07.07.2012 07:19 Der Mensch als größtes Monster von allen

Kinostart 5.7.: Sleep tight - Leiser, stilsicherer Psychothriller aus Spanien

Fotos: Senator + trailer

Von: kino.de - 6 Bilder

Nach "[Rec]" und seinem Sequel löst sich der Spanier Jaume Balagueró von den Konventionen des Horrorfilms und inszeniert einen leisen, stilsicheren Psychothriller.

César (Luis Tosar) arbeitet als Portier in einem Apartmenthaus in Barcelona, versieht ruhig und mit minimalem Aufwand seinen Dienst. Manchmal kümmert er sich um die durchfallgeplagten Hunde einer älteren Dame, von einem anderen Mieter muss er sich als faul und inkompetent beschimpfen lassen. César schweigt, duldet still. Er wartet auf den Moment der Rache.

Denn er weiß alles über die Bewohner im Haus, kennt ihre intimsten Geheimnisse. Besonders die der lebenslustigen Grafikerin Clara (Marta Etura). Ihre ewige gute Laune, ihre Freundlichkeit und Ausgelassenheit sind ihm ein Dorn im Auge.

Nach "[Rec]" und Sequel, seinen in Form und Erzählweise radikalen, auf grelle Schocks hin ausgerichteten Horrorfilmen, setzt Jaume Balagueró bei "Sleep Tight" auf die Gesetzmäßigkeiten des Thrillers, baut auf schleichende Angst und nervöse Unruhe. Ein farbloser Psychopath ist sein Held, ein Mann im Schatten, ein Mann ohne Eigenschaften, der seiner im Krankenhaus liegenden Mutter erzählt, dass er erst dann zufrieden sein wird, wenn alle anderen genauso unglücklich sind wie er.

So schleicht er sich tagtäglich in Claras Wohnung, betäubt die junge Frau mit Chloroform und legt sich zu ihr ins Bett. Später setzt er bei ihr Kakerlaken aus, nur um dann als hilfsbereiter Kammerjäger einzuspringen. Ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Maus sich ihrer Rolle gar nicht bewusst ist.

Immer wieder erzählt Pablo Rossos Kamera aus Césars Perspektive, in gedeckten, dunklen Farben sind die Bilder gehalten. Das Apartmenthaus gleicht einem Labyrinth, Lucas Vidals minimalistischer, an die Kompositionen John Carpenters erinnernder Score zerrt an den Nerven. Eine penetrante Schülerin durchschaut den Portier, versucht ihn zu erpressen.

Claras besorgter neuer Freund taucht auf, dann die Polizei. Nebenfiguren, die für zusätzliche Spannung sorgen. Im Prinzip bleibt der Film jedoch ein von Drehbuchautor Alberto Marini ("Romasanta - Auf den Spuren der Bestie") klug konstruiertes Zweipersonenstück, das vom extrem unterkühlten Tosar ("Montags in der Sonne") und der quirligen Etura ("Cell 211") getragen wird. Um Blicke geht es, um Gesten, um Beiläufigkeiten, die in einem echten Schock münden. Der Mensch als größtes Monster von allen. geh. Quelle: www.kino.de

 

Spanien 2011
Laufzeit: 101 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Luis Tosar
Marta Etura
Alberto San Juan

Regie: Jaume Balagueró
Verleih: Senator