29.01.2013 08:00 Mit Hans-Jochen Wagner und Brigitte Hobmeier

Kinostart 14.2.2013: "Ende der Schonzeit" - Historisches Drama von Franziska Schlotterer um die Dreiecksbeziehung eines Bauernpaares und eines versteckten jüdischen Flüchtlings

"Ende der Schonzeit" - Historisches Drama von Franziska Schlotterer um die Dreiecksbeziehung eines Bauernpaares und eines versteckten jüdischen Flüchtlings

Bild 1-5 (c) Farbfilm

Von: GDFK - Kino.de - 5 Bilder

Ein junger Jude will 1942 über den Rhein in die sichere Schweiz und wird vom Bauern eines Schwarzwälder Einödhofs entdeckt und versteckt, im Gegenzug muss er hart arbeiten und sich anpassen, skeptisch betrachtet von der jungen Bäuerin. Als der Alte ihn bittet, an seiner Stelle mit seiner Frau einen männlichen Erben zu zeugen, nimmt der Flüchtling das unmoralische Angebot aus Überlebenswillen an. Bald zeigt das fragile Dreierkonstrukt Risse, werden alle zu Tätern und alle zu Opfern.

Ein Film über die Nazizeit, der ohne die üblichen Bilder das unmenschliche System des Dritten Reichs im Mikrokosmos eines Bauerhofs und eines Dorfes ansiedelt. Das Grauen kommt hier verstohlen und leise, aber nicht weniger erschütternd. Franziska Schlotterers reifes Regiedebut, eine Tragödie um Moral und Schuld aus dem Jahre 1942, handelt vom schmalen Grat zwischen Gut und Böse und zieht dabei den Bogen zur Gegenwart.

Ein junger Jude will über den Rhein in die sichere Schweiz und wird vom Bauern eines Schwarzwälder Einödhofs entdeckt und versteckt, im Gegenzug muss er hart arbeiten und sich anpassen, skeptisch betrachtet von der jungen Bäuerin. Als der Alte ihn bittet, an seiner Stelle mit seiner Frau einen männlichen Erben zu zeugen, nimmt er das unmoralische Angebot an. Bald zeigt das fragile Dreierkonstrukt Risse, werden alle zu Tätern und alle zu Opfern.

Subtil zeichnet das Drama die Auswirkungen politischer und gesellschaftlicher Machtstrukturen auf den Einzelnen, wenn das Bauernpaar den Flüchtling ausnutzt, der aus verletztem Stolz verraten wird und sich nach Ende der Hitlerdiktatur an der Enttäuschten bitter rächt. Brigitte Hobmeier gibt eine brillante Performance als verhärmte Ehefrau, die durch den Fremden ungewohnte Zärtlichkeit und unbekannte sexuelle Lust erfährt, Hans-Jochen Wagner spielt den knorrigen Gatten nicht als eindimensionalen Klotz, sondern als jemand, der seine verletzbare Seite verbirgt, und Christian Friedl als Verfolgter hält genau die Waage zwischen berechnender Überlebensstrategie und Unschuld. Man muss für niemanden Sympathie empfinden, aber kann die Nöte verstehen.

Gelungen ist der Kniff, die Geschichte durch Rückblenden zu erzählen, die Zeitebenen von Vergangenheit und Gegenwart durch die Tragik einen jungen Mannes zu verbinden, der seinen leiblichen Vater in Israel sucht und auf Sprachlosigkeit stößt, die erst am Ende aufgebrochen wird. Versöhnung und Verzeihung sind möglich. mk. Quelle: kino.de

Regie: Franziska Schlotterer

Cast: Hans-Jochen Wagner, Brigitte Hobmeier, Christian Friedel

Laufzeit: 100 min.