22.03.2015 08:00 von Francois Ozon

Eine neue Freundin - Tragikomödie um die ungewöhnliche Beziehung einer Frau zu einem Witwer

Eine neue Freundin  kino

Überraschungen sind bei François Ozon vorprogrammiert, immer gelingt es ihm mit leichter Hand, aus einem bekannten Thema doch noch etwas Neues herauszuholen; (c) Weltkino

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Von: GFDK - Weltkino/kino.de

In einem vibrierenden Spiel mit Identitäten macht François Ozon Romain Duris zur ultimativen Shopping Queen.

Eine neue Freundin demnächst im Kino

Überraschungen sind bei François Ozon vorprogrammiert, immer gelingt es ihm mit leichter Hand, aus einem bekannten Thema doch noch etwas Neues herauszuholen. So wird hier die Inszenierung eines Mannes mit dem inneren Drang, Frauenkleider zu tragen zur gekonnten Inszenierung von Weiblichkeit. Was ihn interessiert, sind die Konsequenzen, die dieses Verhalten hervorruft, bei Freunden, Familie und Gesellschaft. Bei der Beerdigung ihrer besten Freundin Laura verspricht Claire, sich um den Witwer und das Baby zu kümmern. Wer nun in alter Manier ein Verhältnis zwischen den beiden erwartet, liegt falsch.

Claire entdeckt bei einem spontanen Besuch, dass sich David als Frau anzieht, während er dem Baby die Flasche gibt. Erst ist sie geschockt und hält ihn für pervers, dann glaubt sie an eine Art von Trauer, wenn er die Kleider der Verstorbenen anzieht, bis die mit einem Langweiler Verheiratete merkt, welch ein immenses Vergnügen es ihm macht, seiner geheimen Passion zu frönen und an ihrer Seite als "Virginia" über die Straße zu stöckeln. Bald entwickelt sie eine Faszination für die Doppelfigur und Verständnis für deren Wünsche. Ozon sucht nicht nach Erklärungsmustern, zeichnet die Lust am Cross-Dressing in größter handwerklicher Perfektion und den Identitätswechsel ohne jeglichen Voyeurismus oder Peinlichkeit, verknüpft Komödie und Drama, schaut hinter die bürgerliche Fassade und spürt verbotene Wünsche auf.

Der sehr lose auf Ruth Rendells Kurzgeschichte "The New Girlfriend" basierende Film erzählt auf erfrischende Weise und mit Humor von einem Befreiungsschlag - von David, der seine Heterosexualität, aber auch seine überspitzte Weiblichkeit ausleben will, von Claire, die aus ihrer Spießigkeit ausbricht und ebenfalls eine Wandlung durchmacht, äußerlich und innerlich.

Überraschungen sind bei François Ozon vorprogrammiert

 

Optimal ist die Besetzung. Romain Duris mit knallroten Fingernägeln, blonder Perücke und High Heels als Schopping-Queen und Anaïs Demoustier, die ihre Neurosen abwirft und zu ihrem Verlangen steht, sind ein liebenswertes und vielleicht auch verrücktes Duo. Wichtig war Ozon, die Akzeptanz von Andersartigkeit jenseits von Geschlechterdefinitionen. Dazu passt das fast märchenhafte Ende. Wenn sich die kleine, vielleicht etwas ungewöhnliche Familie entfernt, erfüllt sich ohne großes Statement eine kleine Utopie. Alles ist möglich. mk.

Kinostart: 26.03.2015