02.07.2012 07:53 kurzweiliger Culture-Clash von Spießertum und Gegenkultur

Jetzt im Kino: Wanderlust - Der Trip ihres Lebens. Freizügige Komödie mit Jennifer Aniston

Fotos: Universal

Von: kino.de - 6 Bilder

Erfrischende Komödie um ein New Yorker Pärchen, das in einer Hippie-Kommune über die Tücken der freien Liebe stolpert.

Im Kern schält sich daraus eine Beziehungskomödie, die auf herzliche Art kittet, was sie an Scherben produziert. Eingebettet ist das in einen kurzweiligen Culture-Clash von Spießertum und Gegenkultur. Hier werden Lebensentwürfe von Konsumismus bis Kommune mit gut aufgelegtem Sitcom-Humor, satirischen Seitenhieben, liebenswerten bis bösen Karikaturen und auch ordentlichem Klamauk überaus pointiert glossiert. Es gibt nur gelegentliche Gross-Out-Ausfälle, in denen Peinlichkeiten explizit ausgewälzt werden, in dem Spaß von Judd Apatow, der als Produzent seinen Regie-Schüler David Wain ("Vorbilder?!") sowie Stammdarsteller Paul Rudd ("Jungfrau (40), männlich, sucht ...") anleitet.

Letzterem lässt Jennifer Aniston ein wenig den Vortritt, weil es, wie immer im Apatow-Universum, die emotional unreifen Männer sind, um deren Unzulänglichkeiten sich die Gags entspinnen. Das New Yorker Yuppie-Pärchen George (Rudd) und Linda (Aniston) hat gerade ein schuhschachtelgroßes "Micro-Loft" in Manhattan erstanden, als ein Horror-Tag im Büro - u.a. scheitert Linda mit einer Naturdoku über hodenkrebskranke Pinguine grandios bei HBO - George den Job und beide das Apartment kostet. Auf der Fahrt zu Georges Bruder Rick in Atlanta nächtigen sie in einem als Bed & Breakfast getarntem Hippie-Paradies namens Elysium, in das sie zurückkehren, als sich Rick (Ken Marino, der mit Wain am Drehbuch schrieb) als rüpelhafter Haustyrann der übelsten Sorte erweist.

Mit einem Haufen Exzentriker, als schillernde Charaktere treffend skizziert, probieren die Gescheiterten nun alternative Lebensentwürfe. Doch Nudisten-Schriftsteller, lustige Drogentrips mit weinenden Grasbüscheln, Toiletten ohne Türen, Bullhorn-Blasen, Seelen-Striptease-Runden und die Tücken der freien Liebe überschreiten die Toleranzgrenzen des Spießers George, derweil sich Linda damit anfreundet. Wain skizziert noch jeden der freundlichen Freaks in diesem Selbsterfahrungskurs ohne Gurt als überaus menschlich, während er für George einen wahren Fettnäpfchen-Parcours aufstellt. Herrlich verschmitzt und ehrlich kommentiert das Geschehen die menschliche Natur, zeigt charmant den Egoismus hinter dem Pfad der Tugend und wie rasch man für eine Handvoll Dollar seinen Traum verrät. Dieser - immer wieder sehr freizügige - Feel-Good-Trip bewahrt sich letztlich eine konservative Moral, zu der er sich aber sehr sympathisch bekennt.  tk. Quelle: www.kino.de

 

USA 2011
Laufzeit: 98 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Paul Rudd
Jennifer Aniston
Justin Theroux

Regie: David Wain
Verleih: Universal