17.10.2012 06:28 Eines der größten Stadterneuerungsprojekte Europas

TV-Tipp: Home sweet home - London im Wandel

Die Einwohner der Heygate-Siedlung kämpfen um ihr Recht auf Wohnraum in ihrem alten Viertel.

© ARTE F / Les Films d'Ici

Von: Arte

Die Arbeitersiedlung Heygate Estate liegt mitten in London, im Viertel Elephant and Castle, wo sich im Postkartendekor die britischen Hauptstadtpromis ebenso zu Hause fühlen wie ganze Generationen von Erasmus-Studenten. Ihre Existenz verdankt die Siedlung den in den 50er Jahren gängigen Utopien vom Wohlfahrtsstaat. Dass ihre oft kritisierten Hochhausblöcke nun abgerissen werden und mit ihnen auch das Ideal des sozialen Wohnungsbaus untergeht, ist symptomatisch für das vom Liberalismus dominierte moderne Großbritannien.

Am 31. Mai 1997 begab sich Premierminister Tony Blair nur wenige Tage nach seinem haushohen Wahlsieg in die Sozialsiedlungen des Viertels Elephant and Castle, das nur wenige Kilometer von Downing Street entfernt in Südlondon liegt. Im damals größten Sozialwohnungskomplex Europas kündigte er sein Projekt zur Sanierung der benachteiligten Londoner Stadtviertel an. Seine Rede läutete eine neue Zeit ein, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit sollten fortan oberste Prioritäten der Regierungspolitik sein. Die Bevölkerung war begeistert, denn endlich hatte die Thatcher-Ära ein Ende genommen, und die Zukunft erschien in strahlendem Licht.


Das Hauptziel des Sanierungsvorhabens, des größten, das je in einem Londoner Viertel durchgeführt wurde, bestand in der Verbesserung des Lebensumfeldes der ursprünglichen Bevölkerung. Doch zwölf Jahre nach dem Start des Projekts ist den Heygate-Bewohnern jegliche Begeisterung abhandengekommen, denn ihre Bedürfnisse wurden in den Entwürfen für das blühende neue Stadtzentrum mit seinen attraktiven Wohnungen, Geschäften, Parks und Gartenanlagen offenbar vergessen. Zumal feststeht, dass hier keine einzige Sozialwohnung entsteht.


Das in den fetten Börsenjahren erdachte Sanierungsvorhaben leidet unter den Auswirkungen der Finanz- und Immobilienkrise, die alle westlichen Hauptstädte zu spüren bekommen. Zwar wurden bereits ganze Häuserblöcke abgerissen, doch nun muss gebaut werden. Doch wie und mit welchen Geldern? Die Kassen der City sind leer, und die Stadtverwaltung muss das Potenzial dieser großen Fläche im Herzen einer der teuersten Städte der Welt optimal verwerten. Allmählich verdrängen die Gesetze des Marktes und der Spekulation die guten Vorsätze.


Feinfühlig und mit typisch englischem Humor beleuchtet der Film die Entwicklung der Heygate-Siedlung, deren Einwohner um ihr Recht auf Wohnraum in ihrem alten Viertel kämpfen. Vor dem Hintergrund einer filmreifen Szenerie zeichnen unterschiedliche Beteiligte - vom Stadtplaner bis zur pensionierten Grundschullehrerin - das Porträt einer ebenso vertraut wie exotisch wirkenden britischen Gesellschaft. Vor allem aber hinterfragt der Film eine weltweite Entwicklung: die Verdrängung benachteiligter Bevölkerungsschichten aus dem Stadtzentrum in die Randbezirke.

Arte F, Frankreich 2012

Regie: Enrica Colusso

 

Sendetermin: Donnerstag, 18.10.2012, 22.45 Uhr Arte

 

ARTE G.E.I.E.
POSTFACH 1980
77679 KEHL

 

ARTE G.E.I.E.
4 quai du Chanoine Winterer F-67000 Strasbourg
RCS STRASBOURG SIREN 382 865 62
Tel.: +33 3 88 14 22 22
Fax: +33 3 88 14 22 00

www.arte.tv