19.07.2014 08:50 Sozialdrama

"Feuerwerk am helllichten Tage" - Film Noir aus dem Norden Chinas

Film Feuerwerk am helllichten Tage Abendessen

Zwischen Serienkillerthriller und Sozialdrama bewegt sich dieser lakonisch und kunstvoll erzählte Film Noir aus dem Norden Chinas. ©

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Von: Weltkino

Zwischen Serienkillerthriller und Sozialdrama bewegt sich dieser lakonisch und kunstvoll erzählte Film Noir aus dem Norden Chinas. Mit zwei Bären, dem goldenen für den besten Film und den silbernen für den besten Darsteller, war der Wettbewerbsbeitrag von Diao Yinan der große Gewinner bei der Berlinale 2014. Held (gespielt vom prämierten Liao Fan) ist ein Polizist, der in einer grauenhaften Mordserie, Leichenteile werden in der Kohleverarbeitung in der ganzen Provinz verstreut gefunden, ermittelt und dem Alkohol verfällt, nachdem Kollegen von ihm getötet werden. Die Szene des folgenschweren Schusswechsel mit zwei Verdächtigen erinnert in ihrer Lakonie und Absurdität an Aki-Kaurismäki-Filme. Passagen mit trockenen, skurrilen Humor wie diese gibt es diverse, sie sind jedoch nur zurückhaltende Auflockerung und Lichtblicke im düsteren, oft nächtlichen, nur von Laternen oder Schnee beleuchteten Geschehen in einer Industriestadt, in dem Abgaswolken über den Winterhimmel ziehen.

Besonders virtuos gefilmt ist eine Fahrt durch einen Tunnel ohne Schnitt, die von Sommer 1999 in den Schneewinter 2004 führt, wo der inzwischen als Wachmann sich verdingende Held nach dem neuerlichen Fund von Leichenteilen die Ermittlungen auf eigene Faust und unterstützt von einem ehemaligen Kollegen wieder aufnimmt. Unter Verdacht steht die Frau des ersten Opfers, die eine besonders abgebrühte schwarze Witwe oder tragisches Opfer sein könnte. Der Ex-Polizist heftet sich an ihre Fersen, beginnt eine Affäre mit ihr. Wunderbar gefilmt ist eine Szene, in der die beiden eislaufen, dabei fast schweben und schließlich die Bahn verlassen.

Die angedeutete Romantik findet bald ein Ende, als der Killer mit der Schlittschuhkufe blutig zuschlägt. Wohl dosierte, aber sehr effektive Gewalteruptionen gehören zum geschickt und originell eingesetzten Repertoire. "Black Coal, Thin Ice" ist mehr als ein reiner Genrefilm, nimmt er doch seine Figuren und ihre Gefühle ernst - sie sind nicht nur verlorener Held und femme fatale - und zeichnet er gleichzeitig ein einprägsames Bild einer Gesellschaft, in der Mitgefühl Mangelware ist, vieles für nur ein bisschen Reichtum geopfert wird. hai.

Kinostart: 24.07.2014

Quelle: kino.de