03.05.2012 07:22 Sinfonische Entdeckungen und Meisterwerke

Frankfurt - Tastenzauber, Entdeckungen und monumentale Höhenflüge - Die Konzertsaison 2012/13 des hr-Sinfonieorchesters mit Paavo Järvi

Paavo Järvi, Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters

Von: Brigitte Schulz

Es ist die siebte Saison der erfolgreichen Zusammenarbeit des hr-Sinfonieorchesters mit seinem Chefdirigenten Paavo Järvi. Ungewöhnliche Konzertereignisse prägen das neue Angebot. Der chinesische Klassikstar Lang Lang eröffnet Anfang September die hr-Sinfoniekonzerte in der Alten Oper Frankfurt.

Neuer „Artist in Residence“ ist der türkische Pianist und Komponist Fazil Say, ein Extrem-Musiker, dessen Intensität jeden mitreißt. Paavo Järvi leitet monumentale Werke wie Olivier Messiaens „Turangalîla-Sinfonie“ oder Gustav Mahlers Achte, die „Sinfonie der Tausend“, die seit 20 Jahren nicht mehr in Frankfurt zu hören war.

70 Konzerte gibt das hr-Sinfonieorchester in der kommenden Saison (August 2012 bis Juli 2013) alleine in Hessen. Hinzu kommen Sonderprojekte, Gastkonzerte und Tourneen. Die Konzerte werden von hr2-kultur übertragen und über die European Broadcasting Union (EBU) auch international ausgestrahlt.

Ausgewählte Konzertereignisse, darunter das Music Discovery Project oder die Eröffnungskonzerte des Rheingau Musik Festivals, sind auch im hr-fernsehen, in 3sat und auf ARTE-Live-Web zu sehen. Mit dem eigenen Youtube-Kanal www.youtube.com/hrSinfonieorchester erweist sich das Orchester des Hessischen Rundfunks ein weiteres Mal als Vorreiter in Deutschland.

Sinfonische Entdeckungen und Meisterwerke mit Chefdirigent Paavo Järvi
„Lassen Sie sich nicht die Aufführung von Messiaens großartigem Orchesterwerk ‚Turangalîla‘ entgehen!“ Dies ist nicht die einzige persönliche Empfehlung Järvis für die nächste Saison. Gustav Nielsen ist ihm ein ganz besonderes Anliegen.

Mit dessen 4. Sinfonie beendet er den erfolgreichen Sinfonie-Zyklus mit dem hr-Sinfonieorchester. Außerdem präsentiert er Arnold Schönbergs frühe Sinfonische Dichtung „Pelleas und Melisande“. Mit Mahlers 6. Sinfonie feiert das Orchester unter Järvis Leitung das 1100-jährige Stadtjubiläum Kassels und beschließt beim Rheingau Musik Festival die vielbeachtete Mahler-Reihe.

Zudem ist Paavo Järvi erneut als inspirierter Bruckner-, Brahms-, Schubert-, Sibelius- und Tschaikowsky-Interpret zu erleben. Im Rahmen seines ersten Konzerts in der Reihe Barock+ setzt er sich für den selten gespielten Spätromantiker Franz Schmidt ein.

„Ich freue mich außerdem sehr auf die gemeinsame Arbeit mit engen Künstler-Freunden wie Lang Lang, Janine Jansen und Rudolf Buchbinder“, so Järvi. CD-Projekte und Gastkonzerte unter anderem im Amsterdamer Concertgebouw, beim Stresa Festival wie in den Konzerthäusern von Essen und Dortmund sowie eine Italien-Tournee runden die gemeinsame musikalische Arbeit in dieser Saison ab.

Fazil Say ist neuer „Artist in Residence“
„Ich bin Fazil Say, Musiker“. Mehr Worte braucht der türkische Pianist und Komponist nicht, um seine Identität zu beschreiben. In gleich fünf Projekten wird das hr-Sinfonieorchester mit dem faszinierenden Virtuosen und geborenen Live-Musiker zusammenarbeiten.

Zu Beginn seiner „Residence“ kann ihn das Publikum im November gleich im Doppelschlag einer langen Fazil-Say-Nacht und am Morgen danach beim Lunchkonzert in seiner ganzen Bandbreite als interkultureller und genreübergreifender Komponist, als faszinierender Mozart-, Haydn- und Beethoven-Interpret wie auch als mitreißenden Kammermusiker erleben.

Hochkarätige Gastdirigenten und begehrte Solisten
Mit Herbert Blomstedt kehrt nach über 25 Jahren eine Legende ans Pult des hr-Sinfonieorchesters zurück. International renommierte Dirigenten wie Sakari Oramo, Gianandrea Noseda und Stanislaw Skrowaczewski werden zu Gast sein.

In der beliebten Konzertreihe Barock+ gibt es eine Wiederbegegnung mit Ton Koopman, Emmanuelle Haïm und Antonello Manacorda im hr-Sendesaal. Auch die Solisten der nächsten Saison haben klingende Namen: Neben den bereits erwähnten werden dabei auch Künstler wie Anne Sofie von Otter, Maria João Pires, Jörg Widmann, Antoine Tamestit und Alexandre Tharaud mit dem hr-Sinfonieorchester konzertieren.

Nachwuchsförderung auf allen Ebenen
Bereits zum vierten Mal wirkt das hr-Sinfonieorchester beim Sir-Georg-Solti-Dirigentenwettbewerb mit. Die Debüt-Konzerte im hr-Sendesaal befördern den nächsten Karriereschritt interessanter junger Talente und helfen beim Sprung auf die internationale Konzertbühne.

Dass der Kontakt junger Menschen und Kinder zur klassischen Musik nicht abreißt oder überhaupt erst aufgebaut wird, unterstützt das hr-Sinfonieorchester mit einer breiten Palette an Angeboten, unter anderem den Jungen Konzerten, der Schultour und dem Schulorchester-Wettbewerb, den Kinderkonzerten, Probenbesuchen und dem Kita-Projekt, das ausgebaut wird.

Zudem lädt das Orchester, erstmalig zusammen mit der hr-Bigband, in der nächsten Saison wieder zum „Backstage für alle!“ zu einer Entdeckungstour rund um die Orchester ein.

„Artist in Residence“ Fazil Say - Vier Fragen und Antworten

1. Sie sind dafür bekannt, dass Sie als Interpret sehr intensiv mit dem Dirigenten und den Musikern im Orchester kommunizieren. Was bedeutet es in dem Zusammenhang, als "Artist in Residence" des hr-Sinfonieorchesters gleich mehrere Projekte mit einem Orchester zu realisieren?

Für mich bietet die Residenz beim hr-Sinfonieorchester in Frankfurt ideale Bedingungen, weil ich in den Konzerten ein gesamtes Portrait von mir als Komponist, Pianist und Kammermusiker zeichnen kann, inklusive einiger deutscher Erstaufführungen.

Meine Klavierspiel als Interpret ist bekannt, aber zum Beispiel meine Orchesterwerke sind in Frankfurt noch weniger bekannt. Ich freue mich, dass ich die Möglichkeit habe, diese Projekte in Frankfurt zu verwirklichen und bedanke mich sehr dafür.

2. Sie beginnen Ihre Zeit als "Artist in Residence" des hr-Sinfonieorchester ja mit einem "Fazil Say Weekend". Von Ihnen werden dabei u.a. die Istanbul Symphony und – in Deutscher Erstaufführung – die Universe Symphony aufgeführt. Wie wichtig ist es für Sie, mit Ihren
Werken Orient und Okzident zu verbinden?


Als türkischer Künstler habe ich diese Rolle als Brückenbauer immer ganz selbstverständlich angenommen. Wenn ich in der Türkei Mozart und Beethoven spiele, lernt das türkische Publikum eine andere Kultur kennen, und wenn ich in Deutschland zum Beispiel meine „Istanbul Symphony“ aufführen lasse, ist das genauso ein interkultureller Dialog.

In meiner Musik verwende ich sehr oft authentische ethnische Instrumente aus der Türkei; daraus ergibt sich eine ganz andere Orchestrierung.

3. Frankfurt gilt als eine besonders weltoffene, liberale und multikulturelle Stadt. Ist es für Sie, auf den diese Attribute ebenfalls
zutreffen, besonders inspirierend, in dieser Stadt und für ein solches Publikum zu spielen?


Ich freue mich sehr auf Frankfurt. Als „Artist in Residence“ war ich schon in Berlin Hamburg, Tokio, Dortmund, Paris und Istanbul. Diese Erfahrungen bringe ich mit nach Frankfurt. Es wird sehr gut!

4. Als Interpret und Komponist sind Sie in der ganzen Welt zu Hause. Wenn Sie drei Wünsche für den deutschen Klassikbetrieb frei hätten.
Welche wären das?


Man muss alles tun, um das jüngere Publikum stärker zu erreichen und auch die türkischen Bürger in Deutschland. Für die Integration ist es wichtig, dass auch diese Gruppe mehr zu klassischen Konzerten kommt. Zuletzt hoffe ich, dass der Klassikbetrieb auch weiterhin individuelle Talente fördern wird.

Brigitte Schulz


bschulz@remove-this.hr-online.de