18.07.2015 13:51 Spielfilmdebüt von Andrea Di Stefano

Escobar - Paradise Lost - Krimidrama über einen jungen Amerikaner

Escobar  Paradise Lost kino

"Onkel Pablo" könnte das Spielfilmdebüt von Andrea Di Stefano heißen; (c) Alamode (Filmagentinnen)

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Von: GFDK - Alamode (Filmagentinnen)/kino.de

"Onkel Pablo" könnte das Spielfilmdebüt von Andrea Di Stefano heißen, liefert es doch eine Innenansicht des "König des Kokains", den Benicio Del Toro brillant zum Leben erweckt.

Escobar - Paradise Lost demnächst im Kino

Wogende Palmen, rauschendes Meer. Eine Idylle. Die kanadischen Brüder Nick und Dylan sind an der kolumbianischen Küste gestrandet, nahe Medéllin wollen sie sich den Traum von einer eigenen Surfschule erfüllen. Nick verliebt sich in Maria, die sich auf Werbetour für ihren Onkel befindet, der ein öffentliches Amt anstrebt. Dieser ist niemand geringerer als der Drogenbaron Pablo Escobar, der den jungen Mann bald in seine "Hütte", ein luxuriöses Urwaldanwesen, einlädt. Als er erfährt, dass lokale Ganoven den Brüdern das Leben schwer machen, verspricht er "die Dinge zu regeln".

Über zwanzig Jahre sind seit dem Tod von Escobar vergangen, vergessen ist er nicht. Kokainhandel machte ihn zum Milliardär, Hunderte von Toten werden ihm zugeschrieben. Dennoch wird er in seiner Heimat immer noch von vielen - auch wegen seiner kurzen Politkarriere als Kongressabgeordneter - als "paisa Robin Hood" verehrt, als Mann des Volkes, der auf seine ganz eigene Art für Gerechtigkeit sorgte. "Escobar - Paradise Lost" ist ein schauriges (Kriminal-)Drama, ein schleichender Thriller, der auf Tatsachen basiert, und der aus der Perspektive des reichlich naiven Nick, der mit "Die Tribute von Panem"-Star Josh Hutcherson gut besetzt ist, erzählt wird.

Eine Art "Escobar privat" liefert der in Rom geborene, am New Yorker Actor's Studio ausgebildete Andrea Di Stefano in seinem Kinoerstling, er interessiert sich eher für den Familienmenschen als den notorischen Verbrecher. Mit differenziertem Spiel weckt der einschlägig vorbelastete Oscar-Preisträger Benicio Del Toro ("Traffic - Macht des Kartells") den monomanen Gangster zum Leben, geschickt mixt der Filmemacher nach eigenem Skript Fakten mit Fiktion. Langsam baut er die Spannung auf, allmählich zeigt Escobar sein wahres Gesicht, immer brutaler geht er gegen seine (vermeintlichen) Widersacher vor - und macht schließlich auch vor der eigenen Familie nicht halt.

Korruption, Gewalt und Blutvergießen

Das pittoreske (Paradies-)Setting, in satten Grün- und Brauntönen von Luis Sansans fotografiert, steht im harten Kontrast zur immer dunkler werdenden Story. Die solide umgesetzte Action steigert sich zum Filmende hin, etwas unentschlossen bleibt die Liebesgeschichte, weil sich die Faszination Nicks für die formschöne Maria (Soap-Star Claudia Traisac) nicht wirklich erschließt. Ein ambitioniertes Debüt, eine sauber umgesetzte Genrearbeit, getragen vom charismatischen del Toro. geh.

Kinostart: 09.07.2015