12.12.2014 08:00 endlos faszinierend

Die Wolken von Sils Maria - faszinierende Psychostudie über eine ältere Schauspielerin

Die Wolken von Sils Maria

Die Dynamik der beiden weiblichen Hauptfiguren in dem Theaterstück "Maloja Snake" spiegelt sich unmittelbar in der Beziehung zwischen der etablierten Schauspielerin Maria Enders und ihrer persönlichen Assistentin Val; (c) NFP (Filmwelt)

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Von: GFDK - NFP/kino.de

Faszinierende Psychostudie über eine ältere Schauspielerin, die sich bei der Arbeit an einem Theaterstück mit ihrem jüngeren Selbst konfrontiert sieht.

Die Wolken von Sils Maria demnächst im Kino

Zum dritten Mal nach "Irma Vep" und "Clean" taucht Olivier Assayas, der modernste und beweglichste unter den aktuellen französischen Filmemachern, ein in die Welt der Kreativen, mit einer Liebeserklärung an die Kunst des Schauspiels und den kreativen Prozess. Zugleich ist "Clouds of Sils Maria" aber auch ein vielschichtiges, auf mehreren Ebenen lesbares Meta-Movie über die Nöte, Sorgen und Empfindungen einer Schauspielerin, was er zum einen unmittelbar zeigt, gleichzeitig aber dank der cleveren Figurenkonstellation auch hintersinnig kommentiert. Die Dynamik der beiden weiblichen Hauptfiguren in dem Theaterstück "Maloja Snake" spiegelt sich nämlich unmittelbar in der Beziehung zwischen der etablierten Schauspielerin Maria Enders und ihrer jungen persönlichen Assistentin Val (und zusätzlich noch einmal im Verhältnis der beiden Schauspielerinnen, die sie spielen - Juliette Binoche und Kristen Stewart).

Einst war Enders mit dem Stück aus der Feder ihres Mentors Melchior der Durchbruch gelungen. Jetzt, mehr als 20 Jahre später, soll sie in einer Neuauflage wieder mitspielen, allerdings die andere Rolle, die der älteren und verbitterteren Frau. Zusätzlich verunsichert durch den plötzlichen Tod ihres Mentors, hadert Enders bei ihrem Aufenthalt in dessen Landwohnsitz im Engadin damit, ob sie den Part an der Seite eines aufstrebenden Hollywood-Jungstars, gespielt von Chloe Grace Moretz, wirklich spielen soll, und was das für sie als Schauspielerin und Mensch bedeuten würde.

Assayas nutzt seine Prämisse, um die zentralen Themen seines Films aus immer wieder anderen Richtungen zu betrachten

Assayas nutzt seine Prämisse, um die zentralen Themen seines Films aus immer wieder anderen Richtungen zu betrachten: Dass es vor allem ein Spiel mit dem Konzept Zeit und Wahrnehmung ist, wird immer wieder betont, durch Zeitsprünge, unaufgelöste Handlungssprünge und schließlich sogar der Andeutung einer möglichen Geistergeschichte: Vielleicht existieren die Figuren doch nur alle im Kopf der Hauptfigur. Das ist endlos faszinierend mitzuverfolgen. Assayas spielt an auf - am offensichtlichsten - Bergmans "Persona", aber auch Bezüge zu Fassbinders "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" und seiner eigenen Abrechnung mit dem Filmgeschäft, "Irma Vep", lassen sich entdecken, während sich die Handlung entlang windet wie die Malojaschlange, eine ganz besondere Wolkenkonstellation im Engadin, auf die immer wieder angespielt und in einer Einspielung eines vergessenen Stummfilms von Arnold Fanck von 1924 auch gezeigt wird. Vor allem aber ist diese Psychostudie eine Gelegenheit für die beiden so grundverschiedenen Hauptdarstellerinnen zu glänzen: So unterschiedlich Binoche und Stewart auch sein mögen: Beide lassen sich von ihrem Regisseur völlig neue Facetten ihres Könnens abringen. ts.

Kinostart: 18.12.2014

Quelle: kino.de