03.06.2015 08:00 stalinistische Sowjetunion

Kind 44 - über einen KGB-Agenten, der eine Mordserie an Kindern untersucht

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"Es gibt kein Verbrechen im Paradies", propagiert die Partei, während in Stalins Diktatur millionenfach gefoltert; (c) Concorde

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Von: GFDK - Concorde/kino.de

In der Verfilmung des ersten Buchs von Tom Rob Smiths Bestsellertrilogie ist die stalinistische Sowjetunion Jagdgebiet eines Serienmörders.

Kind 44 demnächst im Kino

"Es gibt kein Verbrechen im Paradies", propagiert die Partei, während in Stalins Diktatur millionenfach gefoltert, interniert oder hingerichtet wird. Diese zynische Propaganda-Maxime macht die Ermittlungen bei der Aufklärung von 44 Kindermorden systemgefährdend, während das düstere Porträt eines Landes gezeichnet wird, das angesichts des Ukraine-Konflikts aktuelle Brisanz erhält.

Die Ukraine spielt auch eine tragende Rolle für die erzählte Geschichte. Denn in den Hungersnöten der frühen 1930er Jahre, die das Sowjet-Regime zur Brechung ukrainischen Widerstands forcierte, liegt die Keimzelle für zwei ruinierte Leben - für die Geburt eines Triebtäters und eines linientreuen Offiziers. Leo Demidow (Tom Hardy), ein ukrainisches Waisenkind, hat sich 1953 zu einem mächtigen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit empor gedient. Doch seine Unantastbarkeit ist so illusionär wie seine Ehe mit Raissa (Noomi Rapace), deren Glücksfassade schnell aufgebrochen wird.

Die Hintergründe werden im Verlauf der Handlung enthüllt, die mit der Verhaftung eines vermeintlichen Verräters eine tragische Wende erfährt. Als der Mann unter Folter Raissa als Spionin denunziert und Leo sich zu ihr bekennt, wird das Paar in eine von industrieller Tristesse dominierte Provinzstadt deportiert. Hier wird die Leiche eines grausam misshandelten Jungen gefunden, hier stellt der degradierte Geheimpolizist die Bezüge zu 43 anderen Todesfällen her, die Unschuldigen in die Schuhe geschoben oder als Unfälle deklariert wurden.

Es gibt kein Verbrechen im Paradies

Die Ermittlung des Täters und die ebenso etwas holprige Jagd auf ihn, die im nicht ausgereiften Finale für Spannung sorgt, ist ein wichtiger, aber nicht der zentrale Aspekt in dieser Ridley-Scott-Produktion. Der Fokus liegt in der Zeichnung eines oppressiven Systems, in dem Angst das Leben lähmt. Mit düsteren Bildern und klaustrophobischen Perspektiven, den wilden menschlichen Tieren, die die Protagonisten attackieren, der Brutalität eines Massenmörders, die der des Regimes, verdichtet in einer Hassfigur (Joel Kinnaman), gegenübergestellt wird, ist dieser Thriller-Drama-Mix von Daniel Espinosa ("Safe House") keine leichte, aber lohnende Kost. Den Himmel muss man suchen, doch am Ende kann man ihn finden. Wenn eine Liebe, die bisher nur Behauptung war, und mit ihr eine Familie berührend geboren werden. kob.

Kinostart: 04.06.2015