14.12.2014 08:00 Drama und Humor

The Homesman - traditionsbewusster und doch unkonventioneller Western

The Homesman kino

Weil alle Männer der einsamen Gemeinde an der Frontier kneifen, erklärt sich die allein stehende Mary Bee Cuddy bereit, drei in der Einöde wahnsinnig gewordene Frauen in einer Kutsche Richtung Osten zu fahren; (c) Universum Film

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Von: GFDK - Universum Film/ kino.de

Traditionsbewusster und doch unkonventioneller Western, in dem eine junge Frau und ein alter Haudegen einen mühseligen Treck zurück in die Zivilisation führen.

The Homesman demnächst im Kino

Neun Jahre sind vergangen, seitdem Tommy Lee Jones mit seinem Regiedebüt "Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada" den Darstellerpreis in Cannes sowie Guillermo Arriaga die Auszeichnung für das Drehbuch gewinnen konnten. Trug die verschachtelte Story aus dem amerikanischen Grenzland damals bereits deutliche Züge des Western, ist Jones' neuer Film nun ein Western durch und durch geworden, mit allem was dazugehört: Lynchmobs, Indianer, Postkutschen. Nur dass die Protagonisten hier Frauen sind und dass die Reise, die sie antreten, nicht von der Zivilisation ans Ende der Frontier führt, sondern vom Grenzland zurück in die Zivilisation: Weil alle Männer der Gemeinde kneifen, erklärt sich die allein stehende Mary Bee Cuddy bereit, drei in der Einöde wahnsinnig gewordene Frauen in einer Kutsche in die Obhut der Kirche zu übergeben. Unterwegs gewinnt sie einen alten Cowboy als Mitstreiter, den sie davor bewahrt, gelyncht zu werden.

Natürlich ist es ein Aufeinanderprall scheinbar unvereinbarer Welten, während sich das unfreiwillige Gespann den beschwerlichen Weg durch Eiseskälte, Indianergebiet und weitere Unwägbarkeiten bahnt. Es gibt kein Bild, das in diesem von Rodrigo Prieto fotografierten Film nicht exquisit wäre. Unverkennbar stand Altmeister John Ford Pate sowie John Hustons "African Queen", wenn sich Hilary Swank und Tommy Lee Jones verbale Schlagabtausche liefern und nach und nach zumindest eine gewisse Hochachtung füreinander entwickeln. Sehr klug spielt Jones mit den Konventionen des Genres und nutzt seine Adaption des Romans von Glendon Swarthout, Autor von "The Shootist", auch als Möglichkeit, dem modernen Amerika den Spiegel vorzuhalten.

Aufeinanderprall scheinbar unvereinbarer Welten

Und wenn es auch mindestens einen Moment kurz nach der Hälfte des Films gibt, der einem ziemlich brutal den Boden unter den Füßen wegzieht, und einen direkt darauf folgenden Moment, der einem ungemein zu Herzen geht, was bedeutet, dass die Erzählung letztlich funktioniert, oszilliert "The Homesman" tonal zu stark zwischen ernstem Drama und knatterndem Humor, um restlos überzeugen zu können: "True Grit", der sich einem auch als Vergleichsfilm aufdrängt - Jeff Bridges' Rooster Cogburn könnte ein Bruder von Jones' schlitzohrigem Haudegen Briggs sein -, hat den Balanceakt letztlich doch um Einiges besser hinbekommen. Was dieser beachtlichen Borderstory, ein "No Country for Young Women", nicht ihre Leistungen absprechen soll: Hilary Swank ist so gut wie seit Jahren nicht mehr, und Jones holt ein Maximum an Wehmut aus seinem zerknitterten Gesicht heraus. Und wenn man ihnen genau zuhört bei ihren Gesprächen, der Pionierin und dem alten Gauner, dann muss man feststellen, dass die da oben auf dem Kutschbock genauso verrückt sind, wie die drei Frauen, die im Inneren der Kutsche sitzen. Das macht der Wilde Westen aus den Menschen. Das ist Amerika. ts.

Kinostart. 18.12.2014

Quelle: kino.de