18.05.2015 08:00 Unkonventionelles Drama

Die Augen des Engels - Film über das Mordmysterium um Amanda Knox

Die Augen des Engels kino

"Die Augen des Engels" verweigert sich dem Erwarteten, versucht eine intime Annäherung an ein Spektakel; (c) Concorde

Die Augen des Engels filmDie Augen des Engels  dramakino aktuellfilm aktuell
Von: GFDK - Concorde/kino.de

Michael Winterbottoms Film über das Mordmysterium um Amanda Knox entwirft eine eigene Geschichte vor dem Hintergrund eines unlösbaren Kriminalfalls.

Die Augen des Engels demnächst im Kino

"Die Augen des Engels" verweigert sich dem Erwarteten, versucht eine intime Annäherung an ein Spektakel, das im Promoten des Sensationellen das Erschütternde aus den Augen verlor. Dabei geht der Film ungewöhnliche Wege, verbindet das Porträt einer Schaffens- und Lebenskrise mit einem Thrillertouch und der Geschichte einer unschuldigen Freundschaft, die einen zärtlichen Blick auf das Opfer und den tragischen Verlust eines jungen Lebens ermöglicht.

Wie ist der kreative Ansatz für ein Skandalosum mit nebulöser Beweislage und Verschwörungstheorien, in dem ein Täter schnell feststand, zwei mögliche Mittäter zuerst schuldig, dann freigesprochen und zuletzt erneut schuldig gesprochen wurden? Dieser Frage stellen sich Drehbuchautor Paul Viragh und Regisseur Winterbottom mit einer bewussten Kapitulation vor jedem Positionsbezug und einem Protagonisten, der ihre Orientierungsprobleme spiegelt. Regisseur Thomas Lang (Daniel Brühl) glaubt, im Umfeld des Prozesses gegen die junge US-Studentin Jessica (alle Namen der Beteiligten wurden geändert), die mit zwei Männern ihre Mitbewohnerin Elizabeth brutal ermordet haben soll, den Stoff für seinen neuen Film gefunden zu haben, der ihn aus seiner privaten und kreativen Krise herausholen soll. Von seiner Frau getrennt, versucht Lang über Skype den Kontakt zu seiner jungen Tochter zu halten. Dieser kleine Engel wie auch eine ältere Version, die 21-jährige Studentin Melanie (Model Cara Delevingne), zu der Lang eine charmante Beziehung aufbaut, sind Türen, durch die der Film verschlüsselt ins Leben des Opfers eintreten kann, um die Tragödie dieses Verlusts zu betonen, die von der Debatte um Täter und Begleitumstände in den Hintergrund gedrängt wurde.

Unkonventionelles Drama

Im Kontrast zu diesen überzeugenden Aspekten steht eine recht konstruiert wirkende, ins Niemandsland führende Affäre von Brühl mit Kate Beckinsales Journalistin, und eine Mystifizierung des Schauplatzes Siena (für Perugia), die Horrorassoziationen weckt. Hinzu kommen Traumsequenzen und eine neue Tätertheorie, die wohl die Auswirkungen einer drogeninduzierten Milieuparanoia verdeutlichen, aber vor allem durch den Thrilleraspekte mehr Zuschauer für dieses unkonventionelle Drama ködern sollen. kob.

Kinostart: 21.05.2015