stellvertretender GMD am Theater Regensburg, hat die Musikalische Leitung des Operettenkonzerts 2015 inne.

Das diesjährige Motto „Über den großen Teich“ ist eine regelrechte Fundgrube im Hinblick auf Recherche, Programmgestaltung und M0deration, zeigt es doch, wie schnell viele deutschen und österreichischen Operetten nach ihrer Uraufführung am Broadway zu sehen waren, wie sehr eine Sehnsucht vieler europäische Einwanderer nach der Heimat die Operette in den USA populär werden ließ und diese Inspirationen letztlich die Gattung des Musicals mitbegründeten.

Der „Bettelstudent“ war als „The Beggar Student“ bereits zwei Jahre nach der Uraufführung in New York zu sehen, „Das Schwarzwaldmädel“ war zwar nicht am Broadway zu sehen, nahm als „The Black Forest Girl“ als folk operetta aber den Umweg übers Stummfilmkino mit Live-Musikbegleitung. Spannend ist auch, mit welchen (teils skurrilen) Titeln die Operetten in den USA versehen wurden: „Die Csárdásfürstin“ beispielsweise wurde in New York zum „Riviera Girl“...

Von einigen Komponisten ist bekannt, dass sie ihre Operetten-Kompositionen sogar bewusst auf eine Amerika-Karriere hin ausgerichtet haben, was manch einem bei der Emigration später zu Gute kommen sollte. Robert Stolz muss hier genannt werden, der ein erfolgreiches Gespür für amerikanische Rhythmen wie den Slow Fox, Foxtrott und One-Step hatte und die eigene Tanzmusik so weiterentwickelte. Als einer der ersten war Robert Stolz bei den „populärsten Hits“ in den 1920er Jahren in den USA mit gleich vier Titeln vertreten – auch dank früher Übersetzungen seiner Werke ins Englische und auch Französische.

Eine eigene Form der amerikanischen Operette hat sich letztlich nicht entwickelt, mehr waren es eingewanderte Komponisten wie Sigmund Romberg oder Rudolf Friml, die eine Art „amerikanische Operette“ prägten, die in Europa aber kaum zur Kenntnis genommen wurde. Mit der letztlich aus Operette, Oper, Vaudeville, Revue, Minstrel- und Gospel-Shows entstandenen Form des Musicals änderte sich das schlagartig. Konsequenterweise wird im diesjährigen Operettenkonzerte dann auch „Ol ́man river“ aus Jerome Kerns „Showboat“ (1927) zu hören sein, das als Geburtsstunde des Musicals bezeichnet werden könnte. Mit Gershwins „by Strauss“ werden die gegenseitigen Inspirationen und Einflüsse sogar mit einem Augenzwinkern thematisiert:

Ya, ya ya, give me oom-pa-pah
When I want a melody
Lilting through the house
Then I want a melody
By Strauss
It laughs, it sings, the world is in rhyme
Swinging to three-quarter time
(„Ein Amerikaner in Paris“)

Die amerikanischen Übersetzungen der Operette hatten ihrerseits auch einen Einfluss in Deutschland und Österreich: „wir sind die Upper Ten“ wäre als Amerikanismus nicht ohne Leo Falls Oper in der deutschen Sprache gelandet.

Dass die Operette heute teils als „rückwärtsgewandt“ empfunden wird (obwohl sie in ihrer Zeit höchst aktuell war!), mag daran liegen, dass auf die Operette kein neues musikalisches Unterhaltungsformat folgte – beziehungsweise nach dem tiefen Einschnitt des 2. Weltkriegs denkbar war. Die Zukunft der Operette liegt in der Erinnerung, in der Nostalgie. Und in der Unterhaltung! Operette als verkleinerte Version der Oper, als liebenswerte Reduzierung auf das Westentaschenformat.

Wie hätte sich die Operette wohl weiterentwickelt, wenn es den zweiten Weltkrieg nicht gegeben hätte? Jazz-Elemente wären sicherlich hörbar geworden und vielleicht auch eine Genre-Öffnung, wie es Ralph Benatzky schon beim „Weißen Rössl“ anklingen ließ: von einem „Singspiel“ ist hier die Rede – einem ersten Musical?
Freuen Sie sich auf das Operettenkonzert 2015, das die musikalischen Wechselwirkungen über den großen Teich erklingen lässt!



Clara Fischer
Theater Regensburg | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bismarckplatz 7 | 93047 Regensburg