19.03.2015 08:00 über sexuellen Missbrauch

Verfehlung - Drama um einen Gefängnisseelsorger

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Die nach wie vor hochbrisante Auseinandersetzung mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche findet mit Gerd Schneiders "Verfehlung" nun ihre Fortsetzung; (c) Camino

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Von: GFDK - Camino/kino.de

In seinem kraftvollen Drama über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen geht Erstlingsregisseur Gerd Schneider mit der katholischen Kirche hart ins Gericht.

 

Verfehlung demnächst im Kino

Die nach wie vor hochbrisante Auseinandersetzung mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche findet mit Gerd Schneiders "Verfehlung" nun ihre Fortsetzung. Das Drama, das im Wettbewerb des 36. Filmfestivals Max Ophüls Preis Premiere feierte und einen Preis verdient gehabt hätte, schildert auf ebenso schockierende wie glaubwürdige Weise wie der Klerus mit Priestern, die sich einen "Fehltritt" erlaubt haben, umgeht.

Im Zentrum der zeitgenössischen Geschichte stehen drei Pfarrer und zugleich beste Freunde, die alles füreinander tun würden. Doch als Dominik in den Verdacht gerät, einen Jungen "berührt" zu haben, gerät die Kameradschaft aus den Fugen. Während der treue Gottesdiener Oliver darauf beharrt, Dominik sei das "Opfer einer Falschbeschuldigung" und den Fall vertuschen will, gibt sich der wesentlich liberalere Jakob damit nicht zufrieden. Der Gefängnisseelsorger beginnt auf eigene Faust, Nachforschungen anzustellen und findet mehr heraus als ihm lieb ist. Aber selbst als Jakob beim Kardinal vorstellig wird, bekommt er lediglich die Antwort: "Eine Kirche ist wie eine Mutter, und eine Mutter schlägt man nicht."

Bevor Schneider sein Regiestudium an der Filmakademie Baden-Württemberg begann, studierte er katholische Theologie und bereitete sich auf das Priesteramt vor. Diese Erfahrung, dieses Insider-Wissen ist in jeder Szene seines Films zu spüren. Die Dialoge sind authentisch, das Milieu (insbesondere auch der grausame Knast-Alltag) wird hervorragend geschildert. Obwohl Schneider gegen den Klerus äußerst kritisch zu Felde zieht, verurteilt er nicht. Er hebt nicht mahnend den Zeigefinger, zeigt lediglich die Ohnmacht, die Angst der Kirche, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Was allein schon erschreckend genug ist.

Im Zentrum der zeitgenössischen Geschichte stehen drei Pfarrer

Obwohl "Verfehlung" echte Kinobilder fehlen - das meiste spielt sich in engen Räumen zwischen Sakristei und Priesterwohnung ab - besitzt der Film dennoch eine unglaubliche Kraft. Maßgeblich verantwortlich dafür sind von Dominik vor sich hin gemurmelte Bibelzitate, die im diametralen Gegensatz zu seinen Untaten stehen, sowie Sebastian Blomberg, der als in sich zerrissener, den Glauben an sich und die Menschheit verlierender Jakob eine mehr als eindringliche Vorstellung abgibt. Und wenn er am Ende zu seinem vermeintlichen Freund sagt "Ich habe keine Ahnung, wer du bist" wird noch einmal deutlich, wie leicht Vertrauen zu missbrauchen ist und wie schwer es ist, über einen anderen Menschen zu richten. lasso.

Kinostart: 26.03.2015