08.11.2014 08:00 radikales Drama

Mommy - Drama um eine alleinstehende Mutter und ihren gewalttätigen Sohn

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Mit dem Preis der Jury beim Festival de Cannes ausgezeichnetes radikales Drama von Xavier Dolan über eine außergewöhnliche Mutter-Sohn-Beziehung; (c) Weltkino

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Von: GFDK - kino.de

Mit dem Preis der Jury beim Festival de Cannes ausgezeichnetes radikales Drama von Xavier Dolan über eine außergewöhnliche Mutter-Sohn-Beziehung.

Das Mutter-Sohn-Verhältnis treibt Xavier Dolan seit seinem ersten Film um. Mit "I Killed my Mother" wollte er seine Mutter bestrafen, heute, fünf Jahre später, will er sie mit "Mommy" rächen, wie er sagt. Und es handelt sich nicht mehr um eine Pubertätskrise, sondern um eine existenzielle. Wenn er von seiner Mutter spricht, meint er "die Mutter" im Allgemeinen, die Frau, die Leben schenkt und ihre Kinder liebt, egal wie sie sind.

Ihren 15jährigen Sohn liebt auch Diane, genannt "Die", die laut und prollig durchs Leben stapft und nur möchte, dass Steve die Schule schafft und nicht wieder in einem dieser Heime für schwer erziehbare Kinder landet, die ihn nur noch aggressiver machen. Doch selbst zu Hause kann die Witwe ihn kaum bändigen, wie vom Himmel geschickt, taucht die traumatisierte und sprach gestörte Nachbarin auf, zu der der kaum zähmbare Junge Vertrauen fasst. In der Dreier-Gemeinschaft keimt Hoffnung auf ein Quäntchen Glück.

Die aus der Perspektive der Mutter erzählte Geschichte beginnt als schwieriges Miteinander im White Trash-Milieu, entwickelt neben der emotionalen Wucht eine unglaubliche Zärtlichkeit, wobei Ausbrüche von Hass und Liebe wechseln. Trotz dunkler Momente überrascht das Drama mit Licht und warmen Farben als Kontrapunkt zur alltäglichen Misere. Dolan vermeidet das Etikett von Losern, das man diesen Menschen gerne aufdrückt, beschreibt lieber ihre Gefühle und Träume und macht sie zu Gewinnern über widrige Umstände. Das Gefangensein ihrer selbst unterstreicht das enge und ungewöhnliche Leinwandformat 1:1, das die Gesichter quadratisch umrahmt und Nähe schafft. Fast tut es weh, die Protagonisten auf so begrenztem Raum zu sehen. Umso befreiender die Szene, in der sich das Bild öffnet bei einem sommerlichen Ausflug des Trios. Wenn Steve die Bildränder mit den Händen wegschiebt und quasi in ein neues und unbeschwertes Leben abhebt, ist der Atem lang vermisster Freiheit zu spüren. Bis die schnöde Wirklichkeit die Drei einholt und das Format wieder schrumpft.

Eins drauf setzt Dolan mit dem Soundtrack mit Songs von Dido, Oasis oder Céline Dion, die im Kontext mit André Turpins Bildern eine ganz neue Wirkung entfalten und Erinnerungen wecken. Das Zuschauerglück komplettieren die grandiosen Darsteller. Neben einer sexy und leicht ordinären Anne Dorval als überfordertes, aber kämpferisches Muttertier, die schon in "I Killed my Mother" auftrumpfte, steht als ausgleichendes Element die zurückhaltende Suzanne Clément. Kaum zu toppen ist Antoine-Olivier Pilon, der wie ein Tornado über die Leinwand rast, ungestüm, wild und verletzlich. mk.

Kinostart: 13.11.2014

Quelle: kino.de