18.02.2015 08:00 Protestmarsch von Selma

Selma - Historiendrama über Martin Luther King und seinen Marsch auf nach Montgomery

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Filmemacherin Ava DuVernay nimmt nun diesen Ausschnitt aus Kings ebenso einfluss- wie ereignisreichen Lebens um ein intimes Charakterporträt des Friedensnobelpreisträgers zu zeichnen; (c) Studiocanal

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Von: GFDK - Studiocanal/kino.de

Mitreißendes Historiendrama um den bedeutsamen Protestmarsch Martin Luther Kings und seiner Anhänger von Selma nach Montgomery, Alabama.

Selma demnächst im Kino

Obwohl Afro-Amerikaner bereits 1870 gesetzlich das Wahlrecht erhielten, wurde insbesondere in den Südstaaten dermaßen massiv gegen sie diskriminiert, dass sie dort de facto fast ein weiteres Jahrhundert vom Wahlgang ausgeschlossen waren. Dies änderte sich erst mit dem Voting Rights Act von 1965, den US-Präsident Lyndon B. Johnson nicht zuletzt aufgrund des unermüdlichen und couragierten Einsatzes von Martin Luther King und seiner friedvollen Bürgerrechtsbewegung unterzeichnete.

Filmemacherin Ava DuVernay nimmt nun diesen (kurzen) Ausschnitt aus Kings ebenso einfluss- wie ereignisreichen Lebens um ein intimes Charakterporträt des Friedensnobelpreisträgers zu zeichnen. In dieser komprimierenden Herangehensweise gleicht dieses (erstaunlicherweise) erste allein auf MLK abonnierte (Leinwand-)Biopic Steven Spielbergs "Lincoln". Ähnlich diesem weist es wortgewaltige Reden und aufwühlende Emotionen auf, die das Publikum an ein entrüstendes dunkles Kapitel in der amerikanischen Geschichte erinnert. Darüberhinaus verfügt auch "Selma" über eine beachtliche Riege von Ensemble-Schauspielern, doch die große darstellerische Offenbarung ist Hauptdarsteller David Oyelowo (spielte in DuVernays letzten Film "Middle of Nowhere", für den sie 2012 den Regiepreis in Sundance gewann). Er vermittelt sowohl das elektrisierende Charisma als auch die nagenden Selbstzweifel der facettenreichen Figur.

Mit dem Auftakt, bestehend aus MLKs Nobelpreis-Entgegennahme, einer tödlichen Bombenexplosion in einer Kirche und dem erniedrigenden Spießrutenlauf, den eine Afro-Amerikanerin (Produzentin Oprah Winfrey) durch einen Wahlbeamten erfährt, vermittelt DuVernay elegant und eindringlich das gesellschaftspolitische Klima der damaligen Zeit. Um auf die Ungerechtigkeit bei der Wahlpraxis aufmerksam zu machen, organisieren MLK und seine Berater einen Protestmarsch von Selma in die Staatshauptstaat Montgomery. Bei ihrem ersten Versuch kommen sie nicht weiter als über die Stadtbrücke, bevor sie von gewalttätigen Bundespolizisten brutal zusammengeknüppelt werden, was bildstark wie ein dunkler Todestraum illustriert wird.

Mitreißendes Historiendrama um den bedeutsamen Protestmarsch Martin Luther Kings

Doch die Medien sind präsent und die beschämenden Bilder gehen um die Welt. Nach diversen Komplikationen marschieren MLK und Scharen von schwarzen und weißen Anhängern schließlich in jeder Weise erfolgreich an ihr Ziel. Die politische Figur MLKs wird geschickt mit vertraulichen Vignetten balanciert, wie mit Ausschnitten aus seiner Ehe oder einer "Glaubensspritze" von Gospelphänomen Mahalia Jackson. So empfiehlt sich DuVernay mit einer stilvoll atmosphärischen und bewegenden Inszenierung, die beim nächsten Oscar-Rennen ganz vorne mit dabei sein dürfte. ara.

Kinostart: 19.02.2015