10.06.2013 08:00 Geschicktes Spiel mit Tönen

Kinostart 13.6.2013: "Berberian Sound Studio" - Verschlungener Psychothriller des Musikers Peter Strickland mit Toby Jones und Tonia Sotiropoulou

Berberian Sound Studio

Indem der Regisseur den Fokus auf die Tonspur legt, entsteht eine ganz eigene Art Film. Bild 1-5 (c) Rapid Eye Movies

Regie Peter StricklandToby Jones, Tonia Sotiropoulou, Susanna CappellaroPsychothrillerKinostart 13.6.2013
Von: GFDK - Kino.de - 5 Bilder

1976 übernimmt der britische Tontechniker Gilderoy einen Job in dem heruntergekommenen Berberian Sound Studio in Italien. Dort werden vorzugsweise billig gemachte Horrorschocker vertont, und genau so einen Film soll der schüchterne Brite für den Regisseur Santini bearbeiten. Allerdings kommt Gilderoy mit seinem hitzköpfigen Auftraggeber nicht zurecht. Und je länger er sich mit kreischenden Schauspielerinnen und dem brutalen Sound zerhackter Kohlköpfe konfrontiert sieht, desto mehr scheinen Realität und Fiktion zu verschwimmen.

Filme im Kino

Verstörend und verwirrend, aber auch höchst faszinierend ist das, was der britische Musiker Peter Strickland mit seiner zweiten Regiearbeit auf die Leinwand gezaubert hat. Sie wirkt wie ein Experiment, ein Film, den man auch mit geschlossenen Augen - fast wie ein Hörbuch -wahrnehmen könnte, denn was vor der Kamera passiert - die exzellenten Schauspieler mögen es verzeihen - ist im Prinzip Nebensache. Wichtig ist, was auf Tonebene geschieht, und da geht jede Menge vor sich in "Berberian Sound Studio". Denn der Protagonist, der britische Tontechniker Gilderoy (perfekt für die Rolle: der englische Charaktermime Toby Jones), sitzt den überwiegenden Teil der Handlung in einem düsteren Raum voller altertümlicher Gerätschaften und versucht, die richtigen Töne für einen furchtbar blutigen Horrorfilm zu finden. Bilder davon bekommt der Zuschauer jedoch nicht zu sehen, er hört nur kreischende Frauen und das Geräusch von Äxten oder ähnlichen Mordinstrumenten, die sich in menschliche Leiber bohren. Doch dies wird lediglich suggeriert, denn Gilderoy, ein Meister der akustischen Täuschung, erzeugt diese bizarren Klänge, in dem er aufnimmt, wenn Kohlköpfe zermalmt oder Wassermelonen zerhackt werden. Doch je länger sich der schüchterne Brite in diesem seltsamen italienischen Sound Studio so fern der Heimat befindet und je mehr ihn sein hitzköpfiger Auftraggeber mit absurden Vertonungs-Forderungen in die Enge treibt, desto weniger gelingt es ihm, Realität und (Alb-)Traum voneinander zu unterscheiden.

Strickland macht keinen Hehl daraus, dass er die blutrünstigen Horrorstreifen eines Mario Bava oder Dario Argento aus der legendären Giallo-Ära genauestens gesichtet hat. Gleichzeitig outet er sich als Fan der Frühwerke von Roman Polanski, etwa "Ekel" oder "Der Mieter", und schließlich fügt er dem Ganzen noch eine kräftige Prise Mysteriös-Entrücktes hinzu, wie man es am ehesten aus dem Oeuvre von David Lynch kennt. Doch Strickland kopiert nicht, er interpretiert allenfalls, und indem er sich ganz auf die Tonspur fokussiert, entsteht ein völlig anderer, eigener Film. Das mag visuell vielleicht nicht immer funktionieren, die Bilder sind statisch, die Inszenierung kammerspielartig - doch so entsteht viel Raum für die eigene Fantasie des Betrachters. "Berberian Sound Studio" ist auch deshalb ein typischer Festivalfilm, und zwar durchaus ein erfolgreicher, der sich die Kinoauswertung redlich verdient hat. lasso. Quelle: kino.de

Regie: Peter Strickland

Cast: Toby Jones, Tonia Sotiropoulou, Susanna Cappellaro

Laufzeit: 92 min.

FSK: 12

 

Pressestimmen:

Dradio:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/2136803/

Welt:

http://www.welt.de/videos/article116942928/Berberian-Sound-Studio-passt-in-keine-Schublade.html

Guardian:

http://www.guardian.co.uk/film/movie/148212/berberian-sound-studio

 

Der Film kommt am 13.6.2013 in die Kinos. Im Verleih von Rapid Eye Movies.