18.10.2012 07:10 Die Geschichte des "Trio Lescano"

TV-Tipp: Die Swingmädchen 1 und 2

Sie wollen es als das "Trio Lescano" ganz nach oben schaffen.

(c) ARTE F

Von: GDFK - Arte

Eine Musikbiographie in zwei Teilen über die drei Schwestern des "Trio Lescano". Teils beschwingt, fast euphorisch, teils düster politisch.

Die Swingmädchen 1:

1935, Turin. Die beiden niederländischen Schwestern Alexandra und Judith Leschan arbeiten hart als Tellerwäscherin und Garderobenfrau in dem Luxusrestaurant "Lagrange" und können von einer Karriere im Varieté nur träumen. Für ein Vortanzen müssen die beiden ihren Job aufgeben, doch der Kleinkünstler Gennaro Fiore engagiert die jungen Frauen für sein mittelmäßiges Ensemble. Gemeinsam mit ihrer dritten Tochter Kitty reist die Mutter, ehemalige Operettensängerin und von ihrem Mann früh verlassen, aus Holland an, um bei einem Auftritt ihrer Töchter dabei zu sein. Nach der Aufführung lädt Fiore seine beiden Tänzerinnen und ihren Besuch ins "Lagrange" ein und veranlasst Alexandra, Judith und auch Kitty zu einer spontanen und improvisierten Gesangseinlage vor den Gästen des Lokals. Als der Impresario Canapone von ihren Stimmtalenten erfährt, findet er in den drei Schwestern die italienische Antwort auf die "Boswell Sisters", die in den USA mit ihrem Swing auf Erfolgstour sind. Canapone will auch Alexandra, Judith und Kitty ganz nach oben bringen.

Bei einem ersten Vorsingen lehnt der prestigeträchtige italienische Rundfunk das Trio wegen ihrer ausländischen Herkunft zunächst ab, revidiert jedoch seine Entscheidung, als ein anderer Musikkonzern den jungen Sängerinnen einen Exklusivvertrag anbietet und bringt das Trio fortan selbst unter dem italienischen Namen "Lescano" heraus. In kurzer Zeit verzeichnen Alexandra, Judith und Kitty mit ihrem "Swing" große Erfolge. Sie setzen sich als populäre und namhafte Sängerinnen im Unterhaltungsbusiness Italiens durch, nehmen Schallplatten auf und singen in ausverkauften Häusern. Doch dann werden die drei Schwestern gedrängt, auf dem Neujahrsball der Faschisten aufzutreten. Alexandra, Judith und Kitty zögern mit ihrem Entschluss...

Das "Trio Lescano" war ein Vokaltrio, das in Italien zwischen 1935 und 1943 sehr populär war. Es handelte sich um eine der ersten Girl Bands Europas und bestand aus den Schwestern Alexandrina Eveline Leschan genannt Sandra, Judik Leschan und Katharina Matje Leschan, deren Namen italianisiert wurden in Alessandra, Giuditta und Caterinetta Lescano. Der Vater war ein ungarischer Zirkuskünstler, die Mutter eine holländische Operettensängerin aus einer Musikerfamilie mit jüdischer Abstammung. Nach Tourneen in Europa, Syrien und dem Libanon, als sie sich zunächst "The Sunday Girls" nannten, kam der Erfolg in Italien, wo die Schwestern ansässig und in kurzer Zeit zu den populärsten Sängerinnen der Mussolini-Ära wurden. Am 30. März 1942 bürgerte sie der italienische König Vittorio Emanuele III auf Vorschlag von Mussolini ein. Im Juni 1946 verließ die jüngste Schwester das Trio und wurde durch die 21-jährige Maria Bria ersetzt. Das neu aufgestellte Trio sang ab 1947 in Südamerika weiter, bis es sich 1952 auflöste.


In zwei Episoden weckt Maurizio Zaccaro in "Die Swingmädchen" gelungen die bewegende Laufbahn des Trio Lescano wieder zum Leben: von Beginn und Ende der Karriere in Italien, vom ruhmreichen Aufstieg in den Musikhimmel und von der Inhaftierung aufgrund ihrer jüdischen Abstammung bis zu ihrem Comeback in Argentinien.


Der italienische Regisseur und Drehbuchautor Maurizio Zaccaro schloss 1977 in Mailand die Filmschule "Scuola del Cinema" ab. Mit dem Kurzfilm "Overkill" gewann er 1981 den Preis der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Im Jahre 1991 drehte er "Dove commincia la notte" (Where the Night Begins) und gewann den prestigeträchtigen "David di Donatello" als bester Nachwuchsregisseur. Zwei Jahre später wurde er mit dem "Premio Solinas" für sein Drehbuch "L'articolo 2" ausgezeichnet und "Kalkstein", die Verfilmung der gleichnamigen Novelle des österreichischen Schriftstellers Adalbert Stifter, wurde sowohl für die "Internationalen Filmfestspiele von Venedig" als auch für das "Filmfestival von Montreal" nominiert. Im Jahre 1999 gewann Zaccaro erneut den "David di Donatello" mit "Un uomo perbene", für den er auch das Drehbuch schrieb. Seitdem drehte er eine Reihe erfolgreicher Fernsehfilme. Zaccaros "Die Swingmädchen" gewann 2011 die Goldene Nymphe auf dem "51. Fernsehfestival in Monte-Carlo" und die Goldene Magnolia für die beste Regiearbeit auf dem "17. Television Festival in Shanghai". Von Zaccaro kommt auch die Dokumentation "Un foglio bianco" (2011), eine Hommage an den italienischen Filmregisseur Ermanno Olmi.


In "Die Swingmädchen" überzeugt die Niederländerin Lotte Verbeek, Jahrgang 1982, als Judith. Verbeek absolvierte die Amsterdamer "Theatre Academy" und trat erstmals 2008 als Schauspielerin im Kino in "Links" von Froukje Tan auf, in dem sie fünf Hauptrollen spielte. Der Durchbruch gelang ihr 2009 als Hauptdarstellerin in dem Drama "Nothing Personal" von Regisseurin Urszula Antoniak. Dafür erhielt Verbeek noch im selben Jahr den Silbernen Leoparden beim "Filmfestival von Locarno" als beste Darstellerin sowie eine Nominierung für den Europäischen Filmpreis 2010. Auf dem Berliner Filmfestival wurde sie als "European Shooting Star" des Jahres 2010 geehrt. Seitdem spielte sie 2011 in der US-amerikanischen Fernsehserie "Die Borgias - Sex, Macht, Mord, Amen" von Neil Jordan mit.


Andrea Osvárt spielt die Rolle der Alexandra. Osvárt wurde 1979 in Budapest geboren und begann mit 16 Jahren als Fotomodell zu arbeiten. 1996 belegte sie den zweiten Platz in dem ungarischen Model-Wettbewerb "Look of the Year". 2001 hatte Osvárt eine kleine Rolle in Tony Scotts Kinofilm "Spy Game - Der finale Countdown", in denen Robert Redford und Brad Pitt die Hauptrollen spielen. 2010 sah man sie in der Rolle der Renata in Stefano Realis "Lo scandalo della Banca Romana" und 2011 in "La donna della domenica" von Giulio Base.


Die dritte der Schwestern, Kitty, wird von Elise Schaap verkörpert. 1983 geboren, studierte Schaap an der Hochschule der Künste in Amsterdam. In der Kinderserie "Hotnews.nl" hatte sie als Maja 2005 ihre erste große Rolle. Der Durchbruch als Schauspielerin gelang Schaap 2008 mit "Bride Flight" von Regisseur Ben Sombogaart. Seitdem spielte sie 2010 in Nicole van Kilsdonks "Sekjoeritie" und "Richting west" und Zaccaros "Die Swingmädchen". Zuletzt sah man sie 2011 in einer Hauptrolle der niederländischen Fernsehserie "Hart tegen Hard".

Regie: Maurizio Zaccaro

Arte F, Italien 2010

 

Sendetermin: Freitag, 19.10.2012, 20.15 Arte

 

Direkt im Anschluss:

Die Swingmädchen 2

Turin, 30er Jahre: Während des Faschismus in Italien feiern die drei niederländischen Schwestern Judith, Alexandra und Kitty als Gesangstrio Lescano rauschende Erfolge und setzen sich als populäre Neuentdeckung im Unterhaltungsbusiness der Mussolini-Ära durch. Als Italien im Krieg den deutschen Rassenwahn importiert, werden die Jüdinnen zu verfolgten.

 

 

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