05.01.2015 08:00 nach Stephen Amidons Bestseller "Der Sündenfall"

Die süße Gier - formal raffiniert umgesetzter Mix aus Finanzthriller, Lovestory und Kriminalfilm

Die sueße Gier kino

Virtuos verknüpft Virzì die Handlungsstränge, versteht es geschickt Spannung aufzubauen und die Figuren miteinander in Bezug zu setzen; (c) Movienet (24 Bilder)

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Von: GFDK - Movienet/kino.de

Geld regiert die Welt - auch bei Paolo Virzìs aufrüttelndem Sozialthriller um zwei Familien, die ein Unfall mit Fahrerflucht untrennbar miteinander verbindet.

Die süße Gier demnächst im Kino

Ein Post-Berlusconi-Film, ein Drama um die Unbarmherzigkeit und Widersinnigkeit unserer modernen Finanzwirtschaft, angesiedelt in der glitzernden Welt der Schönen und Reichen. Von der "süßen Gier" nach Geld und der Angst, es wieder zu verlieren, erzählt Paolo Virzì ("Das ganze Leben liegt vor dir"), von der Wirtschaftskrise und ihren Opfern. Gleichzeitig geht es jedoch auch um die wirklich wichtigen Dingen des Lebens, um (die Suche nach dem) Glück, um Liebe, Hoffnung und ein erfülltes Dasein.

"Il capitale umano", "Humankapital", heißt dieser radikale Mix aus Sozialstudie, Lovestory und Kriminalthriller im italienischen Original, der Terminus technicus aus der Versicherungsbranche bezieht sich auf den Wert eines Opfers im Falle eines Schadensersatzanspruchs. Exakt 218.976 Euro ist letztendlich der Fahrradfahrer wert, der gleich im Opener Opfer einer Fahrerflucht wird. In der Nacht vor Heiligabend drängt ihn ein SUV - ein "Fuck You"-Aufkleber ziert das Heck des Wagens - in den Straßengraben und er erliegt im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Drei (Liebes-)Geschichten festgemacht an einem Todesfall, Regisseur und Drehbuchautor Virzì blickt auf die Ereignisse zurück, das tragische Unglück steht zu Beginn, dann rollt er den Fall in "Short Cuts"-Manier aus unterschiedlichen Perspektiven auf. Als Grundlage dient ihm Stephen Amidons Bestseller "Der Sündenfall", die Handlung hat er von Connecticut ins norditalienische Brianza verlegt - ein für ihn "exotisches, mysteriöses und räselhaftes Territorium", so wie es für den Taiwanesen Ang Lee die US-Ostküste gewesen sein muss als er dort "Der Eissturm" drehte.

Entsprechend spiegelt die äußere Kälte - neben den dunklen, verwaschenen Bildern von Kameramann Jerome Almeras - das Seelenleben der Protagonisten wider. Kalt lächelnd treibt Finanzhai Giovanni Bernaschi (aalglatt: Fabrizio Gifuni), den vom sozialen Aufstieg träumenden Immobilienmakler Dino Ossola (nervig: Fabrizio Bentivoglio) via Anlagefonds in den Ruin, derweilen die gelangweilte Signora Bernaschi (überzeugend: Valeria Bruni Tedeschi) mit dem künstlerischen Direktor ihres Theaterprojekts eine Affäre beginnt und ihr Sohn darunter leidet, dass ihn Ossolas ebenso aufrechte wie selbstbewusste Tochter (liebenswert: Matilde Gioli) abserviert hat.

ein Post-Berlusconi-Film, ein Drama um die Unbarmherzigkeit

Virtuos verknüpft Virzì die Handlungsstränge, versteht es geschickt Spannung aufzubauen und die Figuren miteinander in Bezug zu setzen. Alle Rollen des nah an der Realität angesiedelten Schauspielerfilms sind trefflich besetzt und gespielt, kein Wunder, dass das Werk bei den nationalen italienischen Filmpreisen abräumte - unter anderem gab's den David di Donatello in der Kategorie Bester Film - und als Oscar-Kandidat für den besten nicht-englischsprachigen Film ins Rennen geschickt wird. geh.

Kinostart: 08.01.2015

Quelle: kino.de