23.04.2013 07:00 Sendetermin: Mittwoch 24.4.2013, 22:50 Uhr Arte

TV-Tipp: "Zigeuner" - Drama von Martin Šulík um die europäischen Sinti und Roma

"Zigeuner" - Drama von Martin Šulík um die europäischen Sinti und Roma

Martin Šulíks neuer Film thematisiert ein aktuelles Problem - die Behandlung der Roma in Tschechien und der Slowakei © In Film Praha/Pavol Pekarcík/ZDF

Von: Arte

Der 14-jährige Adam ist ein Roma. Mit seiner Familie wohnt er unter widrigen Bedingungen in einer slowakischen Romasiedlung irgendwo in der östlichen Slowakei. Heruntergekommene Häuser, zerfallende Bretterbuden, schlammige Böden, offene Kloaken - entwürdigender kann man kaum leben.
Als er eines Tages von seiner Gelegenheitsarbeit nach Hause kommt, muss er erfahren, dass sein Vater bei einem mysteriösen Unfall ums Leben gekommen ist. Um ihre Familie versorgt zu wissen, heiratet Adams Mutter erneut, und zwar den schroffen Onkel Zigo. Während Adams richtiger Vater noch Wert auf Bildung legte und seine Kinder in die Schule gehen ließ, dreht Zigo mit seinen Saufkumpanen eine Menge krummer Geschäfte und zieht auch den aufrichtigen Adam mit hinein. Einzig die Treffen mit der hübschen Julka heitern Adams harten Alltag auf. Doch die beiden Verliebten müssen sich bald trennen, da Julka zur Heirat von ihrer Familie an einen wohlhabenden Tschechen verkauft wurde.
Obwohl Adams Onkel viel für seinen neuen Stiefsohn übrig hat, ist ihr Verhältnis ein kaltes. Adam ist einer der wenigen seiner Siedlung, der sein Geld durch ehrliche Arbeit verdient. Sein Umfeld merkt ihm an, dass er anders ist und es zu etwas bringen kann, wenn er nur will: Beim Pfarrer der slowakischen Gemeinde hat er einen Stein im Brett und auch eine junge Reporter-Gruppe, die das Leben der Roma dokumentiert, möchte Adam helfen, eine Schulausbildung zu machen. Doch wie soll sich der fürsorgliche Junge gegen seinen despotischen Onkel zur Wehr setzen?
Zudem hat Adam immer wieder Visionen von seinem verstorbenen Vater, den er schmerzlich vermisst; diese Erscheinungen sind es auch, die ihn irgendwann hinter das Geheimnis seines Todes kommen lassen ...

Nach "Krajinka" (2000) ist "Zigeuner" (2012) bereits der zweite Film von Martin Šulík, geboren 1982, der von der Slowakei für einen Oscar in der Kategorie "Bester ausländischer Film" vorgeschlagen wurde.
Sein neuer Film thematisiert ein aktuelles Problem - die Behandlung der Roma in Tschechien und der Slowakei. Zum Beispiel gab es an der deutsch-tschechischen Grenze in Nordböhmen monatelang zwischen der alteingesessenen Bevölkerung und zwangsweise sesshaft gemachten Roma Krawalle, die von Neo-Nazis für ihre fremdenfeindlichen Zwecke ausgenutzt wurden.
"Zigeuner" zeigt den latenten Rassismus der Behörden, insbesondere der Polizei, ebenso wie das Klischee der stehlenden Zigeuner, die Einbrüche als überlebensnotwendig betrachteten angesichts der zahlreichen Diskriminierungen, denen sie tagtäglich ausgesetzt sind. Der in Karlsbad ausgezeichnete und auf dem renommierten Toronto Film Festival gezeigte Film zeichnet ein realistisches Bild vom Umgang mit Minderheiten in der Mitte Europas und ist ein hervorragendes Beispiel für sozial engagiertes Kino. Trotz aller Tristesse der realen Verhältnisse ist "Zigeuner" auch ein optimistischer Film, der in seiner Hauptfigur Adam eine Perspektive für ein verfolgtes Volk aufzeigt.
Die Problematik der europäischen Sinti und Roma hat inzwischen auch deutsche Städte erreicht und schafft soziale Spannungen in den verarmten, heruntergekommenen Stadtvierteln etwa von Duisburg oder Mannheim. Auch im Kino ist diese Problematik angekommen: Bence Fliegaufs "Just the Wind" wurde 2012 in Berlin ebenso mit dem Silbernen Bären ausgezeichne t wie 2013 der bosnische Film "An Episode in the Life of an Iron Picker" von Danis Tanovic.


Sendetermin: Mittwoch 24.4.2013, 22:50 Uhr Arte


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