15.05.2013 08:00 Viggo Mortensen, Soledad Villamil, Daniel Fanego

Kinostart 23.5.2013: "Jeder hat einen Plan" - Ana Piterbargs Regiedebüt ist ein fesselndes Identitätsdrama

Jeder hat einen Plan

Alles an Ana Piterbargs Kinoerstling ist ungewöhnlich, aber nichts davon aufdringlich - ein äußerlich unscheinbarer Trüffel für Cineasten. Bild 1-5 (c) Fox

Ana Piterbargs RegiedebütMit Viggo Mortensen, Soledad Villamil, Daniel FanegoIdentitätsdramaKinostart 23.5.2013
Von: GFDK - Kino.de - 5 Bilder

Imker Pedro war nie ein Menschenfreund, verkroch sich stets in einer einsamen argentinischen Sumpfgegend und besserte sein Gehalt mit Entführungen auf, die er zusammen mit seinen Komplizen Adrian und Ruben verübte. Nach einem Mord taucht er unter und sucht, unheilbar lungenkrebskrank, seinen Zwillingsbruder Agustìn auf, der unzufrieden als verheirateter Kinderarzt in der Stadt lebt. Dieser nutzt die Gelegenheit, den unsympathischen Pedro zu ertränken und kehrt unter dessen Identität in den Sumpf zurück. Ein höchst gefährliches Spiel.

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Alles an Ana Piterbargs Kinoerstling ist ungewöhnlich, aber nichts davon aufdringlich - ein äußerlich unscheinbarer Trüffel für Cineasten. Viggo Mortensen, der seine Kindheit in Argentinien verbrachte und bereits mehrfach in spanisch-sprachigen Produktionen auftrat, fügt sich in einer Doppelrolle nahtlos ein in das ärmliche Umfeld eines Sumpfes, der die Entbehrungen des Lebens in die Gesichter der Anwohner gezeichnet hat. Piterbarg verbindet Charakterstudie mit existenzialistischem Noir-Drama und psychologischem Suspense-Werk, das mit konstantem Unwohlsein und langsam auftürmender Bedrohung agiert, das Verhalten seines Protagonisten nie ganz erklärt und sich als Meditation über den menschlichen Hang zum Verbrechen erweist - und wie man sich ihm entgegenstellt.

Lakonisch und elliptisch begegnet die untertourige Regie dem unzufriedenen Kinderarzt Agustín, dessen Ehe am Streit über eine Adoption scheitert, und der, als ihn sein lange abwesender Zwillingsbruder Pedro unerwartet besucht, den tödlich Lungenkrebskranken in seiner Badewanne ersäuft, um dessen Identität anzunehmen. Es ist wohl nicht das Geld, das in kleinen Bündeln ständig die Runde macht, das ihn dazu bewogen hat, eher schon eine verzweifelte Flucht aus seinem Leben und die Suche nach einer zweiten Chance. Der Identitätstausch erweist sich als riskantes Spiel, denn der Imker, dessen junge Mitarbeiterin Rosa (Sofia Gala) schnell Verdacht schöpft, war in kriminelle Entführungen verwickelt. Agustín findet sich in einer ähnlich kalt-undurchsichtigen Menschenlandschaft wieder, wie sie auch "Winter's Bone" prägte und lässt sich mit zwei gefährlichen Komplizen ein. Die Polizei sucht Pedro wegen Mordes und foltert ihn, ein Mann will sich an ihm rächen und in dem heruntergekommenen Fleckchen belauert ihn jeder zunehmend misstrauisch.

Dennoch bedeuten die Zärtlichkeiten zwischen diesem "Sommersby" und der 21-jährigen Rosa einen Lichtstreifen in dem unterentwickelten Marschland, gefilmt in eingegrauten Farben, verbrauchten Kulissen und knappen Dialogen, die passgenau sitzen. Männer, besonders die Brüder, sind Grenzgänger ohne wirklichen Anschluss an andere. Für den verzagten Agustín bedeutet es eine schwere Prüfung, sich den drohenden Gewaltausbrüchen zu stellen. Anders als die innerlich reiferen Frauen hat er keinen Plan, sondern will einfach nur irgendwie leben, was, stilistisch dem französischen "Polar" verwandt, zu existenzialistischen Konflikten im Niemandsland führt. Diese lösen ein so leises wie mitfühlendes menschliches Drama aus, das symbolvoll davon erzählt, wie man aus dem Irrgarten, der einen gefangen hält, ausbrechen und das Böse abschütteln kann. tk. Quelle: kino.de

Regie: Ana Piterbarg

Cast:  Viggo Mortensen, Soledad Villamil, Daniel Fanego

Laufzeit: 118 min.

 

Weitere Links:

Fox:

http://www.fox.de/cinema/everbody_has_a_plan/13478/

 

Der Film kommt am 23.5.2013 in die Kinos. Im Verleih von Fox.