24.11.2012 09:30 Sendetermin: Sonntag 25.11.2012, 23.15 Uhr Arte

TV-Tipp: Dokumentation "Rosakinder" - Wie zeichnet man ein Bild von jemandem, der selbst ein Meister der Selbstdarstellung ist?

Dokumentation "Rosakinder" - Wie zeichnet man ein Bild von jemandem, der selbst ein Meister der Selbstdarstellung ist?

© WDR / Kordes und Kordes Film

Von: Arte

Auf den ersten Blick haben sie alle nichts miteinander zu tun, die fünf Regisseure, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch wagt man einen Blick in die Biografien der fünf Regisseure, entdeckt man einen Namen, der allen gemein ist: Rosa von Praunheim, der wohl hemmungsloseste, offensivste und ehrlichste Regisseur Deutschlands. Anlässlich seines 70. Geburtstags wurde der Film als Hommage, fast als eine Liebeserklärung, von den "Rosakindern" gedreht, wie sie sich selbst nennen. So stellen sie sich selber sowie ihren Weg zum Film vor. Und immer wieder taucht Rosa von Praunheim in Schlüsselpassagen ihres Lebens und ihrer kreativen Arbeit auf.
Im Patchworkstil wird von den Verhältnissen zwischen dem Lehrer Rosa und seinen Schülern erzählt. Jeder der Regisseure hat seinen kleinen, ganz persönlichen Film über die Beziehung zu Rosa in "ROSAKINDER" integriert. So konnte eine bunte Genrecollage im dokumentarischen Rahmen entstehen. Zwischen Kreativität, Innovationsdrang, Trotz, Gewalt, Provokation, Unsicherheit und Liebe gleichermaßen wird der Lehrer immer mehr zur Vaterfigur. Ein Vater, mit dem man sich manchmal so sehr streitet, dass man sich mit ihm schlagen möchte. Aber auch ein Vater, den man dann anruft, wenn man eigentlich alleine sein und mit niemandem sprechen möchte.
"ROSAKINDER" erzählt einfühlsam von den einzelnen, komplizierten, streitträchtigen und gleichermaßen liebevollen, innigen Beziehungen zu einem Mann, den sie als Vater gewählt haben, denn: "Verwandtschaft ist eine Frage der Wahl und nicht des Blutes ... manchmal."

Rosa von Praunheim stellt tradierte gesellschaftliche Regeln auf den Kopf. Er hält nichts von rationalem Denken und persönlicher Entwicklung. Vielmehr glaubt er, dass man ist, wie man fühlt und dass, "wo immer wir auch herkommen, alles möglich ist". Das ist sein Credo.
Nun gibt es da fünf Regisseure, die von eben diesem angesteckt wurden und es über ihr Medium, den Film, an die Öffentlichkeit bringen wollen. Der Rosa, der mit seinem Dokumentarfilm "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" von 1970 zum Wegbereiter der modernen Schwulenbewegung wurde, ist eine öffentliche, populäre, kontrovers diskutierte Kultfigur. Er liebt Buntes, provoziert gerne und fällt auf. Bei "ROSAKINDER" soll es nun aber um den Rosa gehen, der sich hinter all dem bunten Plunder verbirgt. Wie erlebt man Rosa als Freund im Alltag ohne seine Kamera? Wie ist er als Lehrer, der sich für die fünf Regisseure immer mehr zur Vaterfigur entwickelte? Diese Fragen werden in "ROSAKINDER" in sensibler, intimer und emotionaler Weise beantwortet.
Stimmen der Regisseure zum Film:
"Rosa ist mein bester Freund und mein Mentor, er ist ein Prophet und er ist mein Vater, der mir immer wieder das Leben rettet. Ohne ihn wäre ich keine Regisseurin und immer sieht er mehr in mir als ich selbst, solange bis ich es auch glaube." (Julia von Heinz)
"An Rosa liebe ich die Schmerzen, die er zufügt, die er annimmt und genießt, die er erleidet und die er heilt. Und ich wollte, dass die alle in diesem Film sind." (Chris Kraus)
"Rosa hat mir Mut gemacht, mich auf ein Treppchen gestellt und wieder runtergeholt, mir Vertrauen geschenkt, mich gefördert und gefordert, den Weg in die Filmbranche geebnet, mich angestachelt, unter Druck gesetzt, mich sexy gefunden und wütend gemacht, zum Lachen gebracht, nie im Stich gelassen und getröstet, wenn ich Hilfe brauchte. Für mich hätte es keinen besseren Professor als ihn geben können und deshalb wird er es auch für immer bleiben: mein Prof. Rosa von Praunheim." (Axel Ranisch)
"Machen. Machen. Machen. Das war seine Medizin für mein bürgerliches Gezaudere. Dafür werde ich diesem Gesamtkunstwerk auf ewig dankbar sein." (Robert Thalheim)
"Rosa hat mir beigebracht, dass ein Film durch das Herz des Filmemachers ins Hirn und wieder zurückgejagt werden muss, bevor er es verdient hat, gedreht, geschweige denn irgendjemand anders gezeigt zu werden. Das klingt nach einem Allgemeinplatz, aber wer Rosa kennt, weiß, dass er daraus eine leidenschaftliche Philosophie entwickelt, die er mir und vielen anderen, die es hören oder nicht hören wollten, um die Ohren gehauen hat. Durch ihn habe ich eine imaginäre Tür geöffnet, die mich wegholte von der Straße der Beliebigkeit und hinein in die Geheimkammern des Kinos. In denen Intimität, Ehrlichkeit und ein gewisses Ausgeliefertsein das Einzige sind, was zählt." (Tom Tykwer)

 


Sendetermin: Sonntag 25.11.2012, 23.15 Uhr Arte

 

 

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