12.11.2012 08:00 Sendetermin: Dienstag 13.11.2012, 20.15 Uhr Arte

TV-Tipp: Bal (Honig) - Drama um einen anatolischen Jungen, dessen Vater spurlus verschwunden scheint

Bal (Honig) - Drama um einen anatolischen Jungen, dessen Vater spurlus verschwunden scheint

© ZDF / Heimatfilm / Baris Ozbicer

Von: Arte

In einem entlegenen Bergdorf der türkischen Schwarzmeerregion, wo Tod und Migration ihren Tribut gefordert haben und nur noch wenige Menschen ein ursprüngliches, naturverbundenes Leben führen, beginnt der siebenjährige Yusuf seinen Schulalltag. Sein Vater Yakup ist Imker und produziert seinen Honig mit Hilfe von Bienenstöcken, die er in der Tiefe der Wälder - teils unter Lebensgefahr - in Baumwipfeln anbringt. Diese traditionelle Erzeugung des berühmten schwarzen Honigs der Rize-Region wird immer seltener, weil die kaukasischen Bienen vom Aussterben bedroht sind. Längst versucht sich Yakup als Schreiner ein Zubrot zu verdienen, während sich seine Frau Zehra bemüht, mit den kleinen Teeplantagen, die sie von ihrem Vater geerbt hat, zum Familieneinkommen beizutragen.
Als Yakup eines Tages aus dem Wald zurückkehrt, muss er feststellen, dass sein Sohn zu Stottern begonnen hat, seit er die Schule besucht. Mitschüler beginnen über ihn zu lachen, woraufhin sich Yusuf immer mehr zurückzieht. Mit Hilfe von Gebeten in der Moschee soll das Defizit, unter dem Yusuf leidet, beseitigt werden.


Als das nicht fruchtet, beschließt Yakup, seinen Sohn in den Wald auf Honigsuche mitzunehmen. Nur hier, im Zusammensein mit seinem Vater in der geheimnisvoll anmutenden Natur des Bergwaldes, kann der Sechsjährige sein Stottern flüsternd überwinden. Doch wie in einem seltsamen Traum, den Yusuf hatte, finden sie nur verwaiste Bienenstöcke: Die Waben sind leer oder die Bienen tot. Auf dem Nachhauseweg erleidet Yakup einen epileptischen Anfall.
Yusuf weiß seinem Vater zu helfen, da er dessen Anfälle schon häufiger erleben musste. Als Yakup aufwacht, ist Yusuf an seiner Seite. Nach ihrer Rückkehr ins Dorf diskutieren die Honigerzeuger über das mysteriöse Bienensterben. Yakup sieht die Lebensgrundlagen seiner Familie in Gefahr und beschließt, sich infolgedessen auf eine gefährliche Reise zu begeben. In einem entlegenen, unerforschten und auf keiner Landkarte verzeichneten Teil des Waldes will er neue Bienenvölker suchen und seine Körbe aufstellen. Vergeblich wartet der kleine Yusuf auf die Wiederkehr des Vaters.

"Bal - Honig" bildet den Abschluss zu Semih Kaplanoglus Yusuf-Trilogie und wurde bei der Berlinale 2010 mit dem Goldenen Bären und dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet. Er ist eine filmische Reise zu den Wurzeln der Seele. Vor der spektakulären, malerischen Landschaftskulisse der Bergwelt der nordosttürkischen Schwarzmeerregion hat Regisseur Semih Kaplanoglu einen Film von archaischer Wucht und atemberaubender Schönheit inszeniert. Er erzählt die Geschichte einer Kindheit, des Heranwachsens und Reifens, gleichzeitig aber auch die Geschichte eines Verlustes: der Verlust des Vaters und der Verlust der Geborgenheit gehen einher mit dem Verlust der Nahrungsgrundlagen und dem Verlust der Tradition.
Semih Kaplanoglu, geboren 1963, ist neben Nuri Bilge Ceylan und Yesim Ustaoglu der bedeutendste Regisseur des neuen türkischen Film. Manchem gilt Kaplanoglu als das explosivste künstlerische Talent des türkischen Kinos. Nach dem Filmstudium an der "Dokuz Eylül"-Universität seiner Geburtsstadt Izmir, arbeitete er zunächst als Kameraassistent und war Autor und Regisseur der 52-teiligen Fernsehserie "Sehnaz Tango". Als Kinoregisseur debütierte er 2000 mit "Herkes Kendi Evinde" ("Away from Home") und wurde sogleich auf dem "Singapore International Film Festival" mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Sein zweiter Spielfilm "Melegin düsüsü" ("Angel's Fall") wurde im Forum der Internationalen Filmfestspiele der Berlinale 2005 gezeigt und auf den Festivals in Nantes, Barcelona und Kerala jeweils als bester Film ausgezeichnet.
2007 realisierte Kaplanoglu mit "Yumurta - Ei" d en ersten Film seiner Yusuf-Trilogie, der in der "Quinzaine des Réalisateurs" in Cannes uraufgeführt und mit mehr als 30 internationalen Filmpreisen ausgezeichnet wurde. Der zweite Film der Trilogie, "Süt - Milch", lief 2008 im Wettbewerb von Venedig und erhielt den Kritikerpreis des Internationalen Filmfestivals Istanbul.


Ein Film, der vollkommen auf Musik verzichtet, und sich auf die Atmosphäre der Natur und die Wirkung der stillen, zugleich wuchtigen Bilder gepaart mit der Stille des Waldes konzentriert. Dieser aus Geräuschen und Klängen der Natur meisterhaft komponierte Soundtrack, bildet den Rahmen für das ausdrucksstarke Spiel des zur Zeit der Dreharbeiten siebenjährigen Bora Altas, das diesen Film für Kinobesucher auf der ganzen Welt unvergesslich macht. Über Monate hat Regisseur Kaplanoglu den Darsteller des Yusuf überall in der Region gesucht. "Wir gingen in alle Grundschulen und sprachen mit den Erstklässlern. Keiner von den mehreren hundert Jungen war der Richtige. Nach zwei Monaten beschloss ich, die Region zu wechseln. Wir gingen in einen kleinen Ort hundert Kilometer weiter und begannen mit der Arbeit von vo rn. Wegen Arbeitslosigkeit und Landflucht lebten nur noch wenige, meist alte Einwohner dort. Die wenigen Kinder kamen ebenfalls nicht in Frage. Eines Tages kam ich von einem Treffen mit einem Location Scout und sah Bora Altas auf dem Fahrrad vorbeifahren. Ich sprang aus dem Auto und stellte mich vor. Sofort war mir klar, dass er der Yusuf war, nach dem ich gesucht hatte: ein sensibles, kluges Kind mit seiner eigenen Welt."

 

Türkei, Deutschland, 2010

Regie: Semih Kaplanoglu

 

 

Sendetermin: Dienstag 13.11.2012, 20.15 Uhr Arte

 

 

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