30.04.2012 18:22 Montag, den 30.04.2012, 19.30 Uhr

Szenisches Konzert in Wiesbaden - Ein Abend mit Texten und Musik von John Cage - Happy Birthday, John Cage / Happy Birthday, Fluxus

Fotos - (c)Martin Kaufhold

Von: Lucia Zimmermann - 6 Bilder

Heute Abend im Staatstheater Wiesbaden - In diesem Jahr wäre der amerikanische Komponist John Cage 100 Jahre alt geworden, gleichzeitig feiert die ,Fluxus-Bewegung‘ ihren 50. Geburtstag. Beides ist Anlass genug, John Cage diesen Abend zu widmen und seine Kunst mit dem Gedanken an Fluxus zu interpretieren.

Cage war der sanfte Revolutionär der Neuen Musik. Sein Gedanke des Nicht-Intendierten veränderte die Wahrnehmung von Musik und die Diskussion um den Werkbegriff wie kein anderer Komponist.

In den 60er Jahren, als seine Kunst schon eine breite Akzeptanz gefunden hatte, entstand in Wiesbaden eine Strömung, die mit den Konzerten ,Wiesbadener Festspiele Neuester Musik‘ im September 1962 in die öffentliche Diskussion geworfen wurde. Auch hier wurde das Kunsterlebnis radikal verändert. Der Prozess der materiellen Dekonstruktion als Reaktionen auf ein etabliertes bürgerliches Konzertpublikum wurde zum Programm.

Cage mag als ein Wegbereiter von Fluxus gelten, wenngleich die Gemeinsamkeiten beider Strömungen nur an der Oberfläche liegen. Ihnen gemeinsam ist, bei aller Ernsthaftigkeit des Vorhabens, immer ein gewisses humorvolles Augenzwinkern, das sich auch an diesem Abend mit Sicherheit beim Publikum einstellen wird.

John Cage erlernte als Kind das Klavierspiel und studierte ab 1928 Literatur. Nach verschiedenen musikfernen Tätigkeiten begann Cage ein Kompositionsstudium bei Richard Bühlig und ergänzte ab 1934 seine Studien bei Arnold Schönberg.

1937 bekleidete er die Stelle des Komponisten der Ballettklasse an der Cornish School in Seattle/Washington. Hier begegnete er auch seinem späteren engsten Freund und Lebensgefährten, Merce Cunningham, dem er bei Aufbau und musikalischer Begleitung der Merce Cunningham Dance Company half.

Neben seinem kompositorischen Schaffen ging er auch stets außermusikalischen Aktivitäten nach – er war leidenschaftlicher Schachspieler, Koch und Pilzforscher. John Cage erlitt am 11. August 1992 in New York einen schweren Schlaganfall, an dessen Folgen er einen Tag darauf starb.

Fluxus ist die radikalste, experimentellste Kunstbewegung des 20. Jahrhunderts. Fluxus ist die Wiederaufnahme von Dada zu Beginn der 60er Jahre. Fluxus wurde von einem Künstlerkollektiv getragen. Die Gründung der Gruppe (1962) und der Begriff (1960) stammen von dem Litauer George Maciunas (1931-1978), der mit seinen Eltern 1944 zuerst nach Bad Nauheim flieht und dann 1948 in die USA geht.

Der Begriff ,Fluxus‘ entstammt der Medizin und bezeichnet eine ,fließende Darmentleerung‘. Der Begriff entspricht der Weltsicht des Dadaisten Hans Arp, der die dadaistische Kunst als Antikunst sah, die ,...unmittelbar den Gedärmen des Dichters entspringt.‘ Fluxus ist eng mit Musik, Aktion und Happening verbunden:

Collageartig komponierte Aktionsabläufe, die auf Grund des Zusammentreffens von akustisch-musikalischen und choreografischen Ausdrucksformen als ,Konzert‘ bezeichnet und oft von mehreren Künstlern im Kollektiv aufgeführt wurden. Zumeist gab es eine strikte Trennung von Künstler und Publikum (Aktion), im Unterschied zum Happening.

Fluxus ist Spaß und Bewusstseinserweiterung, Fug und Unfug.

Montag, den 30.04.2012, 19.30 Uhr

Foyer Großes Haus

Leitung

Ernst August Klötzke
  Mit Mitgliedern des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und der Kammermusikvereinigung des Hessischen Staatsorchesters