11.07.2013 08:00 Außergewöhnliche Regie von Benedek Fliegauf

Kinostart 18.7.2013: "Just the Wind" - Beklemmendes Drama über das Leben mit der Angst vor Rassismus

Just the Wind

Der Große Preis der Jury ging auf der Berlinale 2012 an das Drama "Csak a szél - Just the Wind" von Bence Fliegauf. Bild 1-4 (c) Peripher

Regie Benedek FliegaufKatalin Toldi, Lajos Sárkány, Gyöngyi LendvaiKinostart 18.7.2013
Von: GFDK - Kino.de - 4 Bilder

In einem ungarischen Dorf wird eine Roma-Familie ermordet. Niemand will etwas beobachtet haben, die Täter sind unerkannt entkommen. Der Verdacht richtet sich gegen eine andere Roma-Familie, die nahe dem Tatort lebt - aber das bleibt bloße Spekulation. Der Clan, dessen Vater in Kanada arbeitet, sieht sich mit rassistischen Anfeindungen konfrontiert und wird von der schweigenden Mehrheit des Ortes ausgegrenzt. Doch das Leben muss weitergehen, der Alltag bewältigt werden. Es bleibt nur die Hoffnung, dass der Wahnsinn irgendwann vorbeigeht - doch diese erweist sich als trügerisch.

Der Große Preis der Jury ging auf der Berlinale 2012 an die ungarisch-deutsch-französische Koproduktion "Csak a szél - Just the Wind" von Bence Fliegauf ("Womb"). Das auf Tatsachen beruhende, handwerklich perfekt gestaltete Rassismus-Drama, das von den Übergriffen gegen Roma erzählt, galt unter vielen Kritikern neben "Barbara" als Favorit auf den Hauptpreis. Dass es nun "nur" mit der zweitbesten Auszeichnung belohnt wurde, tut dem Werk keinen Abbruch.

Eines einzigen langen Tages Reise in die Nacht wird hier geschildert. Die Familie Lakatos ist erschossen worden. Grundlos. Angst geht unter den Sinti in dem kleinen ungarischen Dorf um. Doch das Leben muss weitergehen. So steht Birdy, eindringlich, mit Stolz und Würde gespielt von der überragenden Laiendarstellerin Katalin Toldi, im Morgengrauen auf. Sie weckt ihren Vater, bereitet ihm ein karges Frühstück. Dann rüttelt sie Teenagertochter Anna (Gyöngyi Lendvai) und die den kleinen Bruder Rio (Lajos Sárkány) wach. Diesen vier Personen wird die Kamera fortan wechselweise folgen.

Hautnah, nervös sind Zoltán Lovasis flirrende Sommerbilder, an den Nerven zerrt der rastlose Soundtrack. Die Stimmung ist gespannt. Die Roma haben Wachen aufgestellt, der Polizei misstrauen sie. Auch die Gesetzeshüter hassen sie. Ein Dialog zweier Polizisten verdeutlicht das: "Anständige Zigeuner zu töten, das versaut bloß die Botschaft." Die Antwort des Kollegen: "Nächstes Mal sagst du ihnen, welche Zigeuner sie erschießen sollen." Latente und sichtbare Gewalt allenthalben. Eine weiße Mitschülerin Annas wird auf der Toilette missbraucht, Birdy von einer Gruppe Männer grundlos herumgeschubst.

Nirgendwo herrscht Sicherheit. Der Wald, in dem die Roma-Familie in einer Hütte lebt, ist undurchdringlich. Bedrohlich pfeift der Wind. Blätter rauschen. Ein entlaufenes Schwein quiekt. Ein Trip ins Herz der Finsternis mit brillantem Tondesign. Klischees bleiben meist außen vor, keine Zigeunerseligkeit, keine wohlanständigen Bürger. Es gibt keine Erläuterung und auch keine Erlösung. Die Dinge nehmen einfach ihren Lauf. Wann passiert endlich etwas? Man wartet, bangt, hofft. Und wenn endlich Schüsse fallen, Mündungsfeuer aufblitzt, erschrickt man zu Tode. Selten ist Kino so nah am Puls der Zeit. geh. Quelle: kino.de

Regie: Benedek Fliegauf

Cast: Katalin Toldi, Lajos Sárkány, Gyöngyi Lendvai

Laufzeit: 98 min.

 

Pressestimmen und weitere Links:

Berlinale:

http://www.berlinale.de/de/archiv/jahresarchive/2012/02_programm_2012/02_Filmdatenblatt_2012_20123683.php

Peripherfilm:

http://www.peripherfilm.de/justthewind/

Arte:

http://videos.arte.tv/de/videos/_just_the_wind_von_bence_fliegauf--6412826.html

Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/kultur/berlinale-film-just-the-wind-in-der-hitze-dieses-tages/6220062.html

 

Der Film kommt am 18.7.2013 in die Kinos. Im Verleih von Peripher.