17.07.2012 07:47 schweben zwischen Realität und Traum

Konzert Klassik: Das 56. Menuhin Festival Gstaad kreist in diesem Jahr um das Thema "Luft"vom 20. Juli bis 8. September 2012

(c) Veranstalter

Von: Christoph Müller, Intendant

Nach einem Sommer zwischen «Feuer» und «Sonne» präsentiert der Intendant
Christoph Müller ein Programm, das im Zeichen eines anderen lebenswichtigen Elements steht: der Luft. Das erfolgreiche Konzept der Veranstaltung wird sich nicht verändern: bekannte Namen und junge Talente, klassisches Repertoire und neue Erlebnisse. Nach einer zweiten Saison mit zahlreichen europäischen Erfolgen ist das Gstaad Festival Orchestra erneut mit zwei Konzerten dabei. Am Dirigentenpult stehen Kristjan Järvi (für «Carmina Burana» mit dem MDR Rundfunkchor Leipzig) und David Zinman (in der Sinfonie «Aus der neuen Welt» von Dvořák).

Zu den Stars der Festivalausgabe 2012 gehören Julia Fischer (Artist in Residence für drei Konzerte), Truls Mørk, Emanuel Ax, Cecilia Bartoli, Anne Sofie von Otter, Patricia Kopatchinskaja und das London Symphony Orchestra, das zwei Konzerte unter der Leitung von Michael Tilson Thomas gibt. Die Festivalleitung freut sich, zum zehnten Mal hintereinander auf die wertvolle und treue Unterstützung
der HSBC Private Bank (Suisse) SA als Hauptsponsor sowie auf das Engagement des Hotel Ermitage Schönried als neuer Sponsor zählen zu dürfen. Diese 56. Ausgabe findet vom 20. Juli bis zum 8. September 2012 statt und umfasst an die fünfzig Konzerte in verschiedenen Kirchen im Saanenland, im Obersimmental und im Pays-dʼEnhaut sowie im Festivalzelt Gstaad und an weiteren, «pittoreskeren» Orten. Die Veranstaltung zieht jedes Jahr etwa 20'000 Zuschauer an. Mit einem
Budget von 4 Millionen Franken gehört das Menuhin Festival Gstaad zu den «Top 3» der grossen klassischen Festivals der Schweiz.

 

Dank dem Element Luft riechen wir angenehme Düfte oder bestialischen Gestank, fühlen Kälte oder Hitze, empfinden einen Wind als lauwarmes Sommerabend-Lüftchen oder als furchterregenden Sommergewitter-Sturm. Luft hat Charakter, ist manchmal sanft angenehm, manchmal eckig, kantig und grob, brutal sogar. Luft nährt jede Form von Leben. Ohne Luft kein Leben. Ohne Luft aber auch keine Musik! Erst das Element Luft bewegt die Schallwellen der Instrumente und Stimmen zu den Ohren der Zuhörer. Die Blasinstrumente klingen erst durch Zufuhr von Luft, und die Kunst des Musiker besteht darin, die Luft so zu dosieren, dass Musik
entsteht und nicht nur Geräusch.


Windstösse und Stürme haben Komponisten aller Epochen inspiriert, die Kraft von «Luftverschiebungen» in Musik auszudrücken. Vivaldi in seinen «Quattro Stagioni» und dem unverwechselbaren Sommersturm, und Astor Piazzolla in seiner argentinischen Antwort seiner «Stagioni» aus Sicht eines Argentiniers aus dem 20.
Jahrhundert. Respighi hat die «Pini di Roma» vertont und Beethoven schrieb seine «Sturm»-Sonate, die nach Goethe erst verstanden werden könne, wenn der Zuhörer Shakespears Drama «The Tempest» kenne.
Überhaupt die Barockmenschen: sie haben einen unvermittelten Zugang zu Naturphänomenen verspürt: Matthew Locke mit seinen «Tempests», Rebel mit seinen «Elements», Vivaldis «Vier Jahreszeiten», aber auch sein Violinkonzert «Tempesta di Mare»... Bach bezeichnete einige seiner schönsten Suiten-
Kompositionen als «Air», meinte damit aber keinen Tanzsatz sonder eben einen liedartigen ruhigen und eher langsamen Satz, eine Aria. Durch die französische Übersetzung erhält das Wort «Air» aber eben den
inspirierenden Luft-Bezug und charakterisiert so die Stücke im übertragenden Sinne als «luftig», leicht.


Unser Festivalthema «Air» lässt uns schweben zwischen Realität und Traum, zwischen Himmel und Erde, zwischen den «Planeten», die Gustav Holst so grandios vertonte, und setzt das vierte Festivalthema in unserem Elementen-Zyklus auf vielfältigste Weise um.
Die gefeierte Violinistin Julia Fischer hat zur Region einen engen Bezug: seit sie als hochbegabtes Mädchen im Alter von 6 Jahren bereits an den musikalischen Sommerkursen von Prof. Kurt Pahlen an der Lenk im oberen Simmental bei ihrer Professorin Anna Chumachenco teilnahm, kehrte sie bis zu ihrem internationalen Durchbruch alljährlich an die Lenk zurück. Endlich gastiert sie in einer Intensität von 3 Konzerten am Menuhin Festival und spielt als Solistin und als Kammermusikerin in der Kirche Saanen mit musikalischen Partnern ihrer Wahl.

András Schiff verbindet sein Recital mit einem mehrtägigen Meisterkurs. Das Menuhin Festival weitet mit ihm das Angebot an Meisterkursen aus, welche mit der Vocal- Academy mit Silvana Bazzoni-Bartoli und Cecilia Bartoli begründet wurden. Apropos Bartoli: am 7. September 2012 kommt es zu einer besonderen Premiere. Cecilia Bartoli wird mit dem kammerorchesterbasel jenes Programm in Gstaad präsentieren, welches später in 20 Musikzentren Europa vorgestellt.

Das Programm wird in Gstaad einstudiert und als Premiere in der Kirche Saanen gegeben.
Sinfonisch-Royaler Besuch aus London: Das LSO kehrt nach einer Pause von einem Jahr wieder nach Gstaad zurück, mit 2 grossen sinfonischen Werken im Gepäck: der «Symphonie Fantastique» von Hector Berlioz und Gustav Mahlers 1. Sinfonie «Titan». Der berühmte feste Gastdirigent des Orchesters, Michael Tilson Thomas dirigiert die beiden Konzerte und begleitet den Pianisten Emanuel Ax, welcher in gleich beiden Konzerten als Solist mitwirkt. Maestro David Zinman gibt sich mit unserem Gstaad Festival Orchestra die Ehre und dirigiert Dvoraks Sinfonie Nr. 9 «aus der neuen Welt».

Die Erfolge des Gstaad Festival Orchestras in ganz Europa sind nicht ohne Echo geblieben. Auch kommendes Jahr gastiert das Gstaad Festival Orchestra unter der Leitung von Kristjan Järvi in vielen Städten Europas, unter anderem in
München, Vaduz, Merano und beim französischen Festival La Chaise Dieu. Eine ganz besonderes Ereignis steht mit der Aufführung von Orffs «Carmina Burana» an: Kristjan Järvi begegnet zum ersten Mal dem MDRRundfunkchor aus Leipzig, welchem er als MDR-Generalmusikdirektor ab der Saison 2012/2013 vorsteht.


Auch hier: eine für Aufsehen sorgende Premiere in Gstaad!
Top of Switzerland in aller Hinsicht: der erfolgreiche «einheimische» Dirigent Philippe Bach, seines Zeichens Generalmusikdirektor in Meiningen, hat für uns einen Opern-Gala-Abend zusammengestellt mit der Schweizer Starsängerin Noëmi Nadelmann und dem Sinfonieorchester Basel. Eine Schweizer Produktion
mit internationaler Ausstrahlung. Zum Schluss des Festivals zelebrieren wir die «Tout le Monde du Violon»-Woche, ganz im Geiste unseres Festivalgründers Lord Menuhin. Die Geige als Botschafter zwischen den Kulturen übernimmt beim Menuhin Festival 2012 eine besondere Rolle. Die «Sinti- und Roma- Philharmoniker» versammeln Musiker mit Sinti-Roma-Abstammungen aus vielen europäischen
Spitzensinfonieorchestern; das Zusammentreffen mit Ensembles aus Ungarn, Rumänien, den Tanzgruppen und Kinderchören unter der Leitung von Ida Kelarova und andere spannende Annäherungen wird für eine knisternde Stimmung unter der Kuppel des Festivalzeltes sorgen!

Wir freuen uns aber auch auf die Wiederbegegnung mit Nigel Kennedy, der in einem «akustischen» (das heisst nicht elektronisch verstärkten) Konzert in der Kirche Saanen auftritt, die Violinistin Patricia Kopatchinskaja, welche mit Fazil
Say sowie in einem anderen Konzert mit Khatia Buniatishvili und Sol Gabetta im Trio spielt, die Gitarristen Los Romeros, die King's Singers, die Camerata Salzburg und viele andere. In mehr als 50 Konzerten erleben Sie über 500 Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt, in unterschiedlichen musikalischen Welten, in den faszinierenden Konzertorten des Menuhin Festivals Gstaad.


Das Lebensklima im Saanenland wird von seinen Bewohnern und den Besuchern auch als gesund, erholsam und inspirierend empfunden, weil die Luft in dieser Bergregion unser Wohlbefinden anders formt als in einer Grossstadt und gerade im Hochsommer als besonders angenehm empfunden wird. Musik liegt in Gstaad seit 55 Jahren jeden Sommer in der Luft. Dieses Jahr machen wir sie endlich zum Thema, die Luft!
Christoph Müller, Intendant

 

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