08.11.2018 07:21 Die Fehler haben System

Gerichtsurteile die das Leben zerstören - Das soll Recht sein?

Staatsanwaelte und Richter hatten einen absoluten Verurteilungswillen

Staatsanwälte und Richter hatten einen absoluten Verurteilungswillen. Foto: Bundesregierung

Von: GFDK - Filme - Kino und TV

ARD-Themenwoche "Gerechtigkeit": Das soll Recht sein? Umstrittene Urteile mit Ingo Zamperoni am 12.11.2018, 22:00 Uhr, NDR Fernsehen.

Ein neues Format im NDR Fernsehen aus Anlass der ARD-Themenwoche "Gerechtigkeit".

Eine grundlose Beschuldigung kann ein ganzes Leben zerstören. Ingo Zamperoni diskutiert mit vier norddeutschen Schöffen einen spektakulären Prozess mit überraschenden Wendungen.

Im Sommer 2001 beschuldigt die Nachbarstochter den 38-jährigen Ralf Witte, sie mehrfach vergewaltigt zu haben. Witte wird verhaftet und zwei Jahre später in einem spektakulären Prozess zu zwölf Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Obwohl Witte die Vorwürfe abstreitet und Alibis für die angeblichen Tatzeiten vorlegen kann, glaubt das Gericht der 15-Jährigen. Obwohl keinerlei DNA-Spuren gefunden wurden und eine medizinische Untersuchung die Jungfräulichkeit des Mädchens feststellte hatten, haben zwei Gutachter im Verfahren erklärt, Jennifer W. sei „absolut glaubwürdig“.

In einem Wiederaufnahmeverfahren gelingt es dem Hamburger Anwalt Johann Schwenn, die Unschuld seines Mandanten zu beweisen. Welche Rolle spielen die Gutachter? Die Staatsanwälte und die Richter. Wie wirkt sich das laute Auftreten des Angeklagten vor Gericht aus? Und kann man nach einem solchen Erlebnis wieder zurück in den Alltag finden?

Ralf Witte schriebt auf seiner Webseite: „Im Namen des Volkes“

wurde ich zu zwölf Jahren und acht Monaten Gefängnis wegen Vergewaltigung verurteilt! Ich war unschuldig, aber das Landgericht Hannover hat die erfundenen Geschichten eines Mädchens geglaubt. Meine Unschuldsbeteuerungen und die Argumente meines Anwalts hätten das Gericht überzeugen müssen, aber dieses hatte einen absoluten Verurteilungswillen.

Die Zweite Jugendkammer des Landgerichts und die Staatsanwaltschaft Hannover hätten erkennen müssen, dass diese Vorwürfe völlig aus der Luft gegriffen waren. Die Staatsanwältin hätte ebenfalls feststellen müssen, dass Jennifer W. ihr eine erfundene Geschichte erzählte. Der damalige Richter (bis 2004) und die beisitzenden Richterinnen (heute Vorsitzende) haben ganz bewusst Entlastungszeugen nicht zugelassen.

Der Anwalt von Jörg Kachelmann, Johann Schwenn schreibt auf "ZEIT-Online" wie es zu diesen Urteilen kommen kann. Das alles sind keine Einzelfälle. Die Fehler haben System.

Besserung ist nicht in Sicht. Der Staat will es nicht wissen. Nur für Strafverschärfungen lassen sich Abgeordnete gewinnen und die Medien sowieso.

Wird ein Fehlurteil bekannt – taugliche Statistiken gibt es nicht –, hält der Schrecken allenfalls für ein paar Tage. Die Justiz denkt immer an die Opfer – bloß die eigenen, die vergisst sie.

Das NDR Fernsehen zeigt zwei weitere Folgen "Das soll Recht sein?":

Dienstag, 13.11. und Mittwoch, 14.11.2018, jeweils 22.00 Uhr.