23.11.2012 08:05 Sorge um syrische Künstler

Konzert: Das Ensemble Al-Kindî spielt in der Centralstation Darmstadt in geänderter Besetzung

Konzert: Das Ensemble Al-Kindî spielt in der Centralstation Darmstadt in geänderter Besetzung

Ensemble Al-Kindî Quelle: Centralstation Darmstadt

Von: GFDK - Eva Arnold

Das Ensemble Al-Kindî spielt in der Centralstation Darmstadt in geänderter Besetzung. Die Lage in Syrien ist dramatisch. Jeden Tag berichten die Medien von den sich zuspitzenden Ereignissen. Die Stadt Aleppo ist eines der Zentren des Bürgerkriegs. Sie ist der Lebensmittelpunkt des Sängers Sheikh Ahmed Habboush und anderen Mitgliedern des Ensembles Al-Kindî, das am Montag, dem 10. Dezember, in der Centralstation Darmstadt zu Gast sein wird.

Berichten der Konzertagentur zufolge ist nun der Kontakt sowohl zu dem in Aleppo lebenden Künstler als auch zu weiteren Ensemble-Mitgliedern abgebrochen. Zahlreiche Stadtviertel sind von der Außenwelt abgeschnitten, die Kommunikation vielerorts zusammengebrochen. Die Agentur hat sich dennoch entschieden, dieTournee stattfinden zu lassen - mit geänderter Besetzung und Künstlern aus Damaskus. Vorsänger der Formation ist nun Hamed Dawood.

Als Sohn des kürzlich verstorbenen Hajj Soleiman Dawood steht Hamed Dawood in einer bekannten syrischen Sängertradition. Seit vielen Generationen wird das Wissen um Musik in der Familie weitergegeben. Hamed Dawood und das Ensemble Al-Kindî sind im Rahmen der Konzertreihe "Hewar" inder Centralstation zu Gast.

Drei Monate lang, von Oktober bis Dezember, stehen Künstler aus dem Nahen Osten und Nordafrika hier auf der Bühne. Die kulturellen Veränderungen, die mit den gesellschaftlichen Umwälzungen einhergehen, sollen so auch hierzulande erlebbar werden. Leider ist die Konzertreihe nun nicht mehr nur Zeuge der kulturellen Veränderungen und Sprachrohr künstlerischer Innovationen - auf traurige Weise hat sie jetzt auch Teil an den politischen Ereignissenvor Ort.

Besetzung:


Hamed Dawood (lead singer)
Diaa Eddin Dawood (chorist singer)
Najy Al Rayyes (chorist singer)
Ziad Kadi Amin (flute)
Ahmad Al Bizm (percussion)
Hatem Al-Jamal (dervish)
Maher Al-Jamal (dervish)
Mahmoud Al-Taier (dervish)
Julien Jalal Eddine Weiss (Qanun and artistic direction)


Hewar [Dialog]
Oktober - November - Dezember 2012

Palästina, Ägypten, Tunesien, Libanon, Syrien, Iran

Ob in Tunesien, Ägypten oder Syrien - die Arabische Welt ist im Wandel und dieser macht auch vor Nachbarländern wie dem Iran nicht Halt. Die kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen bewegen die Menschen über viele Grenzen hinweg. Es entstehen neue Sprecher, neue Formate, neue Auditorien.

Die Reihe 'Hewar', das arabische Wort für Dialog, zeigt Augenblicke dieser Veränderung: in den Medien, in sozialen Netzwerken - und in der Musik. Ob politische, kulturelle oder ideelle Überzeugungen, die Zeit der Begegnung ist gekommen, und sie gestaltet sich spannend wie nie.


Drei Monate lang, von Oktober bis Dezember 2012, sollen diese Begegnungen zum prägenden Teil des Kulturprogramms der Centralstation, Darmstadt, werden. Bereits im Frühjahr konnten Konzerte von Ibrahim Maalouf, einem libanesisch- französischen Jazztrompeter und Kayhan Kalhor, einem iranischen Meister persischer Musik, bestätigt werden. Über alle Länder- und Genregrenzen hinweg sollen Musiker eingeladen werden, um mit dem Publikum in Dialog zu treten. Darüber hinaus sind Lesungen, Ausstellungen und Podiumsdiskussionen in Planung, in denen insbesondere die Rolle der Jugend und des Internets im Mittelpunkt stehen. Denn viel wurde während des 'Arabischen Frühlings' über die Rolle der Medien und der sozialen Netzwerke diskutiert. Welche Bedeutung sie retrospektiv tatsächlich hatten und immer noch haben, wie die Revolution die Kommunikation und das kulturelle Leben in der Arabischen Welt und im Iran verändert hat, darüber ist jedoch wenig bekannt. Höchste Zeit also, in Dialog zu treten. Mit Musikern, Zeitzeugen und Journalisten, Autoren, Bloggern und Wissenschaftlern.

'Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist' (Victor Hugo)


Konzept und künstlerische Leitung:
Anoir Charaf


Ensemble Al-Kindî: Arabische Kammermusik und wirbelnde Derwische


Die syrische Stadt Aleppo war im 16. Jahrhundert einer der wichtigsten Haltepunkte auf der Seidenstraße. Hier gründete 1983 ein französischer Gitarrist das arabische Ensemble Al-Kindi. Julien Jalal Eddine Weiss, 1953 geboren als Bernhard Weiss, der Vater Franzose, die Mutter Schweizerin, bereiste als junger Mann die Welt. Er durchquerte den Orient von Tunis bis Beirut, von Bagdad bis Kairo und von Istanbul bis Damaskus. Die Kultur und vor allem die Musik zog ihn in ihren Bann und so tauschte der klassische Gitarrist bald westliche Jazzharmonien gegen orientalische Tonleitern. Über die arabische Kurzhalslaute Oud kam Weiss schließlich zur Kanun, einer orientalischen Zither. Mit sechs Stunden Übung pro Tag brachte er es zu einem exzellenten Kanun-Spieler.


Das Ensemble Al-Kindî besteht aus einer Instrumental- und einer Gesangsfraktion. Während seiner tiefgehenden Studien der arabischen Musik erkannte Weiss, dass neben Kanun, Oud, Nay (persische Flöte) und Riqq (kleines Tambourin mit Schellen) erst der Gesang die arabische Kammermusik vollendet. Was als Instrumentalprojekt begann, wurde zu einem ganzheitlichen Arrangement mit wechselnden Sängern, die mit voller Stimme die geistlichen und weltlichen Geschichten der arabischen Kultur erzählen.


Am Freitag, dem 10. Dezember, wenn das Ensemble Al-Kindî im Rahmen der Reihe Hewar [Dialog] in der Centralstation zu Gast ist, komplettiert Sheikh Ahmed Habboushs mystischer Gesang die Musik des Ensembles. Begleitet wird der Auftritt von zwei drehenden Derwischen, deren hypnotisches Wirbeln für die Planeten steht, die um die Sonne kreisen. (AG)

 

Eva Arnold

arnold@remove-this.centralticket.de

Centralstation - Im Carree - 64283 Darmstadtwww.centralstation-darmstadt.de

Weiterführende Links:
http://www.alkindi.org/