27.10.2014 08:00 Verdrängen, vergessen, vertuschen

Im Labyrinth des Schweigens - packendes Drama um einen engagierten jungen Anwalt

Im Labyrinth des Schweigens drama

Packendes Drama um einen engagierten jungen Anwalt, der im Deutschland der Fünfzigerjahre gegen einen ehemaligen Auschwitz-Wärter, der mittlerweile im Schuldienst tätig ist, ermitteln will; (c) Universal

Im Labyrinth des Schweigens kinoIm Labyrinth des Schweigens filmkino aktuellfilm aktuelldrama aktuell
Von: GFDK - kino.de

Gegen alle Widerstände kämpft ein junger Staatsanwalt in den 1950er Jahren für Wahrheit und den ersten Auschwitz-Prozess.

Verdrängen, vergessen, vertuschen. Drei Begriffe, die den Umgang mit den Untaten des Dritten Reichs Ende der 1950er Jahre beschreiben. Das Nachkriegsdeutschland will nach vorne blicken, Petticoat und Rock'n'Roll repräsentieren die Zeichen der neuen Zeit. Dass die alte Zeit aber unter der Oberfläche gärt und die alten Seilschaften noch funktionieren, das wird dem jungen Staatsanwalt Johann Radmann schmerzlich bewusst. Als er sich gegen den Willen seiner Vorgesetzten mit dem Fall eines Auschwitz-Überlebenden beschäftigt, der in einem Lehrer seinen ehemaligen Aufseher erkannt hat, stößt er auf eine Mauer des Schweigens. Nur der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer unterstützt ihn. Je mehr er sich mit der brisanten Materie beschäftigt, um so mehr fixiert er sich auf die Suche nach Wahrheit, verliert sich dabei in einem Netz aus Schuld und Lügen. Auch die Liebe leidet unter seinem Engagement.

Giulio Ricciarelli zeichnet den Wendepunkt im Umgang mit Geschichte, wenn es aufgrund von Radmanns Initiative zum ersten Auschwitz-Prozess kommt. Es geht im Film, wie auch Bauer betont, nicht unbedingt darum, prominente Nazi-Funktionäre hinter Gitter zu bringen, sondern darum, der Bevölkerung zu zeigen, dass die Gräueltaten von "ganz normalen Menschen" begangen wurden, nicht von wenigen Monstern. Die emotional packende Story ist fiktiv, spielt aber vor historisch wahren Hintergrund. Die Hauptfigur entstand aus der Verdichtung dreier damaliger, die Ermittlung durchführender Staatsanwälte, die Figur des Generalstaatsanwalts gab es dagegen, wie auch den Journalisten, der die Sache ins Rollen brachte. "Wir hatten doch keine Wahl", dieser Spruch gilt als Entschuldigung, man will keine alten Wunden aufreißen.

Fast wie ein Krimi entspinnt sich die Handlung, in deren Verlauf auch Horrorarzt Dr. Mengele unbehelligt nach Deutschland ein- und wieder ausreist. Die zweijährige sorgfältige Drehbuchentwicklung schlägt sich auf der Leinwand nieder wie die akribische Recherche, es zählt historische Genauigkeit, ganz besonders in der Ausstattung. Beim Innenleben der Figuren erlaubten sich die Macher erzählerische Freiheiten, lockern den Stoff durch Humor auf. Dass nicht einfach die Gerichtsprotokolle verfilmt wurden, sondern der beschwerliche Weg zu dem Prozess, entpuppt sich als guter Kniff, Empathie und Interesse zu wecken, zumal die Hauptfigur - deren spannende Entwicklung man gebannt verfolgt - in ihrem Schwarz-Weiß-Denken nicht durchgehend sympathisch gezeichnet wird. Exzellent ist auch das Schauspielensemble, angeführt von AlexanderFehling und Theaterlegende Gert Voss. mk.

Quelle: kino.de

Kinostart: 06.11.2014