03.01.2015 08:00 mit Bill Murray

St. Vincent - skurrile Komödie mit Bill Murray als griesgrämigem Kriegsveteranen

St. Vincent kino

Vincent, verwitweter Vietnamveteran im Ruhestand, verbringt seine Tage mit seiner Perserkatze, reichlich Whiskey, Glücksspiel und der russischen Prostituierten Darka; (c) polyband (Sony Pictures)

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Von: GFDK - polyband (Sony Pictures)/kino.de

In Theodore Melfis heiter-ernstem Spielfilmdebüt brilliert Bill Murray als zynischer, bärbeißiger Rentner, der sich mit dem Nachbarjungen anfreundet.

St. Vincent demnächst im Kino

Er ist zweifelsohne einer der Großen im Comedy-Fach - der ewig populäre "Saturday Night Live"-Haudegen Bill Murray. Einen klassischen "grumpy old man" gibt er in diesem Spielfilmdebüt erneut, einen von Geldnöten geplagten Vietnam-Veteranen, der dem Hochprozentigen gerne zuspricht, seine Tage auf der Pferderennbahn verbringt und sein Libido mit Hilfe einer russischen Prostituierten befriedigt. Wie aus diesem Saulus ein Paulus wird, aus Vincent der heilige "St. Vincent" des Titels, erzählt Regie-Newcomer Theodore Melfi munter und mit durchaus ernsten Zwischentönen.

Mit der Ruhe im desolaten Vorstadthaus ist es für den Pensionisten vorbei, als die alleinerziehende Maggie, wuchtig gespielt von "Brautjungfer" Melissa McCarthy, nebenan einzieht. Deren Umzugswagen bricht einen Ast ab, der auf Vincents Auto - er nennt die Rostlaube einen "american classic" - landet. Nicht weiter schlimm, denn so lassen sich ein paar Dollar machen - wie auch mit dem Babysitterjob, zu dem die im Schichtdienst arbeitende Röntgenschwester den Senior überredet. Er soll auf ihren zwölfjährigen Sohn (Jaeden Lieberher) aufpassen und ihm bei den Hausaufgaben helfen. Vincent hat aber ganz eigene Vorstellungen von Pädagogik, nimmt den Jungen stattdessen lieber in seine Stammkneipe mit und lehrt ihn, dass ein rechter Haken oft nachhaltigere Wirkung zeigt als der Versuch einer friedlichen Aussprache.

Die Figurenkonstellation erinnert an Murrays Paarung mit dem jungen Jason Schwartzman in "Rushmore", von der Zähmung eines Widerspenstigen durch einen kleinen, überaus sympathischen Nerd wird erzählt. Der Fokus des von Melfi pointiert geschrieben Skripts liegt naturgemäß auf seinem zynischen Protagonisten, der vom Tod der Frau aus der Bahn geworfen sich langsam ins Leben zurückkämpft. Raue Schale, weicher Kern - die Liebe zur Perserkatze verrät Vincent sogleich - , das Konzept ist nicht neu, gefällt aber durch Murrays nuanciertes Spiel und dessen präzise gesetzten Verbalspitzen. Zugleich lässt er seinen Kollegen Raum zur Entfaltung, erdig sexy, mit akkuratem Akzent und rosa gefärbtem Haar besticht Naomi Watts als schwangere Hure mit Herz, die ihrem Dauerfreier nach dessen Schlaganfall die Bude auf Vordermann bringt und ihm fortan Schonkost statt Sex verabreicht. Gewohnt hemdsärmelig trumpft McCarthy auf, in einer kleinen Rolle als gar nicht so tougher Geldverleiher gefällt Terrence Howard und der junge Lieberher ist als Oliver eine echte Entdeckung.

Bill Murray brilliert  als zynischer, bärbeißiger Rentner

Bestens verankert ist die Story im sorgsam gezeichneten Arbeitermilieu, treffend triste Stadtlandschaften fängt Kameramann John Lindley ein, seine Rennbahnaufnahmen versieht er mit dem nötigen Tempo und fängt dabei zugleich trefflich die nervöse Zockeratmosphäre ein. So entsteht ganz nebenbei auch ein Bild der von der Rezession geplagten USA, die ihre Helden vergessen hat - Victor ist ein dekorierter Soldat - und deren Bewohner versuchen, mit Anstand über die Runden zu kommen. geh.

Kinostart: 08.01.2015

Quelle: kino.de