15.05.2013 08:30 Sendetermin: Donnerstag 16.5.2013, 22:45 Uhr ARD

TV-Tipp: Drama "Die Fremde" - Vielfach preisgekröntes Regiedebüt der Wienerin Feo Aladag

Drama "Die Fremde" - Vielfach preisgekröntes Regiedebüt der Wienerin Feo Aladag

Ein facettenreiches und tiefgehendes Familienportrait, mit präzisen Figurenzeichnungen, das gänzlich ohne Klischees auskommt. © WDR/Majestic

Von: ARD

Ein Vorort der türkischen Metropole Istanbul: Umay, eine junge Frau und Mutter eines kleinen Sohnes, flieht aus einer unglücklichen Ehe mit einem Mann, der sie verprügelt, zurück in ihr Elternhaus nach Berlin. Doch die Unterstützung, die sie und der kleine Cem so dringend bräuchten, erhalten sie auch hier nicht. Eine Scheidung steht für die Eltern nicht zur Debatte. Umay solle sich die "ein, zwei Ohrfeigen" ihres Mannes gefallen lassen. Da sie auf ihrem Entschluss beharrt, distanziert sich die gesamte Familie von ihr. Diese Trennung zermürbt Umay und so versucht sie sich immer wieder mit der geliebten Familie zu versöhnen.

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Umay flieht mit ihrem kleinen Sohn Cem vor ihrem aggressiven Ehemann aus einem Vorort Istanbuls zu ihrer Familie nach Berlin, wo sie aufgewachsen ist. Zurück in ihrer Heimatstadt will sie nun ein freies und selbstbestimmtes Leben führen. Zu Beginn ist die Freude über ihren Besuch groß, doch als Umay ihren Reisepass verbrennt und damit ein Zeichen setzt, dass sie nicht zu ihrem Mann zurückkehren, sondern sich scheiden lassen will, stößt sie anstatt auf die erhoffte Unterstützung auf Unverständnis seitens ihrer Eltern und Geschwister. Das ersehnte Leben muss sie sich alleine erkämpfen. Umays folgenschwerer Entschluss wird zur Belastungsprobe für die gesamte Familie.

Die Schmähungen in der türkischen Gemeinde häufen sich, die Familie kann sich nicht von ihren Konventionen lossagen und als schließlich die bevorstehende Hochzeit der jüngeren und bereits schwangeren Schwester Rana zu platzen droht, trifft die Familie die schwerwiegende Entscheidung, die Verbindung zu ihrer ältesten Tochter abzubrechen. Um ihren Ruf wieder herzustellen und ihre Ehre zu retten, plant die Familie schweren Herzens den kleinen Cem zu entführen und zurück zu seinem Vater Kemal in die Türkei zu bringen. Umay flieht erneut und findet Zuflucht in einem Frauenhaus. Sie baut für Cem und sich ein neues Leben auf, verliebt sich in ihren Kollegen Stipe und geht wieder zur Schule, um ihr Abitur nachzuholen. Doch die Sehnsucht nach ihrer Familie ist zu groß und sie sucht immer wieder, trotz Verbot, den Kontakt, zu ihr. Als sie sich mit ihrer Familie versöhnen will, erkennt sie nicht, dass es dafür bereits zu spät ist und die Katastrophe rückt unausweichlich näher ...

Die Geschichte klingt, als würde sie direkt den Nachrichten entspringen, aber Feo Aladag, die aus dem Schauspielfach kommt, gelingt in ihrem fesselnden Regiedebüt "Die Fremde" ein facettenreiches und tiefgehendes Familienportrait, mit präzisen Figurenzeichnungen, das gänzlich ohne Klischees auskommt. Auch das Drehbuch für "Die Fremde" stammt aus ihrer Feder und so ließ sie es sich nicht nehmen, ihr Kinodebüt auch gleich gemeinsam mit ihrem Ehemann Züli Aladag ("Wut", "Elefantenherz") zu produzieren, um die volle künstlerische Kontrolle über den eigenen Film zu haben, wie sie sagt. Unterstützt wird sie dabei von herausragenden Schauspielern: Sibel Kekilli ("Gegen die Wand") entwickelt in der Hauptrolle eine Anziehung, die den Zuschauer völlig in seinen Bann zieht. An ihrer Seite spielen Florian Lukas ("Nordwand"), Alwara Höfels ("Keinohrhasen"), Nursel Köse ("Auf der anderen Seite") und die türkischen Leinwandstars Derya Alabora und Settar Tanriögen. Besonders viel Wert legte Feo Aladag darauf, mit Menschen zu drehen, die alle auf sehr unterschiedliche Erfahrungen im Bereich Schauspiel zurückgreifen konnten; Stars, Laien, Kinder. Als besondere Bereicherung sieht sie auch die Zweisprachigkeit ihres Films. "Die Fremde" hat nicht nur ein brisantes Thema, sondern ist vor allem ein mitreißendes Kino-Erlebnis von seltener Kraft. Feo und Züli Aladag entwickelten gemeinsam auch die Tatortfolge "Mutterliebe", für welche Feo das Drehbuch lieferte und Züli Regie führte.

 

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