08.07.2012 07:38 eine unverhofftest erbe verhilft zum neuanfang

Kinostart 12.7.: Das Haus auf Korsika - Belgisches Drama um die Selbstfindung einer 30Jährigen

Fotos: Schwarz-Weiss (Filmagentinnen) + trailer

Von: kino.de - 6 Bilder

So richtig schön ist es nicht im belgischen Charleroi und schon mal gar nicht, wenn eine junge Frau wie Christina nach dem Studium keinen Job findet und in der Pizzeria ihres Fast-Schwiegervaters als Kellnerin ihre Brötchen verdient, angepasst und ohne Zukunft. Seit zehn Jahren ist sie wie ein altes Ehepaar mit Pascal zusammen. Wenn sie nackt aus der Dusche kommt, ist ihm das keinen Blick mehr wert. Die nicht gerade aufregende Beziehung könnte endlos so weitergehen, wenn ihr die Oma nicht unerwartet ein Haus auf Korsika vererbt hätte. Schnell verscherbeln, raten Freunde und Familie. Doch einem inneren Impuls folgend, macht sie sich auf in den Süden, um das Erbe in Augenschein zu nehmen und findet ein ziemlich heruntergekommenes Gebäude in einer abgelegenen Berggegend. Aus dem Bauch heraus entscheidet sie sich, das Haus bewohnbar zu machen und weit weg von der italienischen Kolonie in der grauen Bergarbeiterstadt einen Neuanfang zu wagen und auf eigenen Füßen zu stehen.

Im Mittelpunkt des ersten Spielfilms von Pierre Ducolot, der selbst aus der Region um Charleroi stammt, stehen Generationenkonflikt, Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung. Sehr langsam startet die Suche nach der Geschichte der Großeltern und damit nach der eigenen Identität, die Sprödigkeit der Hauptfigur (Christelle Cornil) und ihre Unberechenbarkeit erschweren anfangs den Aufbau von Nähe. Aber wie sie dann ihr geordnetes Dasein wie eine alte Haut abwirft und plötzlich Gefühle zulässt, sich traut, ins kalte Wasser des Lebens springen, das rührt dann doch.

Der frühere Lehrer, Journalist und Produzent von Spiel- und Dokumentarfilmen zeigt Korsika nicht als Postkartenidylle oder sonnige Touristeninsel mit fröhlicher Folklore, sondern als schroffe Bergwelt im Winter, wo in den entlegenen Dörfern nur noch ein paar Alte ausharren, die der neuen Nachbarin freundlich aber distanziert begegnen. Der schwierige und gleichzeitig befreiende Prozess der Selbstfindung schrammt manchmal knapp am Klischee entlang, wenn sich die Städterin nicht nur in die Landschaft, sondern auch in den äußerst attraktiven Schäfer verliebt, süße Lämmchen einfängt und große Augen bei der Käseherstellung macht. Aber da ein typisches Happy End ausbleibt, vergisst man diese Schnitzer angesichts großartiger Landschaftsaufnahmen und gelungener Personenzeichnung schnell. mk. Quelle: www.kino.de

 

Belgien 2011
Laufzeit: 82 Min.

Christelle Cornil
François Vincentelli
Marijke Pinoy

Regie: Pierre Duculot
Verleih: Schwarz-Weiss (Filmagentinnen)