28.06.2013 08:30 Verdi statt Wagner

Die 16. Tiroler Festspiele Erl warten unter dem Motto "Viva Verdi!" mit vielen Neuinszenierungen auf

Gustav Kuhn Gesamtleitung Tiroler Festspiele Erl

Neben der Wiederaufnahme von Nabucco werden Verdis Trilogia Popolare mit Rigoletto, Il Trovatore und La Traviata in Neuinszenierungen gezeigt. Bild 1 © Tom Benz, Bild 1-3 Quelle: Tiroler Festspiele Erl

16. Tiroler Festspiele Erl 2013

Bild 2: © Peter Kitzbichler

Chorakademie der Tiroler Festspiele Erl

Bild 3: © Tom Benz

Von: Alexander Busche - 3 Bilder

Auch im 16. Festspielsommer der Tiroler Festspiele Erl überrascht die künstlerische Leitung mit einem Programm, das man gerade an diesem Ort zu dieser Zeit so nicht erwartet hätte, aus diesem Grund aber umso mehr Berechtigung hat und zum kreativen Querdenker der internationalen Festivallandschaft einfach passt. So heißt es im allerorts bis zum Abwinken zelebrierten Wagner-Jahr bei den Tiroler Festspielen Erl vom 4. bis 28. Juli 2013: Viva Verdi! Der wäre 2013 nämlich auch 200 Jahre geworden. Ein Grund mehr neben der Wiederaufnahme von Nabucco Verdis Trilogia Popolare mit Rigoletto, Il Trovatore und La Traviata in Neuinszenierungen zu präsentieren.

Und da das Festspielteam um Gustav Kuhn den Jubilar nicht nur mit den von ihm so einzigartig vertonten Geschichten um eine Prostituierte, einen Buckligen und eine Zigeunerin feiern will, packen die Festspiele einfach noch einen oben drauf: Mit einem umfassenden Kammermusikprogramm und der Konzertreihe Beethoven Plus schenken Gustav Kuhn sowie Chor und Orchester der Tiroler Festspiele Erl dem Geburtstagskind Giuseppe Verdi ein Paket vollgepackt mit einem Zyklus aller Beethoven-Symphonien angereichert mit einem spannenden, die Symphonien verbindenden Zusatzprogramm mit ausgesuchten Kammermusikern sowie Sängerinnen und Sängern der Accademia di Montegral. Wagner dagegen sucht man im Sommer 2013 in Erl fast vergebens. Den bieten die Festspiele auf ganz besondere Art und Weise mit der Musicbanda Franui und dem Festspielorchester beim Eröffnungskonzert. Im Original gibt es Wagner ganz bewusst dann erst 2014 wieder – mit einer überarbeiteten Fassung des Rings – sowie 2015 mit dem Versuch, alle 10 Wagnerwerke des Bayreuth-Kanons in einem Festspielsommer aufzuführen.

Aufgrund der Jubiläumspassionsspiele [400 Jahre] im kommenden Sommer finden die Sommerfestspiele 2013 im neuen Festspielhaus statt. Nach den Winterfestspielen, die am 26. Dezember 2012 eröffnet werden, sind die Tiroler Festspiele Erl im Sommer 2013 die ersten, die ausschließlich im Festspielhaus stattfinden werden. Später dann sollen beide Häuser im Sommer parallel bespielt werden. Somit stellt der Festspielsommer 2013 auch erstmalig einen erfreulichen Bruch mit der aus der Raumnot zu Passionsspielzeiten geborenen Tradition der Zwischenspiele in Innsbruck, Kufstein und Umgebung dar, wohingegen die Programmierung und Präsentationsform der Beethoven Plus Konzerte ein klares Bekenntnis ist zur 2001 beim Beethovenfieber bereits erfolgreich erprobten Idee der Verbindung zweier Beethoven Symphonien an einem Konzertabend durch ein Zusatzprogramm aus zeitgenössischer Kammermusik und Gesang.

Einen Zyklus aller Beethoven-Sinfonien an vier Wochenenden und als „Zusatzprogramm“ zu vier Verdi-Opern zu präsentieren, fordert von allen Beteiligten der Festspiele eine gewisse Kondition, intensive Vorbereitung und ein starkes Nervengerüst. Mit der Erarbeitung und Darbietung der neun Sinfonien eines der wohl tragischsten Figuren unter den deutschen Komponisten durchlebt man neben der kompositorischen Entwicklung des Komponisten auch eine ganz eigene, psychologisch vielfältig deutbare Gefühlswelt, die in unterschiedlichsten Aggregatzuständen in Erscheinung tritt, einen fesselt und dann einfach nicht mehr loslässt. Die Spanne der Emotionen reicht von überschwänglicher Freude über erschütternde Trauermärsche und Resignation bis hin zum musikalischen Abbild volkstümlicher Szenen und ländlicher Idylle. Und alles endet in der zunächst von Zerrissenheit gezeichneten, dann in überhöhter Lebensbejahung mündenden 9. Symphonie. 

Mit Nabucco steht eine der allerersten Produktionen des neuen Festspielhauses auch im Sommer 2013 auf dem Spielplan der Tiroler Festspiele Erl. Bei diesem Werk gilt es für Gustav Kuhn und die Künstlerinnen und Künstler des Festivals,  erstmalig unter Beweis zu stellen, dass nicht nur Strauss und Wagner in Erl wohltuend anders klingen kann, sondern auch die Musik Giuseppe Verdis. Gerade Nabucco zählt zu den Opern, die in der heutigen Rezeption wie kaum ein anderes Werk von den Mechanismen eines sinn- und kenntnislosen Opernbetriebes gezeichnet ist. Aus diesem Grund setzt Gustav Kuhn entgegen der vorherrschenden Tendenz, das Werk als Grand Opéra klanglich zu überfrachten, auf eine bewusst lyrische Besetzung an Donizetti und Bellini geschulter Stimmen. Im neuen Bühnenraum verschmelzen die szenisch feinfühligen, auf das musikalische Wirken Gustav Kuhns abgestimmten Ideen des Regisseurs Andreas Leisner mit den funktional gehaltenen Kostümen Lenka Radeckys zu einem ganzheitlichen Opernabend im Sinne der Entwicklung eines werktreuen Belcanto-Stils.

Sie zählen zu den beliebtesten und meist gespielten Opern Giuseppe Verdis und bieten sicher den größten und umfassendsten Schatz berühmter, eingängiger Ohrwürmer, die nicht nur bereits zu Lebzeit des Komponisten bei den Mitmenschen zu fröhlichen Sing- und Pfeifattacken in den Straßen und Gassen führten, sondern heutzutage vor allem die Werbebranche zu absurdesten Höhenflügen der krankhaften Zweckentfremdung verdischer Melodien beflügelt. Die Rede ist von Verdis Meisterwerken Rigoletto, Il Trovatore und La Traviata. Viel zitiert und hart geschunden ist es höchste Zeit, dass sie endlich in die Hände der künstlerischen Leitung der Tiroler Festspiele Erl gelangen, um sie hier aus längst überholten, die Werke ad absurdum führenden Interpretationsgebärden zu befreien und ihnen neue Entfaltungsformen hinsichtlich der musikalischen Gestaltung und Form zu geben. Und ganz nebenbei erzählen sie auf einzigartig einnehmende Weise die dramatischen Ereignisse dreier so unterschiedlicher und doch gleichermaßen von der Welt und ihrem Schicksal gezeichneter Protagonisten. Außenseiter auf der Opernbühne, das hatte es zuvor in der Operngeschichte – uns bisher in Erl – noch nicht gegeben. Jetzt endlich ist es an der Zeit, dass sich das für den kleinen Festspielort mit internationaler Ausstrahlung ändert.

Kammermusikalisch bleiben die Tiroler Festspiele Erl ganz ihrem bisherigen Erfolgskonzept treu: Montags gibt es außergewöhnliche und neue Kammermusik in ausgefallenen musikalischen Ensemble-Kombinationen. Der Dienstag ist nach wie vor für Davide Cabassi und seine Freunden reserviert. Am Mittwoch feiern wir den Abschluss der wöchentlichen Kammerkonzertreihe in der Pfarrkirche Erl mit überaus spannungsgeladenen und kontrastreich programmierten Liederabenden, um dann am Donnerstag in den Gasthof Blaue Quelle zu wechseln und dort all das auszuprobieren, was nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Macher der Festspiele erfreut und überrascht - darunter auch eine Fassung von Verdis Aida für Bläser-Quintett, dessen Musiker auch spielerisch und szenisch aktiv werden und das Werk all denjenigen nahe bringen, die es nur wenig bis gar nicht kennen oder eben so gut, dass sie sich mit ganz besonderer Neugier dieser besonderen Annäherung widmen.

 

Das vollständige Programm finden Sie unter http://www.tiroler-festspiele.at/sommer/programm/kalendarium/


Tiroler Festspiele

4.7. bis 28.7.2013

Erl, Tirol

Karten: Telefon +43 (0)53 73 / 81 000 20

oder
Email karten@remove-this.tiroler-festspiele.at


MMag. Alexander Busche

Tiroler Festspiele Erl

Betriebsgesm.b.H.
Mühlgraben 56a
A-6343 Erl

Internet: http://www.tiroler-festspiele.at

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