15.01.2013 08:05 Premiere & Österreichische Erstaufführung

Konzert Klassik: Rausch - Ein Stück von Falk Richter im Landestheater Linz ab 18.01.2013

Konzert Klassik: Rausch - Ein Stück von Falk Richter im Landestheater Linz ab 18.01.2013

Falk Richter © Heiko Schäfer

Von: GFDK - Inez Ardelt

Die Paarung der menschlichen Gattung in den urbanen Zentren der westlichen Hemisphäre ist ziemlich kompliziert geworden. Die Deregulierungen der neoliberalen Moderne haben im frühen 21. Jahrhundert auch den Heiratsmarkt endgültig entfesselt, die Auswahl möglicher Partner für die kleine wie die große Liebe ist so unübersichtlich wie unendlich verheißungsvoll geworden.

Der Rausch der Liebe, unsere letzte Utopie, hat sich in einen heiß umkämpften Markt verwandelt. Und wenn die Liebe gefunden ist, beginnt die Arbeit: an der Beziehung und an sich selbst.


Wo finden wir da noch den Rausch der Gefühle, diese alles verzehrende Leidenschaft, die dem Leben Sinn und Tiefe zu geben vermag, diese transzendente Erfahrung, die unsere abgesicherte Alltagsexistenz überstrahlt? Kann sich die heimliche Sehnsucht nach Entgrenzung und Kontrollverlust des Selbst nur noch systemkonform im Konsum,- Arbeits- oder Börsenrausch erfüllen? Ist unsere hart erkämpfte Autonomie und Selbstverantwortung als modernes Individuum zu einem Fluch geworden?


AUSZÜGE AUS DEM STÜCK


ja klar, du liebst mich, aber das ist nur so ne ganz normale liebe, so wie halt jeder liebt, ich suche eigentlich was anderes, was total anderes, ich will EINE LIEBE DIE MIR DAS GEFÜHL GIBT AM LEBEN ZU SEIN, ich will hier sein jetzt mit dir und alles wird lauter intensiver, die zeit bleibt stehen, wir bewegen uns ohne worte, weißt du, aber so eine liebe ist das nicht, das ist eher so eine "ja, ok, lass uns ne weile zusammen sein, ist ja irgendwie immer noch besser als dauernd allein rumzuhängen liebe“. so eine liebe ist das, und die will ich nicht. sowas will ich nicht mehr, so was hatte ich schon. oft genug. ich will jetzt mal was anderes. was echtes.
die scheiße ist ja, dass man in der beziehung überhaupt gar nichts schönes mehr abkriegt, seit alles vorteilhafte, alles intime ins facebookprofil abgewandert ist, sitzt man dann immer nur noch mit den beschissenen verborgenen seiten eines anderen menschen in der beziehung herum: der ganzen scheiße, die er auf seinem facebookprofil verschweigt, die ist dann für die beziehung gedacht, für den offline partner
ja ich meine nicht, ob du mich liebst im sinne von "ich liebe dich", ich meine ob du mich WIRKLICH liebst. WIRKLICH EHRLICH. MICH. nur mich. ob du MICH WIRKLICH EHRLICH, WIRKLICH, WIRKLICH LIEBST? das will ich wissen, mehr nicht. also: LIEBST DU MICH NUR MICH MICH ALS MICH SO WIE ICH BIN SO WIE ICH WIRKLICH TIEF IN MEINEM INNEREN BIN, DAS HIER UND DAS DAHINTER UND DARUNTER ALLES, WAS HIER DRIN IST UND ALLES, WAS DAS HIER FÜHLT TUT UND SAGT UND BEI DIR AUSLÖST, LIEBST DU DAS? und ich meine jetzt LIEBST DU DAS EHRLICH. WIRKLICH. TIEF UND ECHT UND VOLL UND GANZ UND ... ja? sag mal, sag doch einfach mal LIEBST DU MICH?


FALK RICHTER


Falk Richter, Jahrgang 1969, studierte Regie bei Jürgen Flimm an der Universität Hamburg, seitdem arbeitet er als freier Autor, Übersetzer und Regisseur. Anfangs inszenierte er vor allem zeitgenössische Autoren wie Mark Ravenhill, Sarah Kane, Jon Fosse, Caryl Churchill, Harold Pinter, Lars Norén, Roland Schimmelpfennig sowie seine eigenen Texte, mit denen er schnell Furore machte. Seine Stücke, u.a. Gott ist ein DJ, Electronic City und Unter Eis wurden in über 15 Sprachen übersetzt und werden weltweit gespielt. Falk Richter war von 2000 bis 2004 während der Intendanz von Christoph Marthaler Hausregisseur am Schauspielhaus Zürich. Ab 2000 inszenierte er auch regelmäßig an der Schaubühne Berlin, wo er von 2006 bis 2011 Hausregisseur war. Inszenierungen dort: 4.48 Psychose von Sarah Kane (2001), Die Möwe (2004), Drei Schwestern (2006) und Der Kirschgarten (2008) von Anton Tschechow sowie eigene Stücke Unter Eis (2004), Die Verstörung (2005), Im Ausnahmezustand (2007). Zuletzt realisierte er dort 2010 und 2011 gemeinsam mit der Choreografin Anouk van Dijk die Tanztheaterproduktionen TRUST und PROTECT ME. Inzwischen ist Falk Richter auch als Opernregisseur tätig, u.a. an der Wiener Staatsoper, bei den Salzburger Festspielen, an der Hamburgischen Staatsoper, der Oper Frankfurt, der Bayerischen Staatsoper und der Toyko Opera Nomori. Vor allem in Frankreich ist er seit 2007 ein viel gespielter Autor. 2007 und 2010 gab es Projekte mit Richter beim Festival Avignon. Stanislas Nordey, Cyril Teste und Anne Monfort sind Regisseure, die Falk Richter regelmäßig inszenieren. Im französischen Verlag L'Arche sind bislang sieben seiner Stücke als Bücher verlegt worden. Seit der Spielzeit 2011/12 ist er Hausregisseur am Düsseldorfer Schauspielhaus.

RauschEin Stück von Falk RichterÖsterreichische Erstaufführung am Freitag, 18. Jänner 2013 um 20 Uhr im Eisenhand Weitere Termine 22., 26. und 30. Jänner 2013; 5., 9., und 16. Februar 2013; jeweils 20 UhrInszenierungBühne und Kostüme MusikDramaturgieBesetzungGerhard Willert Alexandra Pitz Eva Reiter Kathrin BieligkMit Nancy Fischer, Gunda Schanderer, Katharina Vötter, Katharina Wawrik Konstantin Bühler, Thomas Kasten

 

 

 

 

 

Inez Ardelt
Presse- und Medienarbeit
Landestheater Linz
OÖ Theater und Orchester GmbH
Promenade 39, A 4020 Linz
ardelt@remove-this.landestheater-linz.at
www.landestheater-linz.at