14.05.2013 07:00 Sendetermin: Mittwoch 15.5.2013, 20:15 Uhr 3Sat

TV-Tipp: "Killing Nazis" - Großes Leinwandspektakel? Ein echter "Inglorious Basterd" erzählt

"Killing Nazis" - Großes Leinwandspektakel? Ein echter "Inglorious Basterd" erzählt

"Killing Nazis" - Von Quentin Tarantino in die Wirklichkeit. (c) ZDF und ORF/Andreas Kuba

Von: 3Sat

"Hier haben sie uns alles gelernt, was ein deutscher Soldat wissen muss. Angefangen vom Exerzieren, wie man grüßt, wie man salutiert und so weiter. Das war die Hauptsache, die wir gelernt haben: Man muss sich benehmen wie ein deutscher Soldat." Chaim Miller, 1921 in Wien als Alfred Müller geboren, floh Anfang 1939 vor dem braunen Terror nach Palästina. Dort wurde er ausgebildet - um dann als Nazijäger nach Europa zurückzukehren. Die Dokumentation "Killing Nazis" von Andreas Kuba, in 3sat am Mittwoch, 15. Mai, 20.15 Uhr, in Erstausstrahlung, lässt den heute 91-Jährigen seine Geschichte erzählen und begleitet ihn an Orte, die in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben - von Wien über Palästina bis nach Italien.

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Dass er Jude ist, hatte für Müller, der in einem Wiener Arbeiterbezirk aufwuchs, zunächst keine Bedeutung. Sein Interesse galt der politischen Linken. Bis der Nationalsozialismus immer mächtiger wurde und er beschloss, mit 17 Jahren nach Palästina zu gehen. Am 15. März 1939 - dem Tag, an dem die Deutschen in Böhmen einmarschierten - kam er an. Seine Eltern sah er nie wieder.

Von da an nannte er sich Chaim Miller, half beim Aufbau des Kibbutz Kfar Menachem, arbeitete dort als Schlosser, was er übrigens heute noch tut. Als Generalfeldmarschall Rommel nach Palästina vorrückte, plante die Organisation Haganah, Vorläufer der späteren Armee Israels, ein streng geheimes Kommando-Unternehmen: Einige Dutzend Juden aus Österreich und Deutschland sollten hinter den deutschen Linien Sabotageakte ausführen - und mussten dafür zu "echten Nazis" ausgebildet werden. Zu den Sabotageakten hinter den Linien kam es nicht mehr: Als die Jüdische Brigade endlich den Marschbefehl erhielt und im Mai 1945 in Italien landete, war der Krieg vorbei. Doch hier erfuhren die jüdischen Soldaten immer mehr über das Ausmaß der Vernichtung ihrer Landsleute.

"Wir haben das Gefühl gehabt, dass man auch Racheakte ausüben muss, weil: Das kann nicht so leicht vorbeigehen", berichtet Miller. Von jugoslawischen Partisanen erhielten die jüdische Brigade Listen mit den Adressen hochrangiger SS-Männer und Gestapo-Beamter. Die geheime Aktion "Nakam" - hebräisch für Rache - begann. Einheiten der Jüdischen Brigade entführten ehemalige NS-Schergen, verhörten sie - und richteten sie hin. "Die Angeklagten haben genau gewusst, dass sie vor einem jüdischen Gericht stehen", erinnert sich Chaim Miller. Auf die Frage, ob das Töten dieser Menschen befriedigend gewesen sei, antwortet er: "Was kann daran befriedigend sein? Überhaupt nichts kann befriedigend sein, was dort passiert ist. So viele von meinen Verwandten und Bekannten sind verschwunden ... da haben wir beschlossen, das zu machen. Und solange es möglich war, haben wir es gemacht. Bereut haben wir, dass wir nicht mehr gemacht haben."

Die Dokumentation "Killing Nazis" erzählt die spannende Geschichte eines wahren "Inglourious Basterd", der von sich selbst sagt: "Ich bin zwar Jude aus historischen Gründen. Aber ich glaube nicht an Gott. Woran ich glaube? An mich selbst."

 

Sendetermin: Mittwoch 15.5.2013, 20:15 Uhr 3Sat