12.11.2013 09:45 Festival für experimentelle Musik, Hamburg

Hamburg hören und erleben - Die Experimental-Musikszene trifft sich in Hamburg auf Kampnagel

Decoder performing Frederic Rzewski's Coming together 1972

Decoder performing Frederic Rzewski's "Coming together" (1972) (c) Christina Hansen.

klub katarakt ist das Hamburger Festival für experimentelle Musik

In Hamburg gibt es was auf die Ohren und viel zu sehen. klub katarakt ist das Hamburger Festival für experimentelle Musik das im Jannuar 2014 beginnt. © Mark Bond

Von: GFDK - Anika Väth

klub katarakt ist das Hamburger Festival für experimentelle Musik, das neue Dimensionen der musikalischen Wahrnehmung erforscht und erschließt. In den letzten acht Jahren hat es die Szenen der Neuen, experimentellen und elektronischen Musik mit Videokunst und Rauminstallationen verwoben.

Im Dialog mit internationalen Gastkünstler*Innen und Positionen jenseits der akademischen Schulen führt klub katarakt mit seinen künstlerischen Leitern Jan Feddersen und Robert Engelbrecht nun unter dem Motto Antipoden die Experimental-Musikszene und ein wachsendes Publikum vom 15. bis 18. Januar 2014 nach Hamburg auf Kampnagelklub katarakt ist eine Plattform für das gegenseitige Einwirken der verschiedenen Disziplinen und musikalischen Szenen.

 

In Hamburg gibt es was auf die Ohren und viel zu sehen

Das Festival kooperiert dabei mit Ensembles und Institutionen wie dem Trio Nexus, Nathan Quartett, Nelly Boyd, Nordzucker, Decoder, Sonar-Quartett, der Formation Weißer Rausch sowie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

klub katarakt changiert 2014 zwischen einem breiten Spektrum von experimenteller Musik bis hin zu elektronischer Tanzmusik, dazu viel Unerwartetes und Ungesehenes, wie das Programm experimenteller Kurzfilme, kuratiert von Giuseppe Gagliano von der KurzFilmAgentur Hamburg sowie eine Präsentation mit Matthias Kaul in Zusammenarbeit mit dem Verband für aktuelle Musik Hamburg.

Musik, Videokunst, Musiktheater, Tanzen und Feiern in Hamburg

Das viertägige Festival startet auf Kampnagel in Hamburg mit einem Special zum New Yorker Komponisten und Videokünstler Phill Niblock, präsentiert von Trio Scordatura (Niederlande), Guy de Bièvre (Belgien), Ensemble neoN (Norwegen) sowie den Hamburgern Nelly Boyd – die zum Teil auch noch an weiteren Tagen des Festivals performen. Außerdem baut klub katarakt die Zusammenarbeit mit La Monte Young, einer der einflussreichsten Vertretern der Minimal Music in den Vereinigten Staaten, in Kooperation mit seiner Partnerin, der Licht-Künstlerin Marian Zazeela, weiter aus.

Ein bizarres Musiktheater kreiert der zweite klub katarakt composer-in-residence Matthias Kaul in Einklang mit dem Ensemble L‘art pour l‘art. Nachdem Makino Takashi (Tokyo) den Internationalen Wettbewerb des Internationalen KurzFilmFestivals Hamburg 2013 klar für sich entscheiden konnte, freut sich klub katarakt auf ein Wiedersehen mit dem Sound-/Video-Künstler aus Tokyo und das umtriebige Sound-/Improvisations-Kollektiv Stark Bewölkt Quartett lotet neue Formen der Musik-Rezeption und Präsentation aus.

Doch auch das ausgelassene Tanzen und Feiern wird nicht zu kurz kommen: Das Hamburger DJKollektiv Sutsche begleitet alle Gäste mit treibenden Zeitlupen-Beats durch die rauschende Lange Nacht, der Abschluss von klub katarakt, bis die Sonne aufgeht. 

Festival für experimentelle Musik, Hamburg

klub katarakt ist bewusst kein Festival für Neue, sondern für experimentelle Musik. Aber nicht nur die Musik, sondern auch die Präsentationsformen sind unkonventionell: Wandelkonzerte, lange Aufführungsdauern, raumbezogene Kompositionen und Audiovisuelles. Das verschafft uns eine stilistische Offenheit, die wir als zeitgemäß empfinden.

Wir sind ja selber Musiker und Komponisten und haben daher noch eine andere Perspektive. Deshalb freut es uns auch sehr, dass unser Publikum, genau wie unser Line-Up, Jahr um Jahr von der Altersstruktur und vom Szenenbackground vielschichtiger wird.“, so Robert Engelbrecht und Jan Feddersen, die beiden künstlerischen Leiter des Festivals

Metathema: Antipoden

Antipoden steht wissenschaftlich für zwei sich auf der Erdoberfläche gegenüberliegende Punkte, so dass man zwischen diesen beiden Punkten eine gerade Verbindungslinie durch den Erdmittelpunkt legen könnte – alles ist verbunden. Antipoden im übertragenen Sinne sind aber auch Menschen mit gegensätzlichen Meinungen und Standpunkten. Folgt man der wörtlichen Übersetzung „Gegenfüßler“, stößt man auf die im Altertum und Mittelalter verbreitete Vorstellung eines Wundervolks, dessen Füße nach hinten zeigen.

Diese Antipoden schreiten voran, indem sie rückwärts gehen – und bewegen sich zurück, wenn sie vorwärts gehen. So wird das neugierige Publikum auch bei klub katarakt 41 auf Antipoden verschiedenster Art stoßen und feststellen, dass vieles, was auf den ersten Blick gegensätzlich oder unvereinbar scheint, sehr wohl auch zusammen ‚geht‘.

Dieses Metathema unterstreicht einmal mehr die internationale Ausrichtung, Vernetzung und Offenheit sowie Interdisziplinarität von klub katarakt. Das ehemals von Kompositionsstudenten der Hochschule für Musik und Theater gegründete Festival fand erstmals im November 2005 statt und hat sich seitdem über die Grenzen Hamburgs hinaus als wichtiger Bestandteil der experimentellen Musikszene etabliert.