23.03.2015 09:00 heiter-melancholisch

Zu Ende ist alles erst am Schluss - Tragikomödie über einen jungen Mann der davon träumt, Schriftsteller zu werden

Zu Ende ist alles erst am Schluss kino

Egal ob jung oder alt, jeder ist auf Sinn- und Glückssuche und erreicht am Ende auch das Ziel, tot oder lebendig; (c) Neue Visionen

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Von: GFDK - Neue Visionen/kino.de

Heiter-melancholische Komödie, in der sich drei Generationen einer Familie auf die Suche nach dem individuellen Glück begeben.

Zu Ende ist alles erst am Schluss demnächst im Kino

Ein Film, der mit einer Beerdigung beginnt und endet, wird bei Jean-Paul Rouve keine triste Angelegenheit, sondern eine Ode an das Leben in bester französischer Nonchalance. Nicht umsonst feierte er Erfolge als Mitglied der Comedy-Gruppe "Les Robins des Bois". Er zeigt die Wege von drei verschiedenen Generationen auf: der 23jährige Literaturstudent Romain möchte ein Buch schreiben, jobbt aber erst einmal als Nachtportier in einem kleinen Pariser Hotel. Sein vorzeitig pensionierter Vater kann sich mit dem Nichtstun nicht abfinden und nervt vor allem die Gattin. Die 85jährige Großmutter, die nach dem Tod ihres Mannes in ein luxuriöses Seniorenheim abgeschoben wird, büxt bald aus. Als der junge Mann im Briefkasten eine Karte der alten Lady findet mit einem kleinen Hinweis, wo sie sich aufhält, macht er sich auf in die Normandie, Ort ihrer Kindheit und Jugend.

Egal ob jung oder alt, jeder ist auf Sinn- und Glückssuche und erreicht am Ende auch das Ziel, tot oder lebendig. Die Adaption des Romans von David Foenkinos, der gemeinsam mit Rouve das Drehbuch schrieb, erzählt von Krisen und deren Überwindung und einem etwas anderen Generationenpakt. Interessant ist die Rollenumkehrung. Ist der Vater (Michel Blanc) anfänglich noch eine Autoritätsperson, verliert er sukzessive an Durchsetzungskraft, wird verwundbar und lässt sich wichtige Entscheidungen von seinen Brüdern abnehmen. Dagegen übernimmt der zu Beginn ziemlich orientierungslose Sohn (Mathieu Spinos) die Initiative und versteht als einziger die Gefühle der munteren Greisin (die legendäre Annie Cordy), die genau weiß, was sie will.

Ein Film, der mit einer Beerdigung beginnt und endet

Der Kreislauf von Leben und Tod kommt ohne Sentimentalität aus, mischt Melancholie und Heiterkeit, Herzschmerz und Hoffnung. Neben den drei Hauptfiguren sind auch die Sidekicks top besetzt mit Chantal Lauby als gewitzte Ehefrau und Drehbuchautor und Regisseur Rouve als väterlicher Hotelchef. Das subtil inszenierten Feelgood-Movie à la française schafft mit großer Zärtlichkeit die ausgeklügelte Balance zwischen Lachen und Weinen, Wehmut und Lebensmut. Und wenn Michel Blancs Figur sich voller Ernst in einer Bar beraten lässt, wie man sich am besten betrinkt, ist das nur eine von vielen wirklich komischen Szenen. mk.

Kinostart: 26.03.2015